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Pirna: Eisige Gefahr von oben

Von Dächern stürzendes Eis richtet in der Innenstadt enormen Schaden an. Wie lässt sich das künftig verhindern? Und wer haftet in einem solchen Fall?

Nichts mehr zu machen: An diesem Renault Clio in der Lauterbachstraße entstand durch den Eisschlag Totalschaden.
Nichts mehr zu machen: An diesem Renault Clio in der Lauterbachstraße entstand durch den Eisschlag Totalschaden. © Daniel Förster

Das Ungemach kam von oben. Aufgrund des einsetzenden Tauwetters hatten sich zum Wochenbeginn an den Dächern einiger Häuser in Pirna mächtige Eiszapfen gebildet, sie waren teilweise bis zu einem Meter lang. Auch große Eisplatten lagen auf Dächern und Gauben.

Die Pirnaer Feuerwehr rückte mehrfach aus, um die Eiszapfen an Dachrinnen abzuschlagen. Weil die Kameraden aber unmöglich überall zugleich sein konnten, geschah das Unglück.

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Am Mittwoch stürzten vor allem im Bereich Lauterbachstraße und Gartenstraße unkontrolliert Eiszapfen und Eisplatten herab. Die gefrorenen Brocken zerschellten auf Fußwegen und zertrümmerten Autos, der Sachschaden ist enorm. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Nun stellen sich die Fragen: Wie lässt sich diese eisige Gefahr minimieren? Wer kommt finanziell für die Feuerwehr-Einsätze und die Schäden auf? Wer haftet? Sächsische.de erläutert die Details.

Wie hoch ist der Schaden?

Durch herabstürzendes Eis wurden am Mittwoch mindestens sechs Fahrzeuge in der Pirnaer Innenstadt beschädigt. Allein in der Lauterbachstraße demolierten die gefrorenen Flugkörper vier Pkws. Die Brocken durchschlugen Frontscheiben und verbeulten Motorhauben und Dächer. An einem Renault Clio entstand Totalschaden.

Auf der Gartenstraße traf das Eis zwei weitere Autos. Der Gesamtschaden wird auf etwa 100.000 Euro geschätzt.

Wie oft rückte die Feuerwehr aus?

Die Pirnaer Feuerwehr ist von Montag bis Mittwoch sechsmal ausgerückt, um die eisige Gefahr an Hausdächern zu bannen, wobei mehrere Einsätze in einer Straße zu einem zusammengefasst wurden.

Nach Auskunft der Stadt entfernten die Kameraden Eis an insgesamt 16 Gebäuden, wo der Eisabgang besonders bedrohlich war. Die Feuerwehrleute waren am Montag in Graupa und in der Dohnaischen Straße im Einsatz, am Dienstag in der Gartenstraße, der Rosa-Luxemburg-Straße und der Bahnhofstraße, am Mittwoch in der Lauterbachstraße und in der Gartenstraße.

Gefahr gebannt: Oberbrandmeister Stefan Fischer entfernt Eiszapfen an einem Haus in der Dohnaischen Straße.
Gefahr gebannt: Oberbrandmeister Stefan Fischer entfernt Eiszapfen an einem Haus in der Dohnaischen Straße. © Daniel Förster

Wie viel kosten die Feuerwehr-Einsätze?

Laut der Stadt wird der Einsatz der Drehleiter und den dazu benötigten Kameraden in der Regel mit 200 Euro pro Stunde kalkuliert. Zusammengerechnet waren die Feuerwehrleute zwölf Stunden im Eis-Einsatz, macht eine Gesamtsumme von 2.400 Euro. Finanziell kommen nach Aussage des Rathauses die Eigentümer der Gebäude auf, an denen die Feuerwehr tätig war.

Wer muss Eis vom Dach entfernen?

Grundsätzlich sind in erster Linie die Hauseigentümer verpflichtet, Schnee und Eiszapfen auf dem Dach zu entfernen. Sind die Arbeiten zu riskant, können sie auch Fachleute damit betrauen. In Ausnahmefällen bei sogenannter "Gefahr im Verzug" - wenn beispielsweise Eigentümer nicht reagieren, nicht anzutreffen oder unauffindbar sind - können die Städte selbst handeln und beispielsweise die Feuerwehr beauftragen, die Schnee- und Eisgefahr zu beseitigen.

Wer haftet für die entstandenen Schäden?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Kommt ein Hausbesitzer seinen Pflichten nicht nach, müsste er grundsätzlich Schadenersatz leisten. Doch das gilt nicht pauschal und in jedem Fall.

Geprüft und entschieden wird das in erster Linie von Versicherungen, im Streitfall unter Umständen auch von Gerichten.

Schließen Warnschilder die Haftung aus?

An vielen Häusern hängen Warnschilder mit Aufdrucken wie "Vorsicht Dachlawinen". Damit auf die Gefahr von oben hinzuweisen, ist grundsätzlich angebracht und nützlich für Passanten.

Nach Aussage der Stadt gelte aber immer der Grundsatz, dass die Eigentümer Schnee und Eis selbstständig vom Dach entfernen müssen. Dann könne auch keine Gefahr mehr von den Häusern ausgehen - und somit würden auch Warnhinweise und Parkverbote überflüssig.

Könne der Eigentümer das Problem nicht selbst beseitigen, könne er auch nach Rücksprache mit der Stadt den Bereich am Haus absperren lassen. Grundsätzlich können sich Eigentümer aber mit einem Warnschild oder einer Sperrung nicht generell der Haftung entziehen.

Gleichwohl aber gilt: Nach Aussage von Juristen sind auch Passanten mitverantwortlich, auf Gefahren zu achten. Läuft jemand an einem Haus entlang, an dem Eiszapfen hängen, sollte er gegebenenfalls die Straßenseite wechseln. Gleiches gilt für Autofahrer, sie sollten im Zweifel ihr Fahrzeug nicht an einer von Dachlawinen gefährdeten Stelle abstellen.

Andernfalls droht im Schadensfall eine Mitschuld - und der Betroffene bleibt unter Umständen auf einem Teil des erlittenen Schadens sitzen.

Wie lässt sich die Eisgefahr minimieren?

Laut der Stadt entstehe die Eisgefahr, wenn sich Frost- und Tauwetter abwechseln. Auch die Dämmung im jeweiligen Dachbereich spiele dabei eine Rolle. Nützlich seien in jedem Fall sogenannte Schneefanggitter an der Dachkante. Große Eisflächen halten aber auch sie nicht auf.

Sind Schneefanggitter Pflicht?

Nach Aussage des Rathauses sieht die sächsische Bauordnung vor, dass Eigentümer ihre Gebäude grundsätzlich sichern müssen. Bei sanierten Häusern wurden Schneefanggitter installiert. Gebäude ohne einen solchen Schutz haben zunächst Bestandsschutz.

Wird der Einbau nachträglich angeordnet, muss das stets angemessen und baulich umsetzbar sein. Bei unsanierten Häusern sei laut der Stadt daher die Vorzugslösung, den öffentlichen Raum bei solchen Ereignissen wie Eisstürzen abzusperren. Aber auch hierbei sei in erster Linie der Eigentümer in der Pflicht, das zu veranlassen.

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