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Lohmener verbreitet Nacktfotos von Ex-Freundin

Steffen L. wurde schon 2014 verurteilt, weil er seiner Partnerin nachstellte, sie beleidigte und Nacktaufnahmen von ihr postete. Nun gibt es ein neues Opfer.

© Eric Weser

Von Friederike Hohmann

Einige Jahre führte Sandra K.* mit ihrem Partner Steffen L. eine harmonische Beziehung. Sie sahen sich meist nur am Wochenende. Als sie dann aber im Juli 2019 in eine gemeinsame Wohnung zogen, änderte sich das. Häufig trank L. mehrere Flaschen Rotwein am Abend. „Dann war er immer ein anderer Mensch, sehr aggressiv“, schildert die Frau vor dem Amtsgericht in Pirna.

Ihr inzwischen 12-jähriger Sohn hätte Angst vor Steffen L. gehabt. Im Februar letzten Jahres war dann eigentlich auch Schluss mit der Beziehung. Doch anders als angekündigt, zog L. nicht aus der gemeinsamen Wohnung in Lohmen aus. Es war ja schließlich auch sehr bequem, weiter von Sandra K. bekocht zu werden. Auch dass sie seine Wäsche wusch, war sehr praktisch, gibt er unumwunden zu. Sandra K. sagt dem Gericht, sie habe ihn aus Mitleid weiter bei ihm wohnen lassen.

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Erst im Oktober packte er seine Sachen. Gleichzeitig packte ihn eine große Wut auf Sandra K. Er beleidigte sie und ihre Mutter mit schlimmen Schimpfwörtern, drohte sogar, Sandra K. zu töten. Auf einem Erotikportal erstellte er ein Profil unter ihrem Namen und gab dabei ihre Adresse und Handynummer an. Auch hatte er sie während der Beziehung ohne ihre Erlaubnis beim Sex mit ihm gefilmt. Fotos daraus verteilte er über soziale Medien in ihrem Bekanntenkreis.

Die 46-Jährige lässt sich auch jetzt noch als Opfer häuslicher Gewalt von einer Beratungsstelle helfen. Das Familiengericht Bautzen verhängte gegen Steffen L. bereits ein Kontaktverbot, gegen das er allerdings mehrmals verstieß.

Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst

Außerdem beleidigte er eine Polizeibeamtin, die mit den Ermittlungen gegen ihn befasst war. Bei einer Hausdurchsuchung waren Handys Computer und Tablets von Steffen L. konfisziert und anschließend ausgewertet worden. Viele der Beleidigungen, Nachstellungen und Bedrohungen kamen so in die Anklageschrift, die Steffen L. nun auch nicht leugnet. Er habe ja gar keine Chance, das zu bestreiten, da man ihm einfach alle Geräte wegnahm, beschwert er sich.

Unrechtsbewusstsein ist bei ihm kaum zu spüren. Entschuldigen will er sich allenfalls bei der Polizeibeamtin. Die habe ja schließlich nur ihre Arbeit gemacht. Sandra K. hingegen solle sich erst einmal bei ihm entschuldigen. Sie sei nämlich an allem Schuld.

Der 50-Jährige fällt der Richterin und dem Staatsanwalt immer wieder ins Wort. „Ich verteidige mich hier schließlich selber“, sagt er. Er saß schon viele Male auf der Anklagebank. Sein Vorstrafenregister ist lang und führt neben Betrug, Urkundenfälschung, Veruntreuung, Unterschlagung, Trunkenheit im Verkehr auch Beleidigung, Nachstellung und die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs auf. Immer kam L. mit Geld- oder Bewährungsstrafen davon.

Wegen Nachstellung, Bedrohung, Beleidigung und den Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz verurteilt das Gericht Steffen L. nun zu einer Haftstrafe von insgesamt neun Monaten - auch diesmal wieder auf Bewährung.

Da er sich seit April von Sandra K. fernhielt und angibt, demnächst, wenn er seinen Führerschein zurückbekommt, wieder als Immobilienmakler zu arbeiten, gibt das Gericht ihm noch eine Chance. Wenn er allerdings die Bewährungsauflagen bricht oder in der dreijährigen Bewährungszeit wieder straffällig wird, muss er ins Gefängnis. Außerdem soll er 1.000 Euro an die Opferhilfe Dresden zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

*Name geändert

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