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Pirna: Solidaritätsdemo für die abgeschobene Familie

Eine neunköpfige Familie aus Georgien ist abgeschoben worden. Unterstützer und Freunde trafen sich spontan in Pirna. Es kam zu emotionalen Szenen.

Von Mareike Huisinga
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Claudius Rienäcker (2.v.r.) unterschreibt eine Petition gegen die Abschiebung der georgischen Familie I. aus Pirna. Freunde und Nachbarn fordern von Politikern, sie sollen sich für die Rückkehr der neunköpfigen Familie einsetzen.
Claudius Rienäcker (2.v.r.) unterschreibt eine Petition gegen die Abschiebung der georgischen Familie I. aus Pirna. Freunde und Nachbarn fordern von Politikern, sie sollen sich für die Rückkehr der neunköpfigen Familie einsetzen. © Daniel Schäfer

Pirna. Zahlreiche Unterstützer und Freunde der abgeschobenen Familie I. kamen am Freitag in Pirna zusammen. Ihr Ziel: Sie wollen ihre Nachbarn zurück.

Die neunköpfige georgische Familie lebte seit mehreren Jahren in Pirna und galt allgemein als gut integriert. In der Nacht zum Donnerstag wurde sie nach Tiflis abgeschoben. Das können zahlreiche Pirnaer ganz offensichtlich nicht nachvollziehen. Sie sind empört. Am Freitagnachmittag trafen sich gut 100 Personen auf einer spontanen Kundgebung für die Familie I. in der Pirnaer Innenstadt.

Darunter waren Lokalpolitiker, Mitglieder der AG Asylsuchende SOE, Bekannte der Familie. Fast komplett angetreten war ebenfalls das Team der Pirnaer Tafel, bei der der Familienvater eine Zeitlang ehrenamtlich aushalf, bevor er eine feste Anstellung als Tagesbegleiter für einen Mann mit Handicap bekam.

Ausweisung stößt auf Wut und völliges Unverständnis

Unter den Versammelten war auch Sven Strohbach aus Pirna. Er kennt die Familie von Begegnungen auf dem Spielplatz. Seine Meinung ist eindeutig: "Diese Abschiebung einer voll integrierten Familie nehmen wir nicht so hin. Hier ist Unrecht geschehen", sagt der Mann. Ähnlich sieht es Michelle Liebs, eine Freundin der Familie. Sie kann nicht verstehen, warum eine Familie nach zehn Jahren ausgewiesen wurde. "Die meisten der Kinder wurden in Deutschland geboren. Es ist doch schrecklich, was hier passiert ist", meint sie. Bianca Ensfelder, ebenfalls aus Pirna, findet drastische Worte. "Es ist einfach nur beschissen, was gelaufen ist", sagt sie, die die Familie I. vom Hort und vom Kindergarten kennt. "Ich werde für sie kämpfen", fügt sie hinzu.

Unterdessen ergreifen mehrere Akteure das Wort. Christina Riebesecker von der AG Asylsuchende SOE erklärte, wie überwältigt sie ist, dass so viele Unterstützer gekommen sind. Sie betonte, die Abschiebung sei nicht rechtens gewesen. Eigentlich dürften keine Abschiebungen in der Nacht stattfinden. "Die Polizei wollte die Familie unauffällig rausholen. Das geht gar nicht", sagt sie. Die AG werde alles daransetzen, die Familie wieder nach Deutschland zurückzuholen.

Aus der Chaosnacht wurde von Nachbarn eine Aufzeichnung von den emotionalen Empfindungen der Tochter gemacht. Hier ein Mitschnitt.

Kita-Leiterin hat Tränen in den Augen

Es kommt aber nicht nur zu eindeutigen Kampfansagen, sondern auch zu sehr emotionalen Szenen. So berichtet zum Beispiel Ramona Fiebig von der AWO-Kita Knirpsenland in Pirna-Sonnenstein, dass die georgischen Kinder in der Einrichtung von den anderen Mädchen und Jungen sehr vermisst werden. "Alle sieben Kinder der Familie I. waren bei uns in der Kita. Wir wollen sie wiederhaben", sagt die Erzieherin mit unsicherer Stimme und wischt sich ihre Augen.

Schon über 3.000 Euro für Familie gesammelt

Allerdings blieb es nicht nur bei Worten. Die AG Asylsuchende und die Unterstützer haben inzwischen eine Petitionsliste auf ihrer Internetseite veröffentlicht, mit der Forderung nach einer Rückkehr der Familie. Außerdem wurde ein Spendenkonto eingerichtet. "Innerhalb von einem Tag sind über 3.000 ein Euro eingegangen. Das macht Mut und hilft der Familie, die jetzt in Tiflis in einer Ein-Zimmer-Wohnung lebt", sagt ein Nachbar, der auch eine Internetseite eingerichtet hat.

Bei dem Treffen wurde ganz deutlich: Die Pirnaer kämpfen für "ihre" Familie I. und wollen erst dann aufhören, wenn Eltern und die Kinder wieder zurück in Deutschland sind.