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Streit um Einkaufsbeutel eskaliert

An der Breiten Straße in Pirna schlugen drei Betrunkene einen Mann krankenhausreif. Sie wurden wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Tatort Breite Straße in Pirna: Drei Männer sollen hier brutal auf einen vierten eingeschlagen haben.
Tatort Breite Straße in Pirna: Drei Männer sollen hier brutal auf einen vierten eingeschlagen haben. ©  Archivfoto: Daniel Förster

Von Friederike Hohmann

Marco F. konnte an diesem Tag im November 2019 schon am frühen Abend nicht mehr geradeaus laufen. Die später gemessene Blutalkoholkonzentration von 2,83 Promille war selbst für den langjährigen Trinker zu viel. Dennoch hatten er und seine beiden Kumpel Mario F. und Danilo G., die auch schon reichlich Alkohol getrunken hatten, noch nicht genug. Für Nachschub sollten zwei Freundinnen der Männer sorgen. Im Nahkauf Hütter an der Breiten Straße in Pirna holten sie weiteres Bier.

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Opfer fehlt bei Verhandlung

Was währenddessen in dem Buswartehäuschen an der Breiten Straße geschah, lässt sich bei der Verhandlung vor dem Pirnaer Amtsgericht nicht so leicht aufklären - mehr als ein Jahr danach. Der damals 59-jährige Mann, auf den Marco F., Mario F. und Danilo G. eingeprügelt haben sollen, ist wegen einer schweren Erkrankung entschuldigt. Auf den Busfahrer, der die Schlägerei beobachtet hatte und die Polizei rief, muss das Gericht ebenfalls verzichten. Er fehlte unentschuldigt. Das brachte ihm ein Ordnungsgeld von 150 Euro ein, das in drei Tage Ordnungshaft umgewandelt werden kann.

Stattdessen ruft Richterin Simona Wiedmer als Zeugin Vivien S. auf. Diese regt sich sehr darüber auf. Schließlich war sie gar nicht als Zeugin geladen, sondern nur als Begleitung ihres Freundes Marco F. mit zum Gericht gekommen. Dass die Entscheidung der Richterin wohl richtig war, zeigt sich, als zunächst die Freundin von Mario F. aussagt. Stefanie B. verwickelt sich dabei immer wieder in Widersprüche und wirkt sichtlich nervös. Die Richterin vermutet, dass sie ihre Aussage vorher mit den Angeklagten abgestimmt hatte.

Mit geballter Faust auf den Kopf geschlagen

Aus den Protokollen der Polizei geht hervor, dass Marco F. mit dem 59-Jährigen, der ihm angeblich seinen Einkaufsbeutel weggenommen hatte, im Buswartehaus aneinander geriet. Der Streit darüber gipfelte in einer handfesten Schlägerei, an der alle drei Angeklagten beteiligt waren. Der Busfahrer hatte beobachtet, dass ein Mann mit der geballten Faust auf den Kopf eines am Boden liegenden Mannes einschlug, während ein anderer das Opfer festhielt. Das Opfer, das zum Tatzeitpunkt selbst alkoholisiert war, erinnerte sich daran, dass einer der Schläger viele dicke Ringe an den Fingern trug, als er ihm auf den Kopf schlug. Diese Schläge waren wohl für die schwerste der Verletzungen verantwortlich, die später punktiert werden musste. Mario F. trägt im Gerichtssaal dicke Ringe an den Fingern.

Vivien S. kam später zur Schlägerei dazu und ging dazwischen. Sie erklärte ihrem Freund Marco F., dass sie doch mit seinem Einkaufsbeutel Bier holen war. Inzwischen habe sie ihren Freund fest an der Leine, sagte sie dem Gericht. Im April erwarten sie ein gemeinsames Kind. F. habe sich zur Therapie angemeldet und sie kontrolliere seinen Alkoholkonsum.

Polizist bei Corona-Protest verletzt

Wie Marco F. sich verhält, wenn er zu viel getrunken hat, war im Juni letzten Jahres am Amtsgericht in Pirna zu sehen. Damals wurde Videomaterial vom sogenannten Corona-Spaziergang am 13. Mai 2020 in Pirna gezeigt. F. hatte dabei Polizisten sowohl beleidigt als auch verletzt. Nur elf Tage nach der Verurteilung für diese Taten wurde er mit 1,7 Promille im Blut von der Polizei vom Fahrrad geholt. Auch diese Trunkenheitsfahrt ist nun mit angeklagt.

Zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt das Gericht den 36-Jährigen für die gefährliche Körperverletzung und die Trunkenheitsfahrt. Der 47-jährige Mario F. wird zu zehn und der 24-jährige Danilo G. zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Alle Strafen werden zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem müssen die Männer zwischen 100 und 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und zwischen 100 und 200 Euro an das Opfer zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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