merken
PLUS Pirna

Onlinehändler wegen Betrugs verurteilt

Jens R. aus Pirna verkaufte im Internet Autoteile, kassierte von seinen Kunden Geld, lieferte die Produkte aber nicht aus. Nicht nur deshalb stand er nun vor Gericht.

© Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Von Friederike Hohmann

Den Satz „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil …“ hört Jens R. an diesem Tag gleich zweimal. Das erste Urteil ergeht schon nach wenigen Minuten vor dem Amtsgericht in Pirna. Dort musste sich der Pirnaer verantworten. Der erste Grund: Im August dieses Jahres war Jens R. mit seinem Transporter auf der Pratzschwitzer Straße in Höhe der Kiesgrube unterwegs, als ihm zwei Polizisten entgegenkamen. R. hätte während der Fahrt sein Handy in der Hand gehabt und darauf geschaut, sagt der Polizist als Zeuge aus. Er habe es nur umlegen wollen, hätte R. behauptet.

Anzeige
Lost im Karrieredschungel
Lost im Karrieredschungel

Abitur, Ausbildung oder Studium in Dresden machen? Die AFBB, die AWV und die FHD laden zum Online-Infotag ein!

Um Erklärungen ist der Mann selten verlegen. So hatte er auch für Richter Jürgen Uhlig eine neue parat: Es sei gar nicht das Handy gewesen, das er in der Hand gehalten hatte, sondern nur die Hülle. Weil es so heiß war, die Klimaanlage nicht funktionierte und die Fenster nicht richtig aufgingen, habe er sich mit der Hülle den Schweiß von der Stirn gewischt. Mit leicht zitternder Hand führt er die entsprechende Bewegung vor. Der Richter hält das für unglaubhaft, zumal Jens R. vor Ort eine andere Erklärung abgegeben hatte. So verurteilt ihn das Gericht zu einem Bußgeld von 100 Euro.

Mehrere Käufer zeigen ihn an

Im Saal gegenüber geht es kurz darauf für Jens R. um deutlich mehr. Hier muss er sich wegen mehrfachen Betrugs verantworten. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten ermittelt und Richterin Simona Wiedmer schon zum dritten Termin geladen. Jens R. soll Ende 2018, als er selbst in finanzieller Schieflage war, mehreren Kunden, die bei ihm über Ebay Autoteile gekauft hatten, die Ware nicht geliefert aber das Geld für sich behalten haben. Käufer aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern hatten Jens R. angezeigt.

Widersprüchliche Aussagen gemacht

Im letzten Termin war es Jens R. noch gelungen, mit ausufernden Erklärungen und ausweichenden Antworten Verwirrung zu stiften. Heute geht die Richterin jedoch schnell dazwischen. Sie drängt konsequent darauf, Antworten auf ihre Fragen zu bekommen und konfrontiert den Angeklagten mit seinen eigenen widersprüchlichen Aussagen.

Freiheitsstrafe gefordert

Jens R. gibt dann auch zu, dass er irgendwann die Übersicht bei seinen Verkäufen verloren hatte und überfordert war. Der gelernte Koch hatte seit Jahren immer wieder neue Firmen gegründet und in die Insolvenz geführt. Er war mal Gesellschafter, mal Geschäftsführer und ist inzwischen Prokurist einer neu gegründeten Firma. Wer mit einer seiner Firmen Geschäfte macht, weiß oft nicht, mit wem er es zu tun hat. Seine unzufriedenen Kunden wies er in Mails darauf hin, dass er nicht der richtige Ansprechpartner sei und versuchte, sie mit juristisch klingenden Formulierungen zu beeindrucken.

Nach der umfangreichen Beweisaufnahme fordert die Staatsanwältin, die davon überzeugt ist, dass es sich bei den Taten um gewerbsmäßigen Betrug in sieben Fällen handelt, für den einschlägig Vorbestraften eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Die Taten waren in seine Bewährungszeit gefallen. Deshalb sei die Strafe nicht zur Bewährung auszusetzen.

Angeklagter mehrfach vorbestraft

Verteidiger Daniel Luderer plädiert für seinen Mandanten auf Freispruch. Die Staatsanwaltschaft sei wegen der Vorstrafen des Angeklagten voreingenommen in den Prozess gegangen. Sein Mandant habe nachgewiesenermaßen Tausende Teile ohne Beanstandungen verkauft. Im Vergleich dazu sei die Schadenssumme bei den angeklagten sieben Fällen minimal. Unzufriedene Kunden gebe es immer. Sein Mandant sei willens und dazu in der Lage, den Geschädigten das geforderte Geld zurückzuzahlen.

Schließlich verurteilt das Gericht Jens R. zu einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von einem Jahr. Gewerbsmäßig sei der Betrug nicht. „Ich halte Sie nicht für den cleveren Geschäftsmann, für den Sie sich immer halten“, sagt die Richterin in ihrer Begründung. Er habe aber genau gewusst, dass er das Geld nicht zurückzahlen konnte und hätte die Kunden immer wieder vertröstet. Die Schadenssumme von über 2.000 Euro muss er als Wertersatz zahlen, außerdem 2.000 Euro an die Staatskasse. Innerhalb von einer Woche kann Jens R. Berufung einlegen.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna