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Die Kanoniere von Nentmannsdorf

Kein Weinbergfest ohne Kanone: Es ist zwar keine echte, aber von Zeit zu Zeit schießt sie trotzdem. Jetzt wurde sie repariert und wartet auf die Lunte.

Gerold Zimmermann und Thomas Benedix (r.) haben immer einen Blick auf die Nentmannsdorfer Kanone.
Gerold Zimmermann und Thomas Benedix (r.) haben immer einen Blick auf die Nentmannsdorfer Kanone. © Oberthuer

Das Nentmannsdorfer Weinbergfest war legendär. Als es Anfang der 1970er die ersten Male gefeiert wurde, hatten die Nentmannsdorfer immer neue Ideen. Eine davon war die Kanone. Eine richtige zu besorgen war weder möglich noch wäre sie bezahlbar gewesen. Also machte sich der Stellmacher an die Arbeit. Bei genauerem Hinsehen sieht man noch heute, dass eine alte große Gasflasche das Herzstück der Kanone ist. Zwischen zwei alte Wagenräder gebaut, wurde die Kanone sogar mobil.

1974 eröffnete sie dann erstmals das Weinbergfest. Die Zahl steht auch auf dem Gasflaschen-Rohr. Für die Bedienung der Kanone gab es sogar einen Sprengmeister, erzählt Gerold Zimmermann. Der Meister musste jedes Jahr einen Schuss mehr vorbereiten. Zum zehnten Fest 1981 gab es zehn Schüsse und immer so weiter. 2001 waren es 30 Schüsse, es waren zugleich die letzten. Die Kanone blieb draußen stehen, verwitterte, geriet in Vergessenheit.

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Mit dem Traktor zum Dorfplatz

Die Feuerwehr, wer auch sonst, rettete sie. In einer Scheune wurde das Geschoss wieder aufgebaut. Das dauerte eine Weile, schließlich hat die Feuerwehr noch anderes zu tun, als Kanonen zu reparieren. Doch dann sollte sie wieder raus, auch auf die Gefahr hin, dass das Wetter und die Zeit erneut an ihr nagen. Aber wohin? In den Ort, das war klar. Man sollte sie ja sehen. Schließlich fiel die Wahl auf die Straße am Teich gegenüber der Solarfirma. Thomas Benedix stellte dafür eine Fläche seines Grundstückes zur Verfügung. Er und Zimmermann schauen auch immer nach der Kanone, bessern mal hier und da was aus. Die übrige Zeit wird sie von einer Soldatenfigur bewacht, die auch ein Scheunenfund ist. Christian Kaul, der auch an der Kanone mit Hand anlegte, steuerte sie bei.

2017, zur 600-Jahr-Feier von Nentmannsdorf, hatte die Kanone nach 16 Jahren wieder einen großen Auftritt. Wie in Weinbergfest-Zeiten gab sie den Startschuss. Dafür war sie extra mit einem Traktor zum Dorfplatz gefahren worden. Das Fest war vorbei, die Kanone kam wieder an ihren alten Platz.

Der nächste Schuss

Voriges Jahr nun war sie erneut reparaturbedürftig. Immerhin ist sie inzwischen 46 Jahre alt. Die Feuerwehr nahm sich ihrer an, strich und pflegte sie. Nun steht sie wie neu an ihrem angestammten Platz. Fest verschweißt und gesichert, sagt Gerold Zimmermann. "Man weiß ja heute nie ..." Wann der nächste Schuss aus der alten Gasflasche abgegeben wird? 605 Jahre Nentmannsdorf im nächsten Jahr sind zwar kein rundes Jubiläum, aber vielleicht ein Grund. Und einen gibt es schon dieses Jahr: 235 Jahre Feuerwehr Nentmannsdorf, wenn man den Beschluss zum Kauf einer Nass-Feuerspritze von 1786 als Gründungsdatum betrachtet.

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