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Pirna: Wo kann ich, wenn ich mal muss?

In der Stadt gibt es fünf öffentliche Toiletten, nicht immer ganz einfach zu finden. Ein Projekt für weitere Standorte ist mittlerweile gescheitert.

Öffentliche Toilette in Copitz: Das Haus wird oft nicht als WC wahrgenommen.
Öffentliche Toilette in Copitz: Das Haus wird oft nicht als WC wahrgenommen. © Thomas Möckel

Wer früher im Pirnaer Stadtteil Copitz ein dringendes Bedürfnis verspürte, der hatte früher ein drängendes Problem: er konnte nicht wirklich, selbst wenn er noch so musste. Es mangelte lange Zeit an einer öffentlichen Toilette. 

Zwar gab es früher mal ein stilles Örtchen für jedermann gleich hinter dem ehemaligen Rathaus. Wegen des schlechten Zustandes wurde es aber schon zu DDR-Zeiten geschlossen. Ausweichmöglichkeiten waren rar. Gaststätten, die man zur Not hätte aufsuchen können, gab es nicht viele. Als letzter Ausweg blieb oft nur, sich heimlich irgendwo zu erleichtern, oft in der damals noch wilden Gebüsch-Ecke an der Kreuzung Hauptstraße/Schulstraße oder auf den Elbwiesen neben der Stadtbrücke. 

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2016 schließlich reiften im Pirnaer Rathaus Pläne, den Notdurft-Druck zu lindern. Die Stadt ließ eine öffentliche Toilette errichten, auf einem Grundstück direkt an der Hauptstraße gleich hinter der Trolli-Schänke. 2017 ging die 113.000 Euro teure Bedürfnisanstalt in Betrieb, wer sich dort erleichtert, muss 50 Cent bezahlen. 

Die meisten Copitzer befürworteten das Projekt, einige störten sich allerdings an dem Standort. Der Platz sei falsch gewählt, weil an der Hauptstraße in Copitz nur wenig los sei. Viele hätten die Toilette eher am Copitzer Elbeparkplatz, in der Nähe des Radweges an der Elbe oder in der Nähe des Rewe-Marktes an der Schillerstraße gesehen. 

Neue Schilder weisen den Weg zum WC

Zu allem Überfluss kam hinzu: das stille Örtchen ließ sich offensichtlich nur schwer finden. Zwar steht direkt davor ein Schild, doch viele nehmen das bunt bemalte Häuschen nicht als öffentliches WC wahr. Einige Copitzer vermissten daher Hinweisschilder an stark frequentierten Orten, beispielsweise am Elbeparkplatz oder am Weg entlang der Elbe, um die Menschen gezielt zur Toilette zu lotsen.

Mitte 2019 sagte die Stadt nach mehreren Beschwerden zu, die Toilette auszuschildern, mithilfe eines zentralen Wegeleitsystems. Nachdem nun weitere Monate verstrichen sind, hat das Rathaus inzwischen die entsprechenden Schilder aufstellen lassen. Nach Auskunft der Stadt stehen sie nun am Elbeparkplatz, am Hauptplatz, an der Ecke Hauptstraße/Fährstraße, an der Ecke Hauptstraße/Schillerstraße, am Aufgang zum Haltepunkt Copitz, an der Ecke Schillerstraße/Rennerstraße und unmittelbar vor der Toilette. 

Allerdings gibt es in dieser Hinsicht ein generelles Problem: Pirna ist nicht gerade reichlich ausgestattet mit öffentlichen Toiletten. Rechtselbisch gibt es nur das eine WC in Copitz, hinzu kommen vier in der Innenstadt. Die stillen Örtchen befinden sich an folgenden Standorten:

  • Stadthaus 1: Markt 10, Damen-, Herren-, Behinderten-WC, offen: wochentags 7-22 Uhr, sonnabends 7-19 Uhr, feiertags/sonntags 9-19 Uhr;
  • An Goethe-Oberschule: Breite-Straße 2, Damen-, Herren-, Behinderten-WC, offen: ganzjährig, ohne Beschränkung;
  • Zentraler Busbahnhof: Bahnhofstraße 14 b, Damen-, Herren-, Behinderten-WC, offen: wochentags 4-22.30 Uhr, Wochenende 5.30-22.30 Uhr, feiertags 4 bis 22.30 Uhr;
  • Hauptstraße Copitz: ohne Trennung Damen-/Herren-/Behinderten-WC, offen: ganzjährig, ohne Beschränkung;
  • Brückenstraße: offen: zu Öffnungszeiten des Lokals "Landgang".
Wegweiser an der Ecke Hauptstraße/Fährstraße in Copitz: Die Toilette ist inzwischen ausgeschildert.
Wegweiser an der Ecke Hauptstraße/Fährstraße in Copitz: Die Toilette ist inzwischen ausgeschildert. © Thomas Möckel

Das Modell "Die nette Toilette" scheitert

Ein spezielles Konzept, die Zahl der Standorte zu erweitern, hat die Stadt inzwischen als gescheitert erklärt. Die Stadtratsfraktion "SPD/Grüne" hatte 2015 gefordert, dass es mehr öffentlich zugängliche Toiletten im Stadtgebiet geben soll. Die Abgeordneten beauftragten das Rathaus damit, vor allem zu prüfen, ob sich das Projekt "Die nette Toilette" umsetzen lässt. Nachdem Stadtrat Ralf Wätzig (SPD) kürzlich noch einmal nachhakte, was daraus geworden ist, steht nun fest: nichts.

Hinter dem Titel "Die nette Toilette" verbirgt sich ein besonderes Modell, das mittlerweile von bundesweit über 127 Städten übernommen wurde. 

Es basiert auf den häufigen Problemfällen: es gibt oft zu wenig Toiletten, neuen Toiletten kosten die Kommunen viel Geld, Pflege und Wartung sind enorm teuer, Toilettenstandorte sind oft nur zentral vorhanden. Viele Menschen trauen sich überdies nicht, einfach mal in die nächste Gaststätte zu gehen, wenn sie mal müssen.

Die Idee hinter dem Projekt "Die nette Toilette" ist daher, die lokalen Gaststätten in das Netz der öffentlichen Toiletten einzubinden. So unterstützt die Stadt die Gastronomen finanziell bei der Pflege ihrer Toiletten und spart dadurch Geld. Die Gastronomen bekommen auf diese Weise den einen oder anderen Gast mehr sowie Geld für die schon bestehenden Toiletten. Die Menschen erhalten ein Netz aus frei zugänglichen WCs, die sauber, gepflegt und bis spät in die Nacht geöffnet sind. 

Wie das Modell funktioniert, zeigt ein Beispiel aus der Stadt Aalen: ein neues öffentliches WC kostet rund 130.000 Euro, Unterhalt und Pflege von drei öffentlichen Toiletten verschlingen jährlich 40.000 Euro. Mit dem Projekt "Die nette Toilette" gibt es nun 27 öffentlich zugängliche WCs in den Gaststätten, die Stadt Aalen zahlt im Jahr einen Zuschuss von insgesamt 17.000 Euro an die Gastronomiebetriebe. Alle Lokale, die mitmachen, haben einen speziellen Aufkleber an der Eingangstür. 

Kein Geld fürs WC-Projekt

In Pirna jedoch, so konstatiert die Stadt, lasse sich das Modell nicht kostenneutral umsetzen. Der Verein "Citymanagement Pirna" hatte 2015 ortsansässige Gastronomen befragt, ob sie sich an dem Projekt beteiligen wollen und wie viel Geld sie dafür benötigen. Die Bereitschaft zur Teilnahme sei laut Aussage der Stadt aber sehr verhalten gewesen. 

Weiterhin habe die erste Kostenanalyse damals einen Finanzbedarf von 15.000 Euro ergeben, Geld, das weder die Stadt noch der Citymanagement-Verein aufbringen konnten. Aus diesen Gründen, so das Rathaus, sei dieses Projekt damals nicht weiter verfolgt worden. 

Abgesehen von der finanziellen Situation erwarte die Stadt auch keine wesentlichen Änderungen in Sachen Bereitschaft zum Mitmachen, selbst wenn jetzt nochmals geprüft werden, wer sich gegebenenfalls an dem Projekt beteiligen will.

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