merken
PLUS Pirna

SOE: Wird das Trinkwasser teurer?

Alte Leitungen und immer mehr Rohrbrüche: Das hat Folgen für die Versorgung.

So ein See am Straßenrand ist ein untrügliches Zeichen: Hier gab es einen Rohrbruch.
So ein See am Straßenrand ist ein untrügliches Zeichen: Hier gab es einen Rohrbruch. © Daniel Schäfer

Sie sind nicht zu sehen, und so lange sie funktionieren, ist das auch kein Problem. Doch immer öfter sind sie kaputt, und das spürt man: die Trinkwasserleitungen. Dafür ist in 18 Kommunen der Ex-Kreise Pirna und Sebnitz der Zweckverband Trinkwasserversorgung zuständig. Er versorgt 71.000 Menschen und betreut 1.300 Kilometer Leitungen, 66 Pumpstationen und 60 Speicherbehälter. Etwa ein Drittel der Leitungen stammt von vor 1990. Und das ist ein Problem.

Die Folgen waren jetzt in Heidenau zu spüren. Hier dauerte die Reparatur einer Leitung von 1987 mehrere Tage. Wie wird die Versorgung trotz häufiger Havarien gesichert? Steigt durch mehr Reparaturen auch der Preis fürs Trinkwasser und welche Orte sind besonders gefährdet? Diese und andere Fragen stellte Sächsische.de Mathias Leutert, Geschäftsführer des Zweckverbandes.

Anzeige
Das SHK-Handwerk ist seine Passion
Das SHK-Handwerk ist seine Passion

Lukas Kurz ist vor allem von der modernen Technik und den handwerklichen Herausforderungen in seinem Beruf fasziniert.

Wie lange halten Trinkwasserleitungen im Schnitt?

Trinkwasserleitungen haben grundsätzlich eine lange Lebensdauer. Man geht von zwischen 40 und 50 Jahren aus. Es zwar möglich, dass sie deutlich länger genutzt werden können. Genauso möglich ist es, dass sie vor der Zeit brechen, so wie eben in Heidenau. Eine Vorhersage anhand des Alters der Trinkwasserleitung, wann und wo der nächste Rohrbruch eintritt, ist nicht möglich, da Rohrbrüche von einer Vielzahl von verschiedenen Faktoren abhängig sind. Dazu gehören die Qualität des zu DDR-Zeiten eingebauten Rohrleitungsmaterials, aber auch Frost oder Trockenheit.

Wie oft kommt es zu Rohrbrüchen?

Größere Störungen mit regional oder sogar überregionalen Auswirkungen gab es im Verbandsgebiet in den vergangenen drei Jahren nicht. 2018 kam es 18 Mal zu Störungen, die einen Ausfall der Versorgung zur Folge hatten. 2019 waren es nur elf, 2020 dann wieder 15. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres waren es bereits 14 Störungen. Die höhere Anzahl von Störungen ist auf den Frost im Winter zurückzuführen. In der Regel ist die Versorgung nach zwei bis sechs Stunden wieder hergestellt. Es kann aber auch, so wie in Heidenau, mehrere Tage dauern. Hinzu kommt dann noch einmal die Zeit für die Wiederherstellung der Straße oder des Fußweges.

Welche Orte sind besonders betroffen bzw. gefährdet?

Schwerpunkte beim Erneuern der Trinkwassernetze sind Sebnitz, Neustadt, Bad Gottleuba, Königstein und Rosenthal-Bielatal.

Gibt es eine Chance, die bösen Überraschungen zu verhindern?

Grundsätzlich sind die regelmäßigen Kontrollen die wichtigste Präventivmaßnahme zur Sicherung der Wasserversorgungsanlagen. Daneben werden sie ständig mit Mess- und Fernwirktechnik überwacht. So können Störungen und Unregelmäßigkeiten schnell erkannt und entsprechend behoben werden. Doch eben nicht überall. Deshalb baut der Zweckverband seit diesem Jahr ein spezielles Schutzverfahren aus. Beim kathodischen Korrosionsschutz wird insbesondere den Zustand der Fernwasserleitungen umfassend überwacht, um Gefährdungspotentiale zu identifizieren und zu reparieren, bevor es zum Schaden kommt.

Ab welcher Dauer von Havarien werden Sanitärcontainer aufgestellt?

Üblicherweise werden von Trinkwasserversorgungsunternehmen bei kleineren Versorgungsunterbrechungen keine Sanitärcontainer aufgestellt. Bei nicht kurzfristigen Unterbrechungen werden Wasserwagen aufgestellt oder es wird eine provisorische Ersatzwasserversorgung aufgebaut und betrieben.

Das Erneuern der Leitungen kostet. Drohen Preiserhöhungen?

Die finanziellen Auswirkungen der notwendigen Investitionen auf den Wasserpreis sind von vielen Faktoren abhängig. Einer sind die Fördermittel. Gab es die früher zumindest anteilig, muss der Verband heute ohne auskommen. Hinzu kommen wie bei anderen Bauvorhaben die gestiegenen Kosten in der Branche. Der Verband versucht zwar, Abläufe und Kosten zu optimieren, ob und wie lange das ohne die Erhöhung der Entgelte geht, ist offen.

Störungsrufnummer: Telefon 035023 51610

Mehr zum Thema Pirna