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Teurer Supermarktbesuch in Pirna

Wer auf dem Nettomarkt-Parkplatz keine Parkscheibe im Auto hinterlegt, riskiert eine saftige Strafe. Diese unschöne Erfahrung machte jetzt ein Kunde.

Auf dem Nettomarkt-Parkplatz Am Felsenkeller in Pirna sollten die Kunden besser eine Parkscheibe in ihr Auto legen. Sonst droht kostenintensives Ungemach.
Auf dem Nettomarkt-Parkplatz Am Felsenkeller in Pirna sollten die Kunden besser eine Parkscheibe in ihr Auto legen. Sonst droht kostenintensives Ungemach. © privat

Herbert M. (Name von der Redaktion geändert) möchte schnell Eier, Spaghetti und Milch kaufen. Flott fährt er auf den Parkplatz des Nettomarktes Am Felsenkeller in Pirna. Seine Einkäufe hat er zusammen, an der Kasse muss er um diese Uhrzeit nicht lange anstehen, schon kehrt er mit einer vollen Einkaufstüte zum Auto zurück.

Dort stutzt er. Unter dem Scheibenwischer flattert ein weißer Zettel. Das kann nichts Gutes bedeuten. Stimmt. Das Papier der Firma Park & Control weist ihn auf einen Parkverstoß hin, die Zahlungsaufforderung beträgt 30 Euro.

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Erst in diesem Moment schaut sich Herbert M. um und entdeckt das große Hinweisschild. Es handelt sich um einen Privatparkplatz, die Parkdauer beträgt maximal 60 Minuten, eine Parkscheibe mit Ankunftszeit ist in dem Fahrzeug zu hinterlegen. "Keine zehn Minuten hatte mein Einkauf bei Netto gedauert, und genau zwei Minuten vor Ablauf meines Einkaufes wurde mir der Parkverstoß unter den Scheibenwischer geklemmt", sagt Herbert M. hörbar erbost.

Kunde lehnt Zahlung an Park & Control ab

Auf der Zahlungsaufforderung kann er jedoch keine Umsatzsteuernummer sehen. Das sei ein Versäumnis des sogenannten Ordnungshüters, erklärt M. Er habe zwar seinen Fehler eingesehen, werde jedoch die Summe mit Sicherheit nicht zahlen. Für den Pirnaer ist die Situation klar: "Es ist eine Geschäftsidee mit einer Lizenz zum ,Gelddrucken'", sagt Herbert M.

Dienstleister schweigt, Netto erklärt

Das Unternehmen Park & Control mit Sitz in Stuttgart schweigt zu dem Vorfall. Eine Antwort auf die E-Mail-Anfrage von Sächsische.de erfolgte nicht. Auch telefonisch war niemand zu erreichen.

Kommunikativer zeigt sich hingegen die Netto Marken-Discount Stiftung. "Bei dem Parkplatz an unserer Filiale in Pirna Am Felsenkeller handelt es sich um einen Privatparkplatz unseres Unternehmens", erklärt Christina Stylianou, Leiterin Unternehmenskommunikation von Netto Marken-Discount. Netto arbeite an diesem Standort während der Geschäftszeiten mit dem Unternehmen Park & Control zur Parkraumüberwachung zusammen. Und das habe seinen Grund.

Keine Angst vor Kundenabwanderung

"Leider kommt es immer wieder vor, dass zum Beispiel in stark frequentierten Innenstadtlagen oder in der Nähe von Bahnhöfen unsere Parkflächen missbräuchlich genutzt werden, wodurch unseren Kunden deutlich weniger Parkplätze zur Verfügung stehen", sagt Stylianou. Der Einsatz von Parkscheiben oder die Parkplatzüberwachung durch externe Dienstleister sei daher unvermeidbar. Dieses durchaus branchenübliche Vorgehen garantiere, dass den Kunden während ihres Einkaufs stets freie Parkplätze zur Verfügung stehen. "Generell bekommen wir darauf häufig positives Feedback von unseren Kunden, da somit genügend Parkflächen für einen Einkauf frei sind", betont die Mitarbeiterin. Kundenabwanderung aufgrund dieser Regelung fürchtet sie folglich nicht.

Kulanzregelung theoretisch möglich

Bei der Netto-Filiale in Pirna würden ausreichend große Hinweisschilder deutlich auf die Nutzungspflicht des Parkplatzes hinweisen. Außerdem bestehe im Falle einer Verletzung der Parkordnung die Möglichkeit einer Kulanzregelung. "Hierzu wurde durch ,Park & Control' ein Kontaktformular in der Filiale hinterlegt, welches bei Bedarf von unseren Angestellten an die betroffenen Kunden weitergegeben werden kann", so Stylianou.

Allerdings: Was diese Kulanzregelung genau besagt, weiß sie nicht. Sie habe versucht, Kontakt zu dem Parkunternehmen aufzunehmen, um diese Frage zu klären, allerdings ohne Erfolg. Schnelle Kommunikation sieht anders aus.

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Das Thema ist indes nicht neu. Auch andere Supermärkte in Pirna und Umgebung haben private Unternehmen mit der Parkraumbewirtschaftung ihrer Parkareale beauftragt. Bei dem Schwarzen Nettomarkt an der Königsteiner Straße in Pirna gilt jedoch, dass man den Kassenbon nachträglich einreichen kann, damit die Gebühr dann erlassen wird. Auf dem Aldimarkt-Parkplatz in Copitz greift eine ähnliche Regelung.

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