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Pirna: Weltrekordler vergoldet Schulanfang

Bobpilot Francesco Friedrich verschenkt mit der Caritas erneut Ranzen an bedürftige Kinder - und hat für sie noch etwas Besonderes im Gepäck.

Francesco Friedrich (M.) mit künftigen Schulanfängern in der Klosterkirche Pirna: Neue Ranzen für einen gleichberechtigten Schulstart.
Francesco Friedrich (M.) mit künftigen Schulanfängern in der Klosterkirche Pirna: Neue Ranzen für einen gleichberechtigten Schulstart. © Daniel Schäfer

Vorsichtig öffnet der Mann ein Holzkästchen, behutsam entnimmt er den Inhalt, eine runde Scheibe, etwa zehn Zentimeter im Durchmesser, blank poliert, glänzend.

Das flache Ding ist ein Mitbringsel aus Fernost, genauer aus Südkorea, vor drei Jahren, im Winter 2018, hing es - an einem blauen Band befestigt - erstmal um seinen Hals.

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Die goldglänzende Scheibe krönte damals eine einzigartige Leistung: Der Mann, Francesco Friedrich, raste im Eiskanal von Pyeongchang zum Olympiasieg - sowohl im Zweier- als auch im Viererbob.

Erfolge zu sammeln, ist seine spezielle Leidenschaft, der Bobpilot ist mehrfacher Europameister, Rekordweltmeister, er hält auch einen Geschwindigkeitsrekord im Bobfahren. Er ist einer der großen deutschen Botschafter des Wintersports.

In seiner Geburtsstadt Pirna ist der 31-jährige Ausnahme-Athlet nun in einer ganz anderen Angelegenheit als Botschafter unterwegs, und seine Medaille hat er mit in die Klosterkirche gebracht, um etwas Besonderes zu vergolden: einer Schar Kinder den Schulanfang.

Friedrichs Herzensangelegenheit

Friedrich ist Schirmherr der Aktion "Gleichstart" der Caritas-Beratungsdienste, von Anfang an ist er dabei, nun schon zum vierten Mal, es ist ihm eine Herzensangelegenheit. "Ich mache das immer wieder gern", sagt er.

Das Ganze hat einen ernsten Hintergrund. Normalerweise, so die Caritas, sei der erste Schultag mit dem ersten eigenen Schulranzen für jedes Kind ein besonderes Ereignis, das lange in Erinnerung bleibe.

Ganz preiswert ist der Start in den Schulalltag allerdings nicht, für einen neuen Ranzen mit allem Drum und Dran ist man schnell mal über 200 Euro los.

Und die Caritas stellte in ihren Beratungsgesprächen fest: Immer mehr Familien können sich die umfangreiche und preisintensive Ausstattung für den Schulstart kaum noch leisten.

Firma sponsert 20 neue Ranzen

So startete die Caritas 2018 die Aktion "Gleichstart", speziell mit dem Motto "Ranzen für Schulanfänger". Bestimmt sind die Ranzen für Kindern aus Migranten- und Asylbewerberfamilien sowie aus sozial benachteiligten Familien.

Die Kontakte zu ihnen kommt über die Caritas-Beratungsstellen im Landkreis zustande, die Berater haben die Familien im Blick und wissen am besten, wer zusätzliche Hilfe gut gebrauchen kann.

Anfangs setzte die Caritas auf Ranzenspenden aus der Bevölkerung, inzwischen hat sie seit drei Jahren einen verlässlichen Sponsor an ihrer Seite: Die Firma "Undercover", ein Schulsachen- und Schreibwarenhersteller aus Nürnberg, die auch in diesem Jahr wieder 20 voll ausgestattete Ranzen im Wert von über 2.000 Euro zur Verfügung stellt.

Da ist bereits alles drin: Federmappe, Sporttasche, Schlampermäppchen, Brotdose, Trinkflasche.

Autos und Mickey Mouse hoch im Kurs

Einen Teil der Ranzen hat die Caritas nun in der Pirnaer Klosterkirche an die neuen Besitzer übergeben. Francesco Friedrich schnappt sich die Kinder und geht mit ihnen zu den Startersets. "Nun sucht euch mal was Schönes aus", sagt er.

Die Jungen wählen hauptsächlich Ranzen mit Auto-Motiven, bei den Mädchen steht Mickey Mouse hoch im Kurs. Die restlichen Exemplare gehen in Kürze beispielsweise an Familien in Sebnitz, Neustadt und Freital.

Darüber hinaus hat die Caritas über die Aktion "Gleichstart" Geldspenden bekommen, die Pirnaer erwiesen sich dabei als besonders gebefreudig.

Von dem Geld kauft die Caritas noch Vordrucke für Stundenpläne, Zeugnismappen und andere Dinge, die Schulanfänger so benötigen.

Von Pirna nach Peking

In der Klosterkirche tragen die Kinder ihre neuen Ranzen schon mal stolz zur Probe. Francesco Friedrich setzt sich mit ihnen hin, jeder kann sich mit ihm und seiner Medaille fotografieren lassen, die Motive sind begehrt, ebenso die Autogramme des Olympiasiegers.

Erst als alle Fotos im Kasten und jeder eine signierte Karte hat, düst Friedrich mit seinem neuen Elektroroller davon, damit ist er in der Stadt flotter unterwegs als mit dem Auto.

Erst einmal geht es nach Hause, aber bald schon wieder hinaus in die weite Welt, dann steht auch für ihn wieder alles auf Anfang.

Vom 5. bis 27. Oktober reist er mit seinem Team nach China, er wird dort die neue Olympia-Bobbahn einfahren, testen und kennenlernen. Denn bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking steht das nächste große Ziel an: Titelverteidigung.

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