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Wie Corona den Verkehr beeinflusst

Die Zahlen für den Kreis SOE zeigen, dass der Lockdown im April 2020 stärker anschlug als der im Dezember. Und die Statistik verrät noch mehr.

Am Grenzübergang in Schmilka hat der Verkehr erheblich zugenommen - bis der Lockdown kam.
Am Grenzübergang in Schmilka hat der Verkehr erheblich zugenommen - bis der Lockdown kam. © Steffen Unger

Auf der Straße zwischen Schmilka und dem tschechischen Hrensko (Herrnskretschen) ist nn diesem Vor-Frühlingstag wenig los. Ein einsamer Autofahrer fährt über die Grenze. Der Corona-Lockdown sorgt für Ruhe. An der automatischen Zählstelle an der Bundesstraße B172 rollten nach den aktuellsten Zahlen aus dem Dezember im Schnitt 260 Fahrzeuge täglich in jeder Richtung vorbei. Das sind mehr als 80 Prozent weniger als im Dezember 2019. Mit den jüngsten Einreisebeschränkungen hat sich die Zahl noch mal reduziert.

In Altenberg, Sebnitz und Neurehefeld sah es ähnlich aus. Am Grenzübergang Bahratal war der Rückgang mit 84,4 Prozent im Jahresvergleich am größten. Auf der Autobahn A17 am Grenzübergang Breitenau mit einem Minus von 37,5 Prozent am geringsten.

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Doch auch an weiteren Stellen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es erhebliche Unterschiede in der Verkehrsentwicklung im Vergleich zu den vergangenen Jahren.

Sächsische.de hat geschaut, wo laut Statistik der Gesellschaft für Verkehrswesen und ingenieurtechnische Dienstleistungen (List) die meisten Autos unterwegs sind. Das wird sachsenweit an mehr als 100 automatischen Zählstellen registriert. 18 davon sind auf dem Gebiet des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge platziert. Die neuesten stehen seit vorigem Jahr auf der S36 bei Limbach und auf der B171 bei Reichenau.

Wie sich der Verkehr übers Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 an den automatischen Zählstellen im Landkreis reduziert hat.
Wie sich der Verkehr übers Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 an den automatischen Zählstellen im Landkreis reduziert hat. © SZ Grafik

Mehr Verkehr an Grenze - bis zur Schließung

Über den Grenzübergang im Elbtal bei Schmilka fuhren 2019 im Schnitt 1.700 Autos pro Tag je Richtung. Im April 2020, während dem ersten Lockdown, ging der Grenzverkehr beinahe gegen Null. Tschechien hatte die Grenzen dicht gemacht. Nur noch 15 bis 20 Fahrten wurden täglich verzeichnet. Mit der Öffnung der Grenzen im darauffolgenden Sommer wuchs die Zahl der Fahrzeuge auf fast 2.000 täglich.

Interessant ist, dass stetig etwas mehr Fahrzeuge nach Deutschland einrollen, als wieder hinaus. Am Grenzübergang der Bundesstraße B170 in Altenberg-Zinnwald ist das im Übrigen anders herum. Ein direkter Zusammenhang kann bisher aber nicht hergestellt werden.

Am Grenzübergang in Zinnwald ist im Übrigen etwas weniger los als in Schmilka. 2019 waren es im Schnitt etwas mehr als 1.000 Autos pro Tag zu.

Lockdown im April schlug mehr an als im Dezember

Die automatische Zählstelle auf der Bundesstraße 173 in Grumbach haben dagegen wesentlich mehr Fahrzeuge passiert. Rund 6.500 waren dort im Schnitt täglich in jede Richtung unterwegs.

Im Corona-Jahr 2020 hat sich das erwartungsgemäß reduziert. Allerdings sank das Verkehrsaufkommen im Vergleich zu 2019 im Jahresschnitt nur um 5,8 Prozent. Sachsenweit hat sich der Verkehr auf allen Bundesstraßen um 12,3 Prozent reduziert.

Zum Vergleich: Auf der Bundesstraße B172 in Königstein ging der Verkehr um mehr als zehn Prozent zurück, auf der B170 am Possendorfer Berg um 8,9 Prozent und auf der Staatsstraße 165 im Kirnitzschtal um 7,3 Prozent.

Dort, auf der Staatsstraße bei Bad Schandau, hatte der Lockdown übrigens neben den Grenzübergängen zu Tschechien die größten Auswirkungen auf den Verkehr. Im April wurden dort 58 Prozent weniger Autos gezählt als im Jahr zuvor, im Dezember waren es 42 Prozent. Vor allem die Touristen fehlten. Nur an einer Handvoll der mehr als 100 Zählstellen in Sachsen war der Rückgang noch größer.

Auffällig ist überall im Landkreis, dass im April 2020, im ersten Lockdown, konsequenter auf Fahrten verzichtet wurde. Im sogenannten harten Lockdown im Dezember 2020 hatte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat trotz der zahlreichen Schließungen von Kaufhäusern, Einzelhandelsgeschäften, Hotels und Gaststätten die Zahl der Fahrzeuge weniger stark reduziert als im April.

Ein Drittel weniger Verkehr auf der Sachsenbrücke

Eine der am meisten befahrenen Staatsstraßen in Sachsen ist laut Verkehrsstatistik die S172 in Heidenau. Im Jahr 2019 fuhren im Schnitt 7.200 Fahrzeuge täglich je Richtung dort entlang. Im April 2020 sank die Zahl der Autos um 30,6 Prozent auf rund 5.600. Im Jahresschnitt lag das Minus bei 4,9 Prozent. Das ist einer der niedrigsten Werte in Sachsen.

Auf der Sachsenbrücke (S177 von Pirna Richtung Radeberg und Autobahn A4) sind noch etwas mehr Fahrzeuge als in Heidenau unterwegs. Der Lockdown im Dezember hat den Verkehr dort um ein Viertel reduziert. Im April war es sogar ein Drittel.

Die Schwankungen übers Jahr waren enorm. Im Oktober waren bis zu 10.000 Fahrzeuge an einem einzigen Tag je Richtung in Heidenau registriert worden, auf der Sachsenbrücke sogar mehr als 11.000. Im April lag dagegen der Durchschnitt nicht mal bei halb so vielen Autos.

Wie hier auf der A17 bei Breitenau wird seit 14. Februar 2021 an der Grenze wieder strenger kontrolliert. Tschechien wurde als Virusvariantengebiet eingestuft und deshalb gelten verschärfte Einreisevorschriften.
Wie hier auf der A17 bei Breitenau wird seit 14. Februar 2021 an der Grenze wieder strenger kontrolliert. Tschechien wurde als Virusvariantengebiet eingestuft und deshalb gelten verschärfte Einreisevorschriften. © Tino Plunert/dpa

Mehr Grenzverkehr über die A17

In Sachsen hat sich der Verkehr an den 32 Dauerzählstellen auf Autobahnen 2020 im Jahresdurchschnitt zum Vorjahr um 15 Prozent reduziert. Auf der A17 war der Rückgang am größten, auf der A38 bei Leipzig am geringsten. Das dürfte unmittelbar auf die Grenzschließungen von und nach Tschechien zurückzuführen sein. Die A17 ist der Grenze am nächsten, die A38 in Sachsen am weitesten entfernt.

Am Grenzübergang in Breitenau wurden übers Jahr im Schnitt 6.000 Fahrzeuge täglich Richtung Dresden und 6.300 Richtung Prag gezählt. Den Tagesspitzenwert gab es am 4. Januar 2020. Da fuhren 12.377 Fahrzeuge Richtung Dresden. An jenem Nachmittag wurden mehr als 1.000 Fahrzeuge in einer einzigen Stunde registriert.

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Dagegen waren es im Lockdown im April nur 2.600 pro Tag. Auch hier war im Dezember doppelt so viel los, weil die Grenze nicht komplett geschlossen wurde wie im April. Seit 14. Februar ist Tschechien jedoch als Virusvariantengebiet eingestuft und deshalb gelten verschärfte Einreisevorschriften. Das hat die Zahl der Fahrzeuge weiter reduziert.

In Sachsen waren voriges Jahr über zwei Millionen Pkws zugelassen.

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