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Pläne zu Pirnaer Kletterkirche liegen auf Eis

Fördermittel für den Umbau wurden noch nicht beantragt. Der künftige Betreiber hält aber an dem Plan fest.

Die ehemalige Hospitalkirche in Pirna soll zu einem Kletterzentrum umgebaut werden.
Die ehemalige Hospitalkirche in Pirna soll zu einem Kletterzentrum umgebaut werden. © Steffen Unger

Das Projekt ist gleichermaßen ehrgeizig, wie außergewöhnlich, hinkt jedoch der Zeitplanung etwas hinterher. Die Hospitalkirche in Pirna an der Siegfried-Rädel-Straße soll zu einer Kletterhalle umgebaut werden. Darüber hat Sächsische.de schon mehrfach berichtet. Aber bei dem geplanten Umbau hapert es. Das liegt an personellen Problemen und, wie so oft, am Geld.


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Verein will Kletterhalle betreiben

"Der Plan liegt momentan auf Eis, ist jedoch nicht abgeschrieben. Wir halten nach wie vor daran fest, die entweihte Kirche zu einem Kletterzentrum umzugestalten, allerdings in einer zunächst etwas abgespeckten Variante", sagt Gunter Thar. Er ist Mitglied des Vereins Bergsport Pirna und in Personalunion Vorsitzender der Ortsgruppe Pirna des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB). Der Verein Bergsport als künftiger Betreiber der Kletterhalle hatte den Mietvertrag für die Kirche bereits vor gut anderthalb Jahren unterschrieben.

Derzeit ist vorgesehen, dass eine Kletterwand errichtet wird. Dafür muss natürlich das Fundament vorbereitet werden, in dem diese fest verankert ist. "Das Fundament soll so ausgelegt werden, dass weitere Wände beziehungsweise später auch in Kletterturm in die Mitte gesetzt werden können", sagt Thar. Solch ein Turm war bereits ursprünglich geplant, ebenso wie die Aufstellung mehrerer Kletterwände parallel zu den Außenwänden der ehemaligen Kirche. Mit in der Seilschaft ist auch der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) in Dresden. Der Verein ist für die Finanzierung des Projektes verantwortlich. "Der Bergsteigerbund scheint aber derzeit personelle Problem zu haben, weshalb die Fördermittel für den Umbau beim Freistaat Sachsen noch nicht beantragt wurden", erläutert Thar. Zu den Gesamtkosten kann er keine Aussagen machen.

Stadt hat investiert

Die Stadt Pirna indessen hat ihre Hausaufgaben gemacht. In den vergangenen Monaten wurden das Dach und die Turmuhr saniert. Außerdem realisierten Fachleute den Brandschutz im Bereich des Zwischenbaus von Ärztehaus und Kirche. "Die Arbeiten sind jetzt abgeschlossen", sagt Pirnas Stadtsprecher Thomas Gockel auf Nachfrage von Sächsische.de. Das Baugerüst wurde bereits entfernt.

Auftraggeber ist die Hospitalstiftung der Stadt Pirna als Eigentümer des früheren Gotteshauses. Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf circa 350.000 Euro, teilt Thomas Gockel mit. Weitere Arbeiten an der Hospitalkirche sind im aktuellen Haushaltsplan der Hospitalstiftung nicht enthalten und auch derzeit nicht vorgesehen.

Früher wurde auf dem Sonnenstein geklettert

Nutznießer der neuen Kletterhalle werden hauptsächlich die Mitglieder der Pirnaer Ortsgruppe des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB) sein. Bisher konnten die Sportler in der ehemaligen Gauß-Turnhalle auf dem Sonnenstein an Kletterwänden kraxeln. „Doch wir waren dort nur Untermieter und die Heizkosten stiegen wegen unzureichender Dämmung immer mehr“, sagt Thar. Deshalb zogen die Kletterer bereits im Januar 2016 aus und planten eine eigene Halle. Hauptsächlich ist die Kletterkirche für den Vereinssport vorgesehen. Aber Schulen können sich auch anmelden, stellt der Verein Bergsport Pirna in Aussicht.

Kirche wird als Winterkirche genutzt

Die Hospitalkirche gehört zu den jüngsten Kirchen Pirnas und schaut auf eine interessante Vergangenheit zurück. 1914 bis 1916 wurde sie als ein Teil des Gebäudekomplexes der Hospitalstiftung errichtet. 1957 übernahm die damalige Pirnaer Kirchgemeinde St. Marien das Gotteshaus in Erbpacht für 99 Jahre. „Die Kirche wurde als Winterkirche genutzt“, berichtet Thomas Albrecht, Kirchner der evangelischen Kirchgemeinde Pirna, in der die Gemeinde St. Marien aufgegangen ist. Denn die Hospitalkirche war im Gegensatz zur Marienkirche an die Fernheizung angeschlossen.

Ab Ende der 1950er-Jahre wurde die Hospitalkirche erweitert. Unter anderem vergrößerten Bauleute die Orgelempore, sanierten die Toilettenanlagen und bauten eine Küche unter der Empore ein. Da es keine festen Kirchenbänke in dem Haus gab, sondern loses Gestühl, konnte die Gemeinde den Raum auch für Veranstaltungen nutzen. Die Kurrende und die Kantorei probten hier, ebenso fanden Kirchenbezirksversammlungen statt.

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Im Laufe der Zeit bekam die Hospitalkirche allerdings Konkurrenz. 1988 wurde das Gemeindezentrum auf dem Sonnenstein errichtet, 2000 das Diakonie- und Kirchgemeindezentrum in Copitz. Schließlich brachte das Hochwasser von 2002 die endgültige Entscheidung, sich von der Hospitalkirche zu trennen. Das Wasser stand damals 1,50 Meter hoch.

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