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Pirna zeigt Solidarität mit abgeschobener Familie

Freunde und Unterstützer der ausgewiesenen Georgier riefen zu einer Kundgebung. Rund 120 Personen kamen auf den Markt. Es wurde emotional.

Freunde und Unterstützer der abgeschobenen Familie Imerlishvili haben eine eindeutige Botschaft: #Bring back our neighbours - Bringt unsere Nachbarn zurück.
Freunde und Unterstützer der abgeschobenen Familie Imerlishvili haben eine eindeutige Botschaft: #Bring back our neighbours - Bringt unsere Nachbarn zurück. © Daniel Schäfer

Pirna. Donnerstag, 16.20 Uhr. Der Markt in Pirna wird immer voller. Freunde und Unterstützer der aus Pirna abgeschobenen Familie Imerlishvili hatten zuvor in den Sozialen Medien zu einer Kundgebung aufgerufen. Ihr Ziel ist eindeutig: Sie wollen ihre Nachbarn zurück haben.

Nachbarin: Kinder sind traumatisiert

Einer der Teilnehmer ist Maximilian Strüning aus Pirna. "Was hier geschehen ist, geht gar nicht. Kleine Kinder nachts um eins aus dem Schlaf zu reißen und abzuschieben, ist unmenschlich", sagt er. Er fügt hinzu, dass die Familie gut integriert war: Die Eltern hatten Arbeit und fünf der sieben Kinder wurden in Deutschland geboren.

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Auch Carsten Hennig ist gekommen, um sich mit den Georgiern solidarisch zu zeigen. "Wir sind befreundet mit den Imerlishvilis und unsere Kinder haben zusammen gespielt", sagt der Pirnaer Familienvater.

Unweit von ihm steht eine Dame mit ernstem Gesichtsausdruck. Sie ist die Nachbarin und hat die Abschiebung in der Nacht vom 10. Juni miterlebt. Jeden Tag telefoniert oder mailt sie mit den Imerlishvilis in Tiflis. "Sie mussten heute aus ihrer Ferienwohnung raus, weil die Wohnung renoviert wird. Gestern konnte mir die Mutter Ilona noch nicht sagen, wo sie jetzt unterkommen", berichtet die Nachbarin. Auf den Fotos und in den Gesprächen habe sie bemerkt, dass die Familie nervlich am Ende sei. "Das sieht man ihren Gesichtern an, nicht nur bei den Eltern, sondern auch die Gesichtszüge der Kinder haben sich verändert. Ich kann keine Fröhlichkeit mehr entdecken", sagt die Pirnaerin.

Pirnas OB will sich für Familie einsetzen

Auf der Kundgebung mit rund 120 Personen wurden zahlreiche Grußworte verlesen. Zwar konnte Pirnas Oberbürgermeister Klaus Peter Hanke aus terminlichen Gründen nicht persönlich anwesend sein, er ließ jedoch mitteilen, dass die Integration von Neubürgern eine Herzensangelegenheit für ihn sei. Er plädiere dafür, alle juristischen Mittel auszuschöpfen, damit die Familie nach Deutschland zurückkehren kann. Es wäre wünschenswert, wenn die Landesdirektion ihre Entscheidung nochmal überdenken würde, so Hanke. Er selbst werde sich in Kürze zu diesem Thema nochmals mit dem Landrat in Verbindung setzen.

Auch Nino Haustein, Bundestagskandidat der Bündnisgrünen für den Landkreis, griff zum Mikro. Er sprach von einer brutalen Abschiebung und griff in diesem Zusammenhang scharf Innenminister Roland Wöller (CDU) an. Eine gut integrierte Familie abzuschieben, sei nicht christlich. Für diese Äußerung bekam der Politiker viel Beifall.

Linken-Politiker wird sich an Innenminister wenden

Ebenfalls nicht persönlich anwesend war Linken-Politiker André Hahn. Auch er ließ ein Statement verlesen. Darin fordert er, die Wiedereinreise der Familie zu ermöglichen. "Die Abschiebung der neunköpfigen georgischen Familie aus Pirna in den Morgenstunden des 10. Juni nach Tiflis macht mich fassungslos. Ich habe überhaupt kein Verständnis für diese inhumane Maßnahme der beteiligten Ausländerbehörde", stellt Hahn fest und fügt hinzu: "Die in einer Nacht- und Nebelaktion erfolgte Abschiebung ist daher auch unter rechtlichen Gesichtspunkten mehr als fragwürdig, zumal auch ein ausstehendes Votum der Härtefallkommission nicht abgewartet wurde", so der Politiker. Er wolle sich beim sächsischen Innenminister für die Imerlishvilis einsetzen.

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Worte, die Marianne Thum von der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz- Osterzgebirge gerne hört. Auch sie betonte nochmals, dass diese Abschiebung skrupellos gewesen sei und rückgängig gemacht werden müsse. Dann übergab sie das Mikrofon an Ramona Fiebig, Leiterin der Awo-Kita Knirpsenland, wo Kinder der Imerlishvilis betreut wurden. "Das lässt mich einfach nicht mehr los. Was müssen Kinder fühlen, wenn sie nachts aus dem Bett gerissen werden?", fragt sie rhetorisch und wischt dabei ihre Augen. Ebenso emotional wurde eine Nachbarin, die zuletzt sprach. "Hier ist eine rote Linie überschritten worden. Die Kinder sind traumatisiert", sagt sie mit zitternder Stimme.

Nach gut einer halben Stunde endete die Kundgebung. Eins wurde deutlich: Die Unterstützer hören erst mit Aktionen auf, wenn die Familie Imerlishvili wieder zurück in Sachsen ist.

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