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Neuer Caravan-Stellplatz in Pirna?

Der Elbeparkplatz in Copitz ist als Stellfläche für Wohnmobile umstritten, generell sind Caravan-Plätze rar. Aber es gibt möglicherweise eine Alternative.

Gelände am Wasserplatz in Pirna: ausreichend Potenzial für einen Camping- und Wohnmobilplatz.
Gelände am Wasserplatz in Pirna: ausreichend Potenzial für einen Camping- und Wohnmobilplatz. © Thomas Möckel

Die Corona-Pandemie in diesem Jahr und die damit einhergehende eingeschränkte Reisefreiheit haben auch den Tourismus gravierend verändert. Nach dem ersten Lockdown im späten Frühjahr war bei vielen Urlaub im Inland angesagt, was der Sächsischen Schweiz und der Stadt Pirna eine Touristenflut bescherte.

Da aber die Zahl der festen Herbergen begrenzt ist, waren Campingplätze stark frequentiert. Dabei erlebte vor allem ein Bereich einen ungeahnten Aufschwung: Urlaub mit dem Wohnmobil. Ganze Karawanen der fahrenden Ferienunterkünfte schlängelten sich durchs Elbsandsteingebirge und durch Pirna.

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Die negativen Nebenwirkungen des massiven Kolonnen-Verkehrs: weil offizielle Standplätze für die Karossen rar sind, parkten die Wohnmobilisten ihre Fahrzeuge auf allen möglichen Flächen, auch dort, wo sie eigentlich nicht stehen durften. Oftmals verstopften Caravan-Schlangen ganze Straßenzüge und behinderten den Verkehr.

Zu wenig Wohnmobil-Stellplätze

In Pirna ist die Zahl der offiziellen Standplätze für Wohnmobile überschaubar. Es gibt einen privat betriebenen Stellplatz im Schlosspark auf dem Sonnenstein sowie Standplätze auf dem Waldcampingplatz am Copitzer Naherholungszentrum. Auch auf dem Elbeparkplatz in Copitz dürfen Wohnmobile parken - aber eben nur parken. Das Areal ist ausdrücklich kein Campingplatz, dafür fehlt die nötige Infrastruktur. 

Üblicherweise dürfen Wohnmobile dort eine Nacht stehen, was einige aber nicht von einem längeren Aufenthalt abhält. Auch dieser Platz quoll im Sommer förmlich über. Das Fazit: die Caravan-Stellplätze in Pirna reichen bei Weitem nicht aus.

Camping-Alternative am Wasserplatz

Um dieses Stellplatz-Defizit zu beseitigen, gibt es nun möglicherweise eine Alternative. Ein großes Gelände könnte künftig ganz offiziell zu einem Camping- und Wohnmobilplatz entwickelt werden - das Areal am Wasserplatz. Der Wasserplatz erstreckt sich linkselbisch zwischen dem Bahnhofsgelände und der Elbe, er reicht von der Straße "Am Elbufer" bis zur Gottleuba-Mündung. 

Das Gebiet ist ein ehemaliger Militärstandort, schon das Königlich Sächsische Pionier-Bataillon Nummer 12 übte dort. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Nationale Volksarmee (NVA) mit ihrer Gründung 1956 das Areal, ließ es einzäunen und stark bewachen. 

Nach Aussage der Stadt sind heute am Wasserplatz noch Gebäude und befestigte Freiflächen des einstigen Militär-Quartiers vorhanden. Auf einem der Grundstücke hat die Wasserschutzpolizei ihr Domizil.

Im hinteren Bereich bietet bereits jetzt ein privater Betreiber Camping- und Wohnmobilstellplätze an, die Gebühr beträgt 25 Euro am Tag, es gibt Duschen, Toiletten, eine Küche sowie Frischwasserver- und Grauwasserentsorgung. Das Areal war im Sommer stark frequentiert, der überwiegende Teil der Camper gibt dem Platz gute Noten und lobt die schöne Lage an der Elbe sowie den gastfreundlichen Betreiber.

Allerdings fehlt es der Fläche an dem offiziellen Status als Camping- und Wohnmobilplatz.

Stadtrat beseitigt Hindernis

Der Stadtrat hat aber nun die Grundlage dafür geschaffen, dass das Gelände perspektivisch diesen Status bekommen kann. Die Abgeordneten billigten in der November-Sitzung den geänderten Entwurf des Flächennutzungsplanes - einschließlich einer vom Rathaus kurzfristig empfohlenen Änderung.

Nach Gesprächen mit dem Investor hatte die Stadt angeregt, am Wasserplatz einen neuen Änderungsbereich aufzunehmen - in der Form, dass die Darstellung im Flächennutzungsplan der Entwicklung eines Camping- und Wohnmobilplatzes künftig nicht entgegensteht.

Da aber laut des Rathauses noch nicht entschieden sei, wie dieses Projekt einmal genau ausformuliert wird, sollte die Fläche am Wasserplatz von den Darstellungen im Flächennutzungsplan vorerst ausgenommen werden. 

Pirna schlug vor, zwei Freiflächen direkt am Elbufer statt wie bisher als Grünfläche nun zunächst als "Fläche ohne Nutzungsausweisung" darzustellen. Das lasse nun alle Wege für einen künftigen Camping- und Wohnmobilplatz offen. Der Stadtrat folgte dem Vorschlag der Stadt.

Katastrophale Zustände am Copitzer Elbeparkplatz

Ausgelöst wurde dieser Änderungswunsch zum einen durch die geringe Zahl von Caravanstellplätzen in der Stadt, zum anderen durch den immer wieder schwelenden Konflikt um den Copitzer Elbeparkplatz.

Anwohner, andere Gäste sowie Stadträte beschweren sich regelmäßig über die aus ihrer Sicht katastrophalen Zustände am Copitzer Elbufer. So ist das Parkplatz-Gelände oft vermüllt, Camper nutzen die Elbwiesen als Freiluft-Toilette, oft blockieren Wohnmobile die Pkw-Parkplätze. 

Die Alternative am Wasserplatz kommt da gelegen, bis zu einem offiziellen Status dauert es aber noch. Nach Aussage der Stadt soll das Gelände am Wasserplatz erst zu einem späteren Zeitpunkt vorzugsweise als "Sondergebiet Camping" ausgewiesen werden. 

Chancen für neuen Campingplatz stehen gut

Das hat vor allem mit der Lage des Areals zu tun. Der als Campingplatz avisierte Bereich grenzt an ein Vorranggebiet für Arten- und Biotopschutz, ebenso an ein Vorranggebiet für vorbeugenden Hochwasserschutz. Daher müsse nach Aussage der Stadt zunächst vertieft geprüft werden, ob ein solches Vorhaben zulässig und genehmigungsfähig ist. 

Insgesamt stehen die Chancen für einen offiziellen Camping- und Wohnmobilplatz am Wasserplatz aber gut. Laut dem Landschaftsplan ist zwar der Lauf der Elbe, aber nicht das Areal an sich Teil des Landschaftsschutzgebietes "Pirnaer Elbtal". Zudem stellt der Landschaftsplan die Grundstücke schon als Teil einer Siedlung dar und regt an, dort beispielsweise Schutzhütten oder einen Wanderrastplatz anzulegen. 

Die Fläche liegt am überregionalen Elberadweg und ist in weiten Teilen bereits gepflastert. Neue Hochbauten und eine weitere Versiegelung sind nicht geplant. Laut dem Landschaftsplan werde daher ein Campingplatz das Schutzgut Natur nicht zusätzlich belasten.

Gelingt es, dieses Areal zu entwickeln, könnte Pirna dann möglicherweise die Parkordnung auf dem Elbeparkplatz in Copitz wieder ändern. Platz wäre dann dort nur noch für Pkws, aber nicht mehr für Wohnmobile.

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