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Macht 5G das mobile Internet in SOE flott?

Vodafone verkündet den Start seines superschnellen Netzes. Wo es verfügbar ist und wie der Ausbau bei der Konkurrenz läuft.

© Sophia Mosch

Der Mobilfunk-Anbieter Vodafone spricht von einer Europa-Premiere: Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge steht seit dieser Woche das 5G-Netz zur Verfügung - wenn auch nur in ausgewählten Gebieten. Das bringt den Kunden ein viel schnelleres mobiles Internet als bislang.

Laut Vodafone ist die Übertragung bis zu 700 Megabit pro Sekunde schnell. Zum Vergleich: Ein Selbsttest mitten in Pirna im bisherigen 4G-, also LTE-Netz ergibt eine Download-Geschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde. Aber selbst das ist viel schneller als viele stationäre DSL-Anschlüsse. Noch einen großen Vorteil bringt 5G: niedrige Latenzzeiten. Während die eigene Messung im LTE-Netz 75 Millisekunden Reaktionsverzögerung anzeigt, sollen es bei 5G lediglich 10 Millisekunden sein.

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Das macht den Weg frei für neue Anwendungen wie autonomes Fahren, Augmented Reality (wie etwa ein virtueller Spaziergang) oder das Austauschen von Daten in der Industrie in Echtzeit. Doch machen 18 umgerüstete oder neue Mobilfunkantennen von 115 wie sie von Vodafone im Landkreis betrieben werden, noch keinen Digitalfrühling. Der Ausbau auch bei der Konkurrenz wird noch lange dauern und am Ende dürften immer noch weiße Flecken übrig bleiben. Ein SZ-Überblick.

Wo gibt es heute 5G im Landkreis SOE?

Dazu gibt es Karten von den Mobilfunkbetreibern, die im Internet abgerufen werden können. Die Karte von Vodafone zeigt, dass der Weg zu einer flächendeckenden Versorgung noch weit ist. So werden nicht einmal Pirna, Freital, Heidenau oder Sebnitz komplett abgedeckt. Gut klappt es immerhin in der Pirnaer Altstadt, aber auch rechtselbisch in Copitz, Mockethal, Zatschke oder Hinterjessen. In Heidenau sind vor allem die elb- und S172-nahen Bereiche abgedeckt. In Freital sind vor allem die Dresden-nahen Bereiche versorgt, nicht aber Birkigt. Deuben und Hainsberg sind weiße Flecken. Vergleichsweise gut stehen Dippoldiswalde und Neustadt da.

Die Telekom wirbt mit dem größten 5G-Netz Deutschlands und tatsächlich sind bei diesem Anbieter weniger weiße Flecken z.B. in Freital zu sehen als bei Vodafone. Die Netzausbaukarte zeigt aber auch: Sebnitz ist bei der Telekom komplett weiß. Dafür deckt das Unternehmen das Osterzgebirgsvorland (Dohna, Bad Gottleuba-Berggießhübel) besser ab. Übrigens sagt die Telekom selbst, dass von den 700 Megabit pro Sekunde in der Praxis 300 realistisch sind.

Für Kunden von O2 steht 5G zumindest in der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge nicht zur Verfügung. Dieser Anbieter startete im Herbst 2020 zunächst in den Metropolen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

Wer kann das 5G-Netz mit seinem Handy nutzen?

Voraussetzung für das Surfen im Internet mit 5G-Geschwindigkeit sind Mobiltelefone mit entsprechender Technik. Ein Preisvergleichsportal zeigt an, dass es die günstigsten Geräte schon für rund 100 Euro gibt. Modelle von einem bekannten Hersteller wie Samsung oder Motorola starten bei Preisen von etwas über 200 Euro. Um das superschnelle mobile Internet zu nutzen, braucht man in der Regel noch einen 5G-Tarif.

Laut Vodafone haben den alle Kunden automatisch, die über einen Laufzeitvertrag verfügen. Allerdings müssen Interessenten 5G per App freischalten lassen, sagte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf auf Anfrage von Sächsische.de. Bei der Telekom heißt es, alle seit Herbst 2019 abgeschlossenen Mobilfunkverträge beinhalten 5G. Wer einen älteren Vertrag hat, muss also in einem neuen Tarif verlängern. O2 bietet die 5G-Verträge separat neben 4G an. Die Preise beginnen bei 39,90 Euro pro Monat. Kunden von 1&1 Drillisch sind heute noch im O2-Netz unterwegs, können aber nur LTE nutzen. Drillisch wird das eigene 5G-Netz erst noch ausbauen müssen.

Was kostet surfen mit 5G im Monat?

Bei Vodafone und Telekom ist das 5G-Netz in allen Tarifen mit dabei. Der günstigste Vertrag kostet bei der Telekom aktuell 29,95 Euro im Monat, wobei aber der Preis nach dem ersten Jahr auf 39,95 Euro steigt bei 24 Monaten Mindestlaufzeit. Bei Vodafone beträgt der Monatspreis stabil 29,99 Euro während der gesamten zweijährigen Laufzeit. Preise ändern sich aber oft. Wer einen neuen Vertrag abschließen will, sollte zuvor die aktuellen Angebote vergleichen.

Wie wird das Netz weiter ausgebaut?

Offenbar sehr unterschiedlich, was die Geschwindigkeit angeht. Vodafone-Sprecher Petendorf sagt, bis Mitte 2022 plant sein Unternehmen elf weitere Baumaßnahmen im Landkreis. Vorgesehen ist ein komplett neuer Mobilfunkstandort mit 5G, außerdem werden zehn LTE-Stationen aufgerüstet. Rechnerisch ergibt das dann 29 5G-Standorte von insgesamt 116. Mit den heute 115 Antennen bietet Vodafone 97,6 Prozent der Einwohnern LTE an. "Der genau 5G-Fahrplan für die Aufwertung der weiteren Vodafone-Standorte steht noch nicht fest", sagt Sprecher Petendorf. Mittelfristig will aber das Unternehmen 100 Prozent Abdeckung erreichen, zumindest was die Bevölkerung angeht, nicht aber die Fläche. Denn: "Rehe und Fische gehören leider gewöhnlich nicht zu den zahlenden Mobilfunkkunden", witzelt der Sprecher. Wanderer aber schon.

Telekom-Sprecher Georg von Wagner sagt, die 5G-Netzabdeckung durch die Telekom beträgt 65 Prozent der Bevölkerung, Ziel seien 100 Prozent. "Der Ausbau geht sehr zügig weiter und wir gehen davon aus, dass wir zum Jahresende etwa 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung mit 5G versorgen werden", so der Telekom-Sprecher.

Nach den Worten von O2-Sprecher Florian Streicher wird sein Unternehmen bis 2025 ein deutschlandweites 5G-Netz bereitstellen. "Damit werden wir auch den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit einem umfassenden 5G-Netz abdecken."

Bringt 5G für das Telefonieren etwas?

Nein, an sich nichts. Mobiles Telefonieren läuft weiterhin über GSM - also 2G. Die Netzbetreiber geben an, mit diesem Dienst nahezu 100 Prozent abzudecken. Gemeint ist aber auch hier nicht die Fläche, sondern die Bevölkerung. Anders ist es, man telefoniert über das Internet zum Beispiel per Face Time oder Skype. Dann profitiert man unter Umständen von der schnelleren Übertragung.

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