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Wie eine Kita in Pirna um einen Baum kämpft

Eine große Eiche spendet den Krippenkindern der Kita am Reitplatz Schatten. Doch nun ist das Gehölz ernsthaft in Gefahr.

Kita "Am Reitplatz" in Pirna: Neben der großen Eiche (Mitte) findet sich das einzige schattige Plätzen im Außengelände.
Kita "Am Reitplatz" in Pirna: Neben der großen Eiche (Mitte) findet sich das einzige schattige Plätzen im Außengelände. © Diakonie Pirna

Wie wichtig das grüne Blätterdach ist, hat sich vor allem an jenen zurückliegenden Tagen gezeigt, an denen die Sonne besonders heiß brannte.

Dann fand sich unter dem Chlorophyll-Baldachin zumindest ein kleines, schattiges Plätzchen, an dem es sich trotz Hitze einigermaßen aushalten ließ.

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Bedeutsam ist das vor allem für Kinder an einem ganz bestimmten Ort, alles bildet mit dem Schattenspender eine Einheit - und soll es auch weiterhin tun.

Doch das Gefüge ist ernsthaft in Gefahr, daraus resultiert auch ein besonderer Hilferuf, es geht um spielende Kinder, einen kühlen Ort und eben jenen Baum. Aber wie kam es dazu?

Schattige Plätze sind rar

Die Stadt Pirna ließ 2020 auf dem Gelände "Am Reitplatz" hinter der Sporthalle des Schiller-Gymnasiums an der Seminarstraße eine neue Kindertagesstätte errichten. Sie ging im September vergangenen Jahres an den Start, betrieben wird sie von der Diakonie Pirna.

Alles ist längst fertig, auch das Außengelände ist gestaltet. Große Bäume fehlen dort allerdings, wegen der Bauarbeiten musste im Umfeld zunächst der Bewuchs entfernt werden.

Somit gibt es im Außenbereich auch nicht wirklich ein schattiges Plätzchen - außer an einer Stelle, wo besagter Baum ins Spiel kommt.

Neben dem Kita-Gelände verläuft der Fußweg von der Seminarstraße hinauf zur Hohen Straße, und direkt neben dem Pfad steht eine große Eiche.

Steht die Sonne hoch im Süden, fällt der Schatten des Baumes genau auf den Außenbereich der Kita für die Krippenkinder.

Laut der Diakonie sei es der einzige Ort, an dem die Krippenkinder mal im Schatten spielen könnten. Zwar spenden auch Schirme und ein Pavillon Schatten, doch darunter staut sich schnell die heiße Luft - im Schatten des Baumes hingegen nicht.

Doch der Baum ist bedroht, möglicherweise sind seine Tage gezählt.

Eiche steht einem Neubau im Weg

Der Grund: Die Stadt lässt auf dem Kita-Nachbargrundstück jetzt noch eine weitere, baugleiche Kita errichten, der Auftrag ist bereits vergeben, der Bau startet in Kürze.

Nach den ersten Plänen steht die Eiche aber dem Gebäude im Weg - und muss möglicherweise gefällt werden.

Doch die Diakonie will um den Schattenspender kämpfen. "Wir möchten uns dafür stark machen, dass der Baum stehenbleibt. Er ist mit der einzige natürliche Sonnenschutz für die Kinder", sagt Christfried Wutzler, Fachbereichsleiter für die Bereiche Kinder, Jugend und Familie bei der Diakonie Pirna.

Inzwischen besteht nun durchaus eine Chance, wenn auch eine minimale, dass das eichenblättrige Groß-Gehölz erhalten werden kann.

Von drei Varianten funktioniert nur eine

Nach Auskunft der Stadt sei das Baufeld für die Kita "Am Reitplatz II" im Vorfeld umfangreich untersucht und begutachtet worden.

Um das Gebäude sowie die Spiel- und Außenanlagen einzuordnen, wurde ein Ingenieurbüro damit betraut, mehrere Varianten hierfür zu entwickeln und darzustellen.

Das Ergebnis: Die Ingenieure legten drei Varianten vor - von denen sich laut des Rathauses allerdings nur eine realisieren lässt.

Der Grund dafür: Die Gruppenräume im Erdgeschoss mit der davorliegenden Spielterrasse müssen nach Süden ausgerichtet werden.

Damit das alles aufgeht, muss zwischen dem neuen Kita-Gebäude und dem Gelände der benachbarten Förderschule ein ausreichend großer Abstand liegen.

Die Folge: Das Kita-Gebäude rückt so weit wie möglich nach hinten, damit liegt aber die Gebäudekante genau in der Flucht der schattenspendenden Eiche.

Baum blieb bisher unangetastet

Das Gebäude anderweitig anzuordnen, wurde zwar geprüft, kann aber nicht umgesetzt werden. Nach Auskunft des Rathauses bestehe keine Aussicht darauf, dass es das Jugendamt genehmigt, die Gruppenräume im Erdgeschoss nebst Spielterrasse nach Norden auszurichten.

Laut der Stadt könne derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden, ob die Eiche tatsächlich dem Neubau weichen muss. Die Verwaltung prüfe derzeit alle Möglichkeiten, den Baum zu erhalten.

Bei den bisherigen Fällungen auf dem neuen Baufeld wurde die Eiche besonders geschützt und blieb bislang unangetastet. Sofern der Baum den Bau des neuen Kita-Gebäudes nicht behindere, so heißt es aus der Verwaltung, sei dessen Erhalt dauerhaft möglich.

Bei den vorbereitenden Arbeiten auf dem Baufeld hatte die Stadt darüber hinaus veranlasst, größere Bäume ober- und unterhalb des Gebäudestandortes zu erhalten.

Sie sollen in die Gestaltung der Außenanlagen integriert werden und für schattige Plätzchen sorgen - bereits zu jenem Zeitpunkt, wenn die neue Kita im Sommer 2022 in Betrieb geht.

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