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Pirna baut die nächste Kita

Am Reitplatz hinter der Seminarstraße soll eine weitere Einrichtung entstehen - trotz partieller Haushaltssperre. Der Zeitplan ist sportlich.

Kita "Am Reitplatz" in Pirna: Daneben ist noch Platz für eine baugleiche Einrichtung.
Kita "Am Reitplatz" in Pirna: Daneben ist noch Platz für eine baugleiche Einrichtung. © Archiv: Daniel Schäfer

Kaum ist die eine eröffnet, folgt schon die nächste. Mit Beginn des Schuljahres 2020/21 ging die neue Kindertagesstätte "Am Reitplatz" an den Start, betrieben von der Diakonie Pirna, die dafür im Gegenzug den Hort im Schulgebäude an der Nicolaistraße an die Awo abgab.

Die neue Einrichtung für 100 Krippen- und Kindergartenkinder steht auf einem Gelände hinter der Sporthalle des Schiller-Gymnasiums an der Seminarstraße. Ihr Name leitet sich von dem Bebauungsplan "Reitplatz" für dieses Gebiet ab.

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Doch schon als diese Kita geplant und gebaut wurde, zeichnete sich ab, dass auch diese zusätzlichen Betreuungsplätze nicht ausreichen werden, um den Bedarf vollends zu decken.

So steht schon seit geraumer Zeit fest: auf dem Gelände soll eine zweite Kita entstehen, der Platz dort reicht für noch eine baugleiche Einrichtung aus.

Das Vorhaben ist längst eingetaktet, trotz der angespannten Finanzsituation in Pirna wird es nun konkret. Denn das Projekt soll so schnell als möglich fertig werden. Sächsische.de stellt die Details vor.

Warum baut Pirna eine weitere Kita?

Pirna erfreut sich nach wie vor einer anhaltend hohen Geburtenrate. Zudem ziehen seit 2013 auch verstärkt junge Familien mit Kindern in die Stadt.

Damit verbunden sind gewaltige Herausforderungen. Berufstätige Eltern brauchen tagsüber einen Betreuungsplatz für ihren Nachwuchs, der Bedarf ist mächtig gestiegen. Pirna hat in den vergangenen Jahren Millionen investiert und neue Plätze geschaffen.

Jedoch bestand im Innenstadtbereich, der besonders vom Zuzug profitiert, weiter ein Defizit, das bisherige Angebot war nahezu ausgereizt.

Daher beschloss der Stadtrat schon 2018, das Platzangebot zu erweitern, zunächst in Gestalt der ersten neuen Kita am Reitplatz. Das Problem allerdings: Die Plätze reichen noch immer nicht.

Als Konsequenz daraus lässt Pirna neben der vorhandenen nun eine weitere Kita bauen, ebenfalls mit 100 Plätzen für Krippen- und Kindergartenkinder. "Wir bauen damit das stadtteilbezogene Angebot weiter aus", sagt Stadtsprecher Thomas Gockel.

Wo entsteht die neue Kita?

Die Kita "Am Reitplatz II" entsteht auf dem gleichnamigen Areal hinter der Sporthalle des Schiller-Gymnasiums an der Seminarstraße. Das Gelände grenzt im Osten an die Grundstücke der Hohen Straße, der schmale Fußweg von der Seminarstraße hinauf zur Hohen Straße, der an dem Areal vorbeiführt, bleibt erhalten.

Die Kita "Am Reitplatz I" wurde bereits so errichtet, dass auf dem Grundstück noch Platz für ein zweites Gebäude ist.

Wann soll der Bau beginnen?

Der Zeitplan ist eng getaktet. Der Stadtrat soll auf seiner nächsten Sitzung am 15. Juni den Auftrag für den Neubau an eine Firma aus Bayern vergeben.

Bereits am 28. Juni sollen die Arbeiten beginnen und laut Plan bis zum 30. Juni 2022 abgeschlossen sein.

Ziel ist es, die neue Einrichtung zum Start des Schuljahres 2022/23 in Betrieb zu nehmen.

Warum geht der Bau so schnell?

Pirna setzt dabei auf eine inzwischen schon mehrfach erprobte Bauweise. Die neue Kita entsteht aus einzelnen Modulen, die vorgefertigt auf die Baustelle kommen, dort zusammengefügt und komplettiert werden. Das geht viel schneller als eine herkömmliche Massivbauweise.

Auf diese Weise entstand bereits der Hort "Die Schlaufüchse" an der Schillerstraße in Copitz - in einer Rekord-Bauzeit von gerade einmal fünf Monaten.

Und auch die erste Kita am Reitplatz wurde auf diese Weise in reichlich fünf Monaten errichtet. Von außen sind die Module später nicht mehr zu erkennen, die Gebäude wirken später wie aus einem Guss.

Wie viel kostet der Neubau?

Laut der Beschlussvorlage kostet die neue Kita rund 3,5 Millionen Euro, Pirna erhält dafür Fördermittel von insgesamt 1,5 Millionen Euro.

Zwar hat Pirna im Doppelhaushalt 2021/22 aus Geldmangel sämtliche Ausgaben vorerst mit einer 14-Prozent-Sperre belegt. Doch das wirkt sich auf diese Investition nicht aus. Der Bau der neuen Kita, so heißt es aus dem Rathaus, werde weder verschoben, noch werde daran etwas gekürzt. Die Einrichtung werde gebaut wie geplant, das Vorhaben sei fest im Etat verankert.

Wer wird die neue Kita betreiben?

Das steht noch nicht abschließend fest. Eine Vorentscheidung dazu soll ebenfalls in der Ratssitzung am 15. Juni fallen.

Die Stadtratsfraktion der Linken hatte schon vor einiger Zeit beantragt, dass Pirna die Einrichtung als Kommune selbst betreibt. Doch die Chancen dafür sind eher gering.

Pirna hatte bereits 1994 damit begonnen, schrittweise die vormals kommunalen Kitas an freie Träger zu übergeben. Mittlerweile gibt es in der Stadt keine einzige kommunale Einrichtung mehr.

Auch sei die Verwaltung nach Aussage des Rathauses aktuell gar nicht darauf ausgelegt, Kitas kommunal zu betreiben. Insbesondere der Stellenplan des Haushaltes für 2021/22 weise hierfür keine Stellen aus.

Pirna favorisiert die Variante, dass auch die neue Kita an einen freien Träger geht. Der zuständige Ordnungs-, Kultur- und Bürgerausschuss einigte sich bereits im Vorfeld auf einen Kompromiss.

So soll der Stadtrat die Verwaltung beauftragen, die Kita "Am Reitplatz II" an einen Träger der freien Jugendhilfe zu übergeben. Im Vorfeld soll es dazu ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren geben, innerhalb dessen sich interessierte Träger melden können.

Die Bewerber sollen sich dann im Vorfeld dem zuständigen Ausschuss vorstellen, der Stadtrat trifft anschließend die finale Entscheidung.

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