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Rosenthaler beten für Tschernobyl

Die Projektgruppe "Kinder von Tschernobyl" hat mit einem Gottesdienst an die Reaktor-Katastrophe 1986 erinnert. Jetzt wird nach vorn geschaut.

Akteure der Projektgruppe "Kinder von Tschernobyl", darunter Pfarrer i.R. Günter Hartmann (re.), gedenken in Rosenthal der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl vor 35 Jahren.
Akteure der Projektgruppe "Kinder von Tschernobyl", darunter Pfarrer i.R. Günter Hartmann (re.), gedenken in Rosenthal der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl vor 35 Jahren. © Foto: Privat, Repro: Daniel Förster

Mit einem emotionalen Gottesdienst in der Kirche in Rosenthal hat die Projektgruppe „Kinder von Tschernobyl“ der atomaren Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl gedacht, die sich am 26. April zum 35. Mal jährte. Das knapp einstündige Gedenken mit rund 80 Gästen stand unter dem Motto: "Ein Tag, der die Welt verändert(e)".

Pfarrer i.R. Günter Hartmann hatte den ehemaligen Leipziger Superintendenten Johannes Martin Henker eingeladen, das geistliche Wort zu sprechen. Lesungen und Fürbitten trug der frühere Katholische Pfarrer aus Bad Schandau und Unterstützer der Gruppe, Peter Neumann, vor. Für Musik sorgte der vor einem Jahr gegründete Handglockenchor der St.-Johannis-Kirche Bad Schandau.

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Erholungsurlaub fällt wegen Corona erstmals aus

Das Reaktorunglück 1986 war für einige Rosenthaler Anlass, das Projekt „Kinder von Tschernobyl“ ins Leben zu rufen und Kindern aus den verstrahlten Gebieten in Weißrussland einen Erholungsurlaub in der Sächsischen Schweiz zu ermöglichen. Mitte Januar 1992 wurde erstmals eine Gruppe im Rüstzeitheim in Rosenthal aufgenommen. Parallel dazu startete ein Hilfstransport nach Bragin und Minsk. Beide Aktionen waren ursprünglich als einmalige Sache gedacht. Dabei blieb es jedoch nicht.

Seit mehr als 30 Jahren ist die Projektgruppe „Kinder von Tschernobyl“, die unter dem Dach des Kirchenvorstandes der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Rosenthal-Langenhennersdorf arbeitet, schon aktiv. Die Mitstreiter organisieren regelmäßig Hilfstransporte und Spenden für Braginer Kinder und soziale Einrichtungen vor Ort. Hinzu kommen die jährlich stattfindenden Erholungsurlaube in Rosenthal. Im Januar dieses Jahres wurden die Anstrengungen coronabedingt jedoch gestoppt. Erstmals seit 29 Jahren fiel die Reise nach Deutschland aus.

Kinder von damals schicken ihre Kinder nach Rosenthal

Im Gottesdienst wurden unter anderem Erinnerungsbriefe vorgelesen, so beispielsweise von den Drillingen Ljuba, Vera und Nadja, die sich als Steppkes in Rosenthal erholt hatten und nunmehr eine Ausbildung absolvieren. Als Dankeschön für die humanitäre Hilfe hatte zudem die ursprünglich aus Bragin stammende Familie Romanjuk der Arbeitsgruppe einen Bildband mit dem Titel „Die Wahrheit über Tschernobyl“ nach Rosenthal gesandt. Nicolai, der Vater der Familie, gehörte zu den Liquidatoren, die in der Sperrzone die atomaren Hinterlassenschaften beräumten. Mit seiner Frau Nina hat er zwei Söhne: Wadim und Andrej. Die Jungs, die damals neun und sieben Jahre alt waren, erholten sich in den Neunzigerjahren in Rosenthal. Inzwischen sind beide erwachsen. Wadim (39), der nun zwei Kinder hat, kann sich lebhaft daran erinnern, was er damals in Rosenthal erlebt hat. Vor einigen Jahren haben sich wiederum seine Kinder in der Sächsischen Schweiz erholen dürfen. „Da ist mittlerweile die nächste Generation bei uns“, sagt Pfarrer i.R. Günter Hartmann.

Er dankte allen Spendern und Unterstützern, denn „ohne sie wäre es nicht möglich, dass sich Mädchen und Jungen aus den Gebieten um Tschernobyl Jahr für Jahr in der Sächsischen Schweiz erholen“. Hartmann hofft, dass persönliche Besuche bald wieder möglich sind und das Projekt erfolgreich fortgesetzt werden kann. „Alle wollen weitermachen und stehen dafür in den Startlöchern“.

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