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Zeichen für Toleranz: "Hier wurde eine Chance vertan!"

Pirna zeigt die Regenbogenflagge. Das hat die UEFA in München verpasst. CSD-Vorsitzender Christian Hesse aus Pirna findet das bedauerlich.

Christian Hesse ist der Vorsitzende des Vereins Christopher Street Day Pirna.
Christian Hesse ist der Vorsitzende des Vereins Christopher Street Day Pirna. ©  Archivfoto: Daniel Förster

Eigentlich sollte das EM-Stadion in München beim Gruppenfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Ungarn am Mittwoch in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen. Doch die Europäische Fußball-Union (UEFA) lehnte einen entsprechenden Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) ab. Diese Entscheidung wird kontrovers diskutiert. Auch Christian Hesse aus Pirna hat dazu eine eindeutige Meinung. Er ist der Vorsitzende des Vereins Christopher Street Day (CSD) Pirna, hat sich geoutet und lebt offen schwul.

Herr Hesse, was sagen Sie zu der Entscheidung der UEFA?

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Schade, hier wurde eindeutig eine Chance verpasst, ganz klar Flagge zu zeigen und sich mit Homosexuellen, Bisexuellen und Transgendern zu solidarisieren. Es gab ja sogar von den Politikern Rückendeckung für die geplante Aktion. Andere Institutionen waren mutiger. Unter anderem die Fernsehsender NTV und RTL hatten am Mittwoch den gesamten Tag über ihr Logo in Regenbogenfarben ausgestrahlt. Dabei plant Ungarn ein wirklich schlimmes Gesetz, das Homosexuelle diskriminiert. Damit grenzt sich Ungarn, in meinen Augen, selber aus dem Kreis der liberalen Länder der Europäischen Union aus.

Wie läuft es denn in Pirna? Sind die Behörden hier mutiger?

Ja, ich bezeichne Pirna immer gerne als offene Weltstadt. Das zeigt sich beispielsweise am 4. Juli um 18 Uhr. An dem Sonntagabend wird die Regenbogenflagge am Rathaus in Anwesenheit von OB Hanke und der sächsischen Justizministerin Katja Meier gehisst. Es ist der Auftakt der 13-tägigen CSD Themenwoche.

Dennoch wird der Verein CSD Pirna in den sozialen Medien nicht selten angefeindet, manchmal sehr massiv ...

Da haben Sie recht. Einige Kommentare sind wirklich erschütternd und diffamierend. Ich frage mich, woher solcher Hass kommt. Und ich finde es auch feige. Die User verstecken sich hinter irgendwelchen Profilen und geben sich nicht zu erkennen. Das ist kein Umgang miteinander. Wir verurteilen ja auch niemanden, weil er heterosexuell ist. Diese Toleranz erwarten wir ebenso von anderen. Alle atmen die gleiche Luft, aber wir werden angefeindet, weil wir leben und lieben, wie wir es mögen. Ich nehme diese Hasskommentare in den sozialen Medien aber nicht persönlich.

Eigentlich hätte in diesem Jahr der zehnte Christopher Street Day schrill und bunt auf dem Pirnaer Markt gefeiert werden sollen. Corona bremst jedoch diese Sause aus. Stattdessen hat Ihr Verein eine CSD-Themenwoche organisiert. Was dürfen wir erwarten?

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Die große Party Christopher Street Day fällt auch in diesem Jahr aus. Dafür lädt der Verein aber zu mehreren Aktionen in der Innenstadt ein.

Wir laden zu verschiedenen Veranstaltungen in der Pirnaer Innenstadt ein und arbeiten dabei eng mit anderen Pirnaer Vereinen zusammen. So werden Ausstellungen unter anderem im Uniwerk und im Internationalen Begegnungszentrum gezeigt. Die AG Asylsuchende organisiert ein Lagerfeuer an der Elbe, wo ein Geflüchteter über seine Erlebnisse und Erfahrungen spricht.

Wie viele Mitglieder gehören derzeit zum CSD Pirna?

Wir sind 20 Personen und kommen aus dem Landkreis und Dresden. Über Zuwachs freuen wir uns immer, denn nur zusammen können wir etwas bewegen und erreichen.

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