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Pirnas Weg aus der digitalen Steinzeit

Vodafone baut in den nächsten zwei Jahren das Breitbandnetz für schnelles Internet aus. Es ist ein gewaltiges Projekt.

Axel Andrée von Vodafone mit modernem Glasfaserkabel: Künftig Übertragungsraten von einem Gigabit pro Sekunde.
Axel Andrée von Vodafone mit modernem Glasfaserkabel: Künftig Übertragungsraten von einem Gigabit pro Sekunde. © Daniel Schäfer

Wer sich davon überzeugen will, wie sehr das Internet auch heutzutage noch gelegentlich lahmt, muss nur mal in den Pirnaer Ortsteil Neundorf fahren. Während in einigen Bereichen der Stadt bereits Übertragungsraten von 50 oder gar 100 Megabit pro Sekunde anliegen, ist es in Neundorf nur ein Bruchteil dessen. 

Autohaus-Inhaber Thomas Huth, auf gut funktionierendes Internet angewiesen, hat mehrfach das Übertragungstempo gemessen. Das ernüchternde Ergebnis: 0,16 Megabit pro Sekunde.

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Videos im Netz anschauen, Filme herunterladen, E-Mails verschicken, Online-Shops betreiben - das funktionierte in dem Ortsteil bislang nicht wirklich. Und Neundorf ist längst nicht der einzige Problemfall. 

In Pirna gibt es noch weitere unterversorgte Gebiete, es sind hauptsächlich die abseits gelegenen Ortsteile. Dieser missliche Zustand soll sich aber in den nächsten zwei Jahren grundlegend ändern. Vodafone baut Pirna zur nächsten Glasfaser-Region aus, die Fördermittel sind bewilligt, der Baustart steht kurz bevor. Sächsische.de erklärt die Details. 

Warum wird das Breitbandnetz ausgebaut?

Schnelles Internet wird immer stärker zu einem wichtigen Standortfaktor. Doch an vielen Stellen in Pirna war der flotte Klick ins Netz bisher nicht möglich. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie stufte 886 Haushalte, 108 Unternehmen, 23 Schulstandorte sowie zwei Krankenhäuser als unterversorgt ein. "Wir brauchen aber überall schnelles Internet", sagt der Pirnaer Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos). Der weitere Ausbau sei für Pirna nun ein Schritt aus der digitalen Steinzeit. 

Auch Ines Fröhlich, Staatssekretärin im sächsischen Wirtschaftsministerium, betont, schnelles und leistungsfähiges Internet sei heutzutage ein Muss. Darüber hinaus habe die Corona-Krise gezeigt, wie wichtig Digitalisierung und schnelles Internet seien, sagt Daniel Knohr, Chef der atene KOM GmbH, die Pirna beim Fördermittelantrag unterstützte. 

Warum dauert der Ausbau so lange?

Seit 2015 bemüht sich Pirna, den Breitbandausbau voranzutreiben. Diese Vorhaben sind aber immens teuer und allein von der Stadt nicht zu finanzieren. 

Inzwischen ist einiges geschehen, zwischen 75 und 90 Prozent der Pirnaer können bereits schnelles Internet beziehen - aber eben noch nicht alle. Letztendlich sagte der Bund Zuschüsse zu, um den Ausbau zu unterstützen. 

2018 beantragte das Rathaus die Fördermittel, es schloss sich ein aufwendiges Ausschreibungs- und Vergabeverfahren an. "Das hat unsere Verwaltung mächtig gefordert", sagt Hanke. 

Nach zwei Jahren vergab Pirna im Frühjahr 2020 den Auftrag an Vodafone, der finale Fördermittelbescheid liegt inzwischen im Rathaus vor.

Wie läuft der Breitband-Ausbau?

Am 1. September gab es auf dem Gelände der Grundschule Neundorf den ersten Spatenstich - es war der symbolische Baustart. 

Was nun folgt, sind zwei Jahre Tiefbau. Vodafone gräbt sich dabei einmal komplett durch die Stadt. Insgesamt handelt es sich um 60 Kilometer Tiefbau, Fachleute verlegen dabei über 120 Kilometer Leerrohre und über 300 Kilometer Glasfaserkabel. Hinzu kommen zwei Technik-Gebäude und mehrere Übergabepunkte. Auf diese Weise können laut Vodafone dann mehr als 1.100 Haushalte, fast 100 Unternehmen, zwei Krankenhäuser sowie Schulen mit schnellem Internet versorgt werden. 

Erster Spatenstich in Pirna-Neundorf: 60 Kilometer Tiefbau in zwei Jahren.
Erster Spatenstich in Pirna-Neundorf: 60 Kilometer Tiefbau in zwei Jahren. © Daniel Schäfer

Wie lange dauern die Arbeiten?

Die Vorbereitung hat Vodafone bereits abgeschlossen. Bis Dezember dieses Jahres will das Unternehmen weitere Kunden akquirieren und das Netz für Pirna planen. Der Tiefbau startet voraussichtlich Anfang 2021, bis zum 30. Juni 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Welche Geschwindigkeit liegt dann an?

Mit 30 Megabit pro Sekunde, sagt Silke Pötschke von Vodafone, gebe es in einigen Teilen Pirnas kein leistungsfähiges Internet. Mit dem Glasfasernetz soll sich das nun ändern: erreicht werden damit Download-Raten von mindestens einem Gigabit pro Sekunde. Wie flott das ist, zeigt ein Beispiel von Vodafone: Lädt man beispielsweise eine 4,7 Gigabyte große Daten-DVD aus dem Netz herunter, dauert das mit der schnellsten VDSL-Verbindung sechs Minuten. Über die gigabit-fähige Glasfaser-Technologie ist der Vorgang bereits nach 36 Sekunden beendet.

Nach Aussage von Silke Pötschke haben die Glasfaserkabel weitere Vorteile: man kann in besserer Qualität telefonieren, es gibt keinen Bandbreitenverlust, die Technik ist weniger störanfällig. Wichtig ist das für viele Bereiche: um Filme zu schauen, fürs Homeoffice, für Schüler, die zu Hause lernen müssen, fürs Smart Home, für die Tele-Medizin. "Digitalisierung braucht Bandbreite, um produktiv und wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt Silke Pötschke.

Wie viel Geld kostet der Ausbau?

Der jetzt begonnene Breitband-Ausbau kostet nach Angaben der Stadt insgesamt 8,7 Millionen Euro. Das Vorhaben wird zu 60 Prozent vom Bund über das Bundesförderprogramm sowie zu 30 Prozent vom Land Sachsen nach der Richtlinie "Digitale Offensive Sachsen" gefördert.

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