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Pirna: Aufruhr in der Lessingschule

Die dritte Jahrgangsstufe der Grundschule wurde auf drei Klassen reduziert. Dagegen laufen die Eltern Sturm.

Die Gotthold-Ephraim-Lessing-Grundschule in Pirna hat ein Problem.
Die Gotthold-Ephraim-Lessing-Grundschule in Pirna hat ein Problem. © Daniel Schäfer

So hatten sich das die Eltern und die Schüler nicht vorgestellt. Mit Beginn des neuen Schuljahres Anfang September wurde die dritte Klassenstufe an der Gotthold-Ephraim-Lessing-Grundschule in Pirna von vier auf drei Klassen reduziert. "Das birgt gleich mehrere Probleme", stellt Isabel Schröbler fest. Sie ist Elternsprecherin einer der dritten Klassen und hat Bauchschmerzen mit der neuen Regelung.

Klassenteiler ziemlich ausgeschöpft

Schröbler kennt den Hintergrund für die Entscheidung. "Drei ehemalige Schüler der früheren zweiten Klassen wurden zum neuen Schuljahr aufgrund von Schulwechsel beziehungsweise Umzug von der Lessinggrundschule abgemeldet. Somit wurden die Schüler jetzt auf drei Klassen verteilt", sagt Schröbler. Der Klassenteiler in Sachsen liegt bei 28 Schülern. "Die Klassen wurden also mit 28 Schülern vollgemacht", berichtet die Elternsprecherin.

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Mutter: Individuelles Lernen leidet

Nicht nur sie, sondern auch andere Eltern sehen das skeptisch. Und dafür gibt es mehrere Gründe. "Die Klassenräume kommen jetzt an ihre Grenze. Die Kinder sitzen sehr eng zusammen", betont Schröbler. Das sei auch vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie-Lage nicht förderlich.

Außerdem sei die individuelle Beschulung bei einer Klassenstärke von 28 nicht so gewährleistet, wie bei einer Klasse, in der lediglich 22 Mädchen und Jungen lernen. Aufgrund der neuen Aufteilung seien auch gewachsene Klassengemeinschaften und Freundschaften auseinandergerissen worden. "Zwar sehen sich die Freunde noch auf dem Schulhof, aber sie lernen nicht mehr zusammen", sagt Schröbler. Außerdem wurden wegen der geringeren Schülerzahl auch Lehrer von der Lessinggrundschule abgezogen.

Isabel Schröbler und andere Eltern haben sich bereits an das zuständige Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB) in Dresden gewandt. "Leider ohne Erfolg. Wir konnten uns mit dem Wunsch, die Vierzügigkeit zu erhalten, nicht durchsetzen", bedauert Schröbler.

Darüber hinaus hätte ihr das Amt mitgeteilt, dass die Reduzierung mit der Schulleitung abgesprochen sei. Daraufhin wandte sich die Elternsprecherin an den Schulleiter. "Er versicherte mir jedoch, dass er sich ebenfalls gegenüber dem Landesamt für die Beibehaltung der Vierzügigkeit ausgesprochen habe", berichtet Schröbler.

Landesamt verweist auf feste Regelungen

Schulleiter Lutz Reinhold hält sich indes bedeckt. Er möchte keinen Kommentar gegenüber Sächsische.de abgeben und verweist auf das LaSuB.

Das Amt bestätigt zunächst den aktuellen Stand. "Es stimmt, dass aus vier Klassen drei in der Klassenstufe 3 gebildet wurden", sagt LaSuB-Sprecherin Petra Nikolov.

Grundlage für eine Vierzügigkeit seien mindestens 85 angemeldete Schülerinnen und Schüler. Aktuell lernten an der Lessinggrundschule in den drei 3. Klassen 82 Schülerinnen und Schüler. "In zwei Klassen sind je 27 und in einer Klasse 28 Kinder. Somit hätte die Grundschule sogar noch Aufnahmekapazitäten", erläutert Nikolov.

Allerdings zeigt sie auch Verständnis für die Bedenken der Eltern. "Eine Klassenzusammenlegung ist für die Beteiligten oft weniger schön, das können wir auch verstehen. Jedoch gibt es für die Klassenbildung eine eindeutige Regelung, welche stets durch die angemeldete Schülerzahl bestimmt wird", stellt die Pressesprecherin generell fest.

Für diese Regelung hat Isabel Schröbler jedoch nur wenig Verständnis. Sie macht sich wenig Hoffnung, dass die Klassenstufe 3 wieder vierzügig geführt wird. "Aber wir haben uns an die Medien gewandt, um auf das generelle Problem hinzuweisen und betonen, dass aus unserer Sicht volle Klassen keine gute Lerngrundlage sind. Wir hoffen, dass bei den Verantwortlichen ein Umdenken einsetzt", sagt Schröbler.

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