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Wie Firmen mit der Corona-Angst umgehen

Der Wirtschaftstag des Landkreises stand im Zeichen der Pandemie. Lösungen konnte er nicht liefern, aber Ansätze.

Führungsexperte Alexander Groth im Pirnaer Berufsschulzentrum. Der Wind of Change hört nicht mehr auf zu blasen.
Führungsexperte Alexander Groth im Pirnaer Berufsschulzentrum. Der Wind of Change hört nicht mehr auf zu blasen. © Daniel Schäfer

Kurzarbeit, Entlassungen, unsichere Jobperspektiven - die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind im Landkreis präsent, auch wenn viele Firmen besser als erwartet durch das Frühjahr und den Sommer gekommen sind. Am C-Thema kam folgerichtig auch der Wirtschaftstag des Landkreises nicht vorbei. 180 Unternehmer und Führungskräfte folgten am Mittwoch der Einladung von Landrat Michael Geisler (CDU), der diesmal mit der traditionellen Veranstaltung auf die Turnhalle des Berufsschulzentrums in Pirna auswich. Die bot zwar reichlich Platz, um genug Abstand halten zu können, aber auch eine wesentlich nüchternere Atmosphäre als die übliche Kulisse Schloss Sonnenstein. Wettmachen sollten das zwei hochkarätige Referenten: der Führungsexperte Alexander Groth und der Futurist Axel Liebetrau. 

Die Hauptbotschaft des Bestsellerautors Groth lautete: Auch in der Krise schließen sich Leistungsorientierung und Menschlichkeit nicht aus. Unternehmer müssen, wenn sie unangenehme Entscheidungen treffen, ihren Mitarbeitern zuhören und sie mitnehmen. Aufwendig erklärte Groth die Psychologie von schlechten Nachrichten, wie sie beim Adressaten der Reihe nach Angst, Zorn und Trauer/Schmerz auslösen. Damit müssen Führungskräfte gut umgehen können. Auch wer in der Theorie wisse, wie das geht - und das sind viele -, sei man in der Praxis nicht automatisch erfolgreich. Hinzu kommt, dass große Veränderungen in den Betrieben immer öfter vorkommen. Wirbelte der "Wind of Change" früher nur alle fünf oder drei Jahre Strukturen und Organisationen durcheinander, sei dies heute gefühlt mehrmals im Jahr der Fall. Jedes Mal müssen Unternehmenslenker die Veränderungen nicht nur umsetzen, sondern die Belegschaften dafür auch gewinnen. Ohne Widerstände geht es selten ab. Groth warnte seine Zuhörer davor, in Verhaltensmuster zu verfallen, die weder der Firma noch den Beschäftigten helfen. Dazu zählen Dozieren, Ignorieren und Induzieren - mit Letzterem ist der Aufbau von Druck auf die Belegschaft gemeint. 

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"Begegnen Sie die Angst der Mitarbeiter vielmehr mit Respekt", riet der Redner den Unternehmern aus dem ganzen Landkreis. An einem Beispiel erklärte er ihnen, wie es gelingt, Bedenkenträgern zuzuhören, sich auf ihre Argumente einzulassen und sie bestenfalls mitzunehmen. Sein Fazit: Schon allein ehrliches  Zuhören hilft, Widerstände abzubauen. Schließlich legte er den Unternehmern ans Herz, auch in der Corona-Zeit Erfolge zu feiern. Man sollte nicht unterschätzen, was diese Form der Anerkennung, verbunden mit öffentlichem Lob an Einzelne, an positiven Energien mobilisiere. 

Der Innovationsexperte Axel Liebetrau appellierte in seinem Vortrag an die Unternehmer, trotz Corona nicht nur immer an den nächsten Tag oder an die nächste Woche zu denken. Entscheidend seien die technologischen Entwicklungen der nächsten zehn Jahre. Ein Auto, das vor der Kaufhalle selbst einparkt? Digitale Assistenten, die für uns im Alltag zahlreiche Erledigungen übernehmen? Davon sei bereits heute viel möglich. Unternehmer sollten es schaffen, daraus rasch Mehrwert zu schaffen. Wie das konkret passieren soll, wurde allerdings durch den Vortrag nicht klar. 

Auch Landrat Geisler wandte sich mit einer Ansprache an die Zuhörer. Er bezeichnete Corona als eine Art Katalysator, der Fehler und Probleme aus der Vergangenheit verstärke und die bisherigen Herausforderungen (Niedrigzinsphase, Überalterung, Fachkräftemangel) überlagere. Gefährlich sei dabei, dass Corona immer noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen sei. Trotz einer Million Toten und 30 Millionen Infizierten weltweit. "Man muss den Leuten klar machen, dass es diese Umstände gibt", sagte er. Ist das Verständnis da, so die Hoffnung, können die Probleme weniger emotional und mehr rational angegangen werden. 

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