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Partnervermittlerin angeklagt

Einer Volksbank-Mitarbeiterin kam ein Überweisungsauftrag von einem 81-Jährigen verdächtig vor. Falsch lag sie damit nicht.

Symbolbild.
Symbolbild. © David-Wolfgang Ebener/dpa

Von Friederike Hohmann

Margitta B. betreibt eine Partnervermittlungsagentur mit Sitz in Cottbus. Um an Kunden zu gelangen, schaltet sie regelmäßig Anzeigen in brandenburgischen und sächsischen Zeitungen. Auf eine solche Annonce in der Sächsischen Zeitung wurde Anfang Juni 2019 der 81-jährige Herr S. aus Sebnitz aufmerksam. Eine Witwe aus Pirna suchte einen Partner und der einsame Witwer Herr S. wählte die in der Anzeige genannte Telefonnummer. Dabei geriet er an Margitta B., die ihm den Kontakt zur Pirnaer Witwe in Aussicht stellte. Sie bot ihm an, ihn zu besuchen und dabei die Modalitäten zu besprechen.

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Nachdem sie ihn beim ersten verabredeten Termin nicht angetroffen habe, hätten sie und ihr Mitarbeiter und gleichzeitig Lebensgefährte den Senior dann am 22. Juni gerade noch vor seinem Haus erwischt, als er ins Auto steigen und wegfahren wollte. Und so hätten sie dann zu dritt in der Wohnstube des Herrn S. gesessen und das Geschäftliche geregelt. Man habe sich geeinigt, dass Margitta B. ihm regelmäßig potentielle Partnerinnen anbietet und er ihr für diesen Dienst fast 600 Euro in monatlichen Raten zu je 100 Euro bezahlt. Dann habe sie ihm den Vertrag zur Unterschrift vorgelegt. Als zusätzlichen Service habe sie dann auch gleich die Überweisungsformulare für ihn ausgefüllt, die er alle unterschrieben habe. Nur die Durchschläge habe sie mitgenommen. Die Originale seien bei Herrn S. zum regelmäßigen und pünktlichen Einwurf bei seiner Bank verblieben. So weit so gut. Allerdings wurde jetzt aus dem Geschäft ein Fall für das Amtsgericht Pirna. Dort muss sich die Partnervermittlerin wegen Betrugs verantworten. Sie soll eine Rate zu ihren Gunsten verzehnfacht haben.

Dass Herr S. tatsächlich regelmäßig die Formulare zur Bank getragen haben soll, erscheint nun, als er vom Gericht als Zeuge vernommen wird, äußerst zweifelhaft. Zweimal muss Herr S. aufgerufen werden, bevor er gebeugt und mit tippelnden Schritten in den Gerichtssaal kommt. Trotz des Hörgeräts versteht er die Fragen offensichtlich nicht richtig. Er kann sich zwar an den Namen der Angeklagten erinnern, erkennt sie im Saal aber nicht wieder. An die von der Angeklagten und ihrem Anwalt beschriebenen Vorgänge kann er sich gar nicht oder nur auf Nachfrage erinnern. Vieles bringt er durcheinander. Möglicherweise spielen dabei auch die negativen Erfahrungen, die er zuvor mit einer anderen Partnervermittlung, der er sogar eine Einzugsermächtigung erteilt hatte, eine Rolle.

So weist dann Richter Andreas Beeskow auch darauf hin, dass nach der Zeugenaussage des Herrn S. dessen Geschäftsfähigkeit in Zweifel zu ziehen ist. Ein Vertrag, wie ihn die Angeklagte mit ihm abschloss, wäre zivilrechtlich womöglich anfechtbar. Aber hier geht es schließlich darum, ob Margitta B. sich wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs strafbar machte, indem sie auf einem der Überweisungsformulare die Zahl 100 um eine Null ergänzte. Ein starkes Indiz für diese Annahme lieferte sie selbst mit einer handschriftlichen Stellungnahme zum Vorwurf, dass sie das Formular gefälscht habe. Die Art, wie sie dort die Zahl 1.000 schrieb, sieht genauso ungewöhnlich aus, wie die 1.000 auf dem bei der Bank eingereichten Formular. Und wer sonst sollte einen Nutzen davon gehabt haben? Herr S. hätte sich mit der zusätzlichen Null ja selbst geschädigt. Margitta B. hatte in ihrer Stellungnahme gemutmaßt, dass Herr S. sich beim Ausfüllen am 22. Juni vertan habe, da er ja mit dem Auto so schnell wegfahren wollte. Das widerspricht ihrer Angabe vor Gericht, sie selbst habe alle Formulare ausgefüllt und dann vom Witwer unterschreiben lassen.

Nun lässt sich aber in der Verhandlung nicht klären, wer das Überweisungsformular tatsächlich einreichte. Der Angeklagten ist es nicht ohne Weiteres nachzuweisen, sodass der Richter vorschlägt, dass Verfahren vorläufig einzustellen. Um es zu beenden, soll die 60-Jährige Angeklagte 200 Euro an den geschädigten Herrn S. zahlen. Angeklagte und Staatsanwältin erklären sich schließlich damit einverstanden.

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