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Pirnas neue Seniorenresidenz

Auf dem Areal der alten "Marmelade" entsteht eine riesige Wohnanlage - mit einem Angebot, was es so in der Stadt noch nicht gibt.

Neue Senioren-Wohnanlage in Pirna: Acht Häuser mit insgesamt 80 Wohnungen.
Neue Senioren-Wohnanlage in Pirna: Acht Häuser mit insgesamt 80 Wohnungen. © ardoris Architekten

An der B 172 in Pirna, kurz vor dem Autohandel Schulz und schräg gegenüber der Einfahrt zur Glashüttenstraße, liegt eine bislang noch ungenutzte Fläche, etwa 20.000 Quadratmeter groß. 

Lange Zeit war das Gelände geprägt von einer eher ungewöhnlichen Industrie-Mischung: auf dem Areal wurden Klebstoffe und fruchtiger Brotaufstrich produziert, weshalb es auch im Volksmund "Marmelade" genannt wird. Beide Betriebe teilten sich eine Einfahrt, es gab sogar einen Gleisanschluss.

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Die Bahnschienen und die Firmen sind längst verschwunden, seit Jahrzehnten liegt die Fläche brach. Einen Bebauungsplan für das Terrain gab es bislang nicht, sie ist generell als sogenanntes Mischgebiet ausgewiesen.

Versuche, das Gelände zu entwickeln, gab es mehrere, was allerdings nicht ganz einfach ist. Das Areal grenzt im Süden an den Pirnaer Friedhof. "Wir haben jemanden gesucht, der möglichst wenig Lärm macht", sagt Christian Flörke, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP), der die Fläche seit fünf Jahren gehört. 

Anfragen von potenziellen Investoren gab es mehrfach, auch von zwei Motorradhäusern, was sich aber mit der Totenruhe nicht so recht in Einklang bringen ließ. 

Doch nun steht ein großes, in Pirna bislang einzigartiges Projekt in den Startlöchern. Die SEP hat reichlich die Hälfte des Grundstücks an die SMG Immobilien GmbH verkauft. Die Firma will auf dem Gelände eine große Seniorenresidenz bauen, einschließlich eines ganz besonderen Angebots, was es in Pirna bislang nicht gibt. Sächsische.de stellt das Vorhaben vor.

Warum eine Seniorenresidenz?

Offiziell trägt das Projekt den Namen "Seniorenresidenz Pirna", es wird aber weder ein Alten- noch ein Pflegeheim. Entstehen werden barrierefreie, seniorengerechte Wohnungen, die SMG nennt sie auch Service- oder Komfortwohnungen am Tor zur Stadt. Nach Aussage von SMG-Geschäftsführer Sven Sauer bestehe ein großer Bedarf an derartigen Quartieren, zumal es in Pirna nicht ausreichend davon gebe. 

Viele ältere Menschen, sagt Sauer, vor allem im ländlichen Raum, trügen sich mit dem Gedanken, ihre Häuser zu verkaufen und stattdessen in Städte mit guter Infrastruktur zu ziehen. Es gebe sogar Interessenten aus den alten Bundesländern, die in Pirna ihren Lebensabend verbringen wollen. 

Die Nachfrage nach Wohnraum, wo man alt werden könne, sei enorm, sagt auch Swetlana Irmscher, Inhaberin der Seniorenbetreuung "Home Instead" in Pirna. Angehörige von Menschen, die der Pflegedienst betreut, würden beinahe täglich nachfragen, wo ältere Menschen gut wohnen könnten. 

Was genau entsteht auf dem Gelände?

Die SMG plant auf dem Marmelade-Areal einen Wohnpark, bestehend aus acht Häusern, in jedem Gebäude gibt es etwa zehn Wohnungen, sie sind zwischen 45 und 80 Quadratmeter groß, allesamt barrierefrei. In jedem Haus gibt es einen Fahrstuhl. "Wir wollen etwas Hochwertiges schaffen, was es so noch nicht gibt", sagt Sauer.

Die SMG ist lediglich der Bauherr, die Wohnungen werden später alle verkauft. Alle Wohnungen haben einen Balkon, die Penthouse-Quartiere ganz oben eine umlaufende Terrasse. Die Häuser sind alle nach Süden ausgerichtet. Zur B 172 zeigen lediglich die Treppenhäuser. 

Die Erdgeschossflächen sind für sogenanntes nicht störendes Gewerbe vorgesehen, einziehen könnten dort beispielsweise ein Café, ein Friseur, ein Bäcker, eine Physiotherapie. Auch Arztpraxen, sagt Sauer, wären toll, die künftigen Bewohner hätte dann alle wichtigen Anlaufstellen vor Ort.

Die Zufahrt führt von der B 172 aus auf das Gelände, auf dem reichlich Pkw-Stellplätze vorgesehen sind. 

Weil das Areal im Süden an den Friedhof grenzt, muss der Bauherr eine spezielle Vorschrift beachten. Zwischen dem Gottesacker und den Wohnhäusern muss ein Mindestabstand von 35 Meter eingehalten werden. Dieser Streifen wird als parkähnliche Anlage mit Bäumen, Beeten und Bänken gestaltet.

Blick von oben auf die geplante Seniorenresidenz: In der Bildmitte verläuft die B 172, im unteren Teil ist der Friedhof zu sehen.
Blick von oben auf die geplante Seniorenresidenz: In der Bildmitte verläuft die B 172, im unteren Teil ist der Friedhof zu sehen. © ardoris Architekten

Was ist das Besondere an dem Wohnpark?

Swetlana Irmscher wird mit ihrem Senioren-Betreuungsdienst "Home Instead" in die neue Wohnanlage ziehen. Derzeit sitzt das Unternehmen auf der Gartenstraße in Pirna, doch die Inhaberin sucht schon lange neue, größere Räume - und wurde letztendlich bei der SMG fündig. "Das Konzept der Wohnanlage finde ich ganz toll", sagt sie. 

Mit ihrem Betreuungsdienst wird sie in die zwei Häuser ziehen, die in Richtung Stadt zeigen, zwischen den Gebäuden wird daher extra ein Verbindungsbau errichtet. Die Erdgeschossbereiche werden Domizil des Pflegedienstes, im ersten Obergeschoss findet sich später eine Neuheit: eine Senioren-Wohngemeinschaft (WG). Eigentlich sind es zwei WGs, für jeweils sechs Mieter. "Die Menschen können dort selbstbestimmt mit viel Freiheit leben", sagt Swetlana Irmscher. 

In jeder WG gibt es sechs Zimmer, jeweils mit Bad, jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer als Rückzugsbereich. Im Zentrum findet sich ein riesiger Gemeinschafts- und Aufenthaltsbereich, Betreuer sind dort rund um die Uhr vor Ort. 

Wie sieht der Zeitplan aus?

Der Pirnaer Stadtrat hat bereits im April dieses Jahres beschlossen, einen Bebauungsplan "An der Dresdner Straße" für dieses Gebiet aufzustellen, das Verfahren dazu läuft derzeit. Sauer rechnet damit, dass möglicherweise im späten Frühjahr 2021 Baurecht vorliegen könnte, der Bau selbst könnte dann im Sommer 2021 starten. Ende 2022 sollen die Häuser fertig sein.

Wie viel Geld investiert der Bauherr?

Eine genaue Zahl nennt Sauer nicht, die Investitionssumme belaufe sich aber auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Und es ist vielleicht nicht das letzte Geld, was die SMG in Pirna investiert. Wenn sich das Gelände mit dem Wohnpark gut entwickeln lasse, kann sich der Bauherr durchaus vorstellen, auch die restliche Fläche des Marmelade-Areals zu kaufen und zu bebauen. 

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