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Neues über Pirnas bekanntesten Baumeister

Rainer Rippich hat das Leben und Wirken von Unternehmer Fürchtegott Kemnitzer in Pirna dokumentiert. Es ist sein bisher umfangreichstes Werk.

© René Misterek

Von René Misterek

Industrialisierung und Urbanisierung einhergehend mit tiefgreifenden sozialen Veränderungen bestimmten die Entwicklung Sachsens seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der ökonomische Aufschwung führte auch in Pirna und in dem später eingemeindeten Copitz zur Ansiedlung zahlreicher Betriebe und einer bedeutenden Stadterweiterung. Mit einem Gespür für lohnende Investitionen, oft auch mit großer Risikobereitschaft etablierten Unternehmer prosperierende Industriebetriebe, die zu einem wachsenden Arbeitskräftebedarf führten. Sieht man einmal von dem durch Dr. Klaus Müller und Georg-Heinrich Treitschke im Jahr 2014 vorgelegten Buch über Hugo Richard Küttner und das Kunstseidenwerk ab, so hat die stadtgeschichtliche Forschung in Pirna über diese Unternehmerpersönlichkeiten bisher überraschend wenig hervorgebracht. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass der Pirnaer Rainer Rippich nun eine umfangreiche Studie über den Bauunternehmer Fürchtegott Kemnitzer (1852-1921) vorlegt.

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Vom Wohnhaus bis zum Stahlwerk

Die Baubranche nahm in dieser Zeit einen starken Aufschwung: Neben den Industriebauten musste Wohnraum für die zugezogenen Arbeitskräfte geschaffen werden, ebenso für gehobene Ansprüche der damaligen Leistungsträger. Hinzu kam der Bedarf an Schulen und Verwaltungsgebäuden, ganze Straßenzüge wurden von Grund auf geplant. Dem aus Limbach im Vogtland stammenden Fürchtegott Kemnitzer gelang es, aus bescheidenen Anfängen heraus in diesem Prozess eine dominierende Rolle einzunehmen.

Rainer Rippich hat den Weg von Fürchtegott Kemnitzer zu einem führenden Bauunternehmer akribisch erforscht. In seinem Buch dokumentiert er detailliert die vielen Bauprojekte Kemnitzers. Dazu gehörten unter anderem Wohn- und Geschäftshäuser an der Königsteiner Straße und der heutigen Maxim-Gorki-Straße, der Bau des städtischen Wasserwerks, Schulen in Pirna, Copitz, Mockethal, Groß-Graupa, Kasernenbauten für die Pirnaer Garnison, Industriebauten für Hugo Küttner und das Stahlwerk der Gebrüder Hunger.

Rainer Rippich stellt den Aufschwung der Baufirma Kemnitzer, zu der bald auch ein dampfbetriebenes Stein- und Holzsägewerk gehörte, in einen größeren Kontext, indem er auf politische Entwicklungen und insbesondere auf sozialpolitische Reformen Bezug nimmt. Ebenso wichtig ist für ihn die Innensicht des Unternehmens: Er behandelt die Probleme, Rückschläge und Brüche in der Firmenentwicklung bis hin zu privaten Ereignissen in der Unternehmerfamilie.

Im zweiten Teil des Buches dokumentiert der Autor die weitere Entwicklung der seit 1919 selbstständig agierenden beiden Betriebsteile nach Kemnitzers Tod, die Geschichte der daraus hervorgehenden Baufirma Max Koch & Co. und des Sägewerkes F. Kemnitzer bis zur Löschung der Firmen nach dem Zweiten Weltkrieg und den Übergang ins Volkseigentum. Thematisiert werden dabei Wohnungsbauprogramme und die Errichtung von öffentlichen Gebäuden in den 1920er-Jahren, der Bau des Geibeltbades, der Einsatz der Firma im nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramm bis hin zur Beschäftigung von Kriegsgefangenen und Arbeiten in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein.

Buch für breiten Leserkreis

Rainer Rippich, der bisher durch stadtgeschichtliche Kalender und weitere Schriften bekannt wurde, hat damit sein bisher umfangreichstes Werk vorgelegt. Es ist spannend geschrieben und für einen breiten Leserkreis bestimmt. Der 216 Seiten umfassende Band „Baumeister Fürchtegott Kemnitzer – Eine Spurensuche in Pirna“enthält über 200 Abbildungen, eine gut lesbare, interessante Text-Bild-Dokumentation, die von Anke Albrecht gestaltet wurde. Für die Pirnaer Stadtgeschichte bedeutet das Buch einen großen Erkenntniszuwachs, der nur durch mehrjährige intensive Recherchearbeit erreicht werden konnte. Interessierte können das Buch für 25 Euro bei Rainer Rippich bestellen unter Telefon: 03501 783310.

*René Misterek ist freier Autor und Leiter des Pirnaer Stadtmuseums.

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