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Pirnas Wege aus dem Dauerstau

Verstopfte Straßen, fehlende Radwege, wenig Parkplätze: Mit einem neuen Konzept versucht die Stadt nun, all diese Probleme zu lösen.

Stau auf der B 172 in Pirna: Erst die Südumfahrung wird die Strecke künftig vom Verkehr entlasten.
Stau auf der B 172 in Pirna: Erst die Südumfahrung wird die Strecke künftig vom Verkehr entlasten. © Archiv: Daniel Förster

Vor allem im innerstädtischen Verkehr hat Pirna mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Viele Routen sind regelmäßig von Dauerstau geprägt, Radfahrer beklagen sich über fehlende Fahrradwege, es mangelt an Parkplätzen, was vor allem bei Großveranstaltungen zu teils chaotischen Verhältnissen führt. 

Angesichts dieser und weiterer Herausforderungen hat der Stadtrat bereits 2015 den "Verkehrsentwicklungsplan 2030" (VEP) beschlossen - ein langfristiges gesamtstädtisches Konzept, um die Mobilitätsverhältnisse zu verbessern. 

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Hauptsächlich geht es in diesem Papier darum, wie viel Verkehrsinfrastruktur sinnvoll ist, damit Einwohner und Besucher auch weiterhin mobil in der Stadt sein können. Gleichsam geht es aber auch darum, negative Folgen des Verkehrs - Lärm, Schadstoffe, Inanspruchnahme von Flächen, Gefährdungspotenzial - zu verringern. In seinen Grundzügen, so das Rathaus, sei der VEP 2030 nach wie vor aktuell und richtungsweisend.

Zuviel Konkurrenz in der Innenstadt

Allerdings gibt es auch ein Manko: Nicht alle Projekte lassen sich wie gewünscht realisieren. Auf dem Weg, bestimmte Vorhaben umzusetzen, stößt die Stadt insbesondere in der dicht bebauten Innenstadt zunehmend an Grenzen. 

Das resultiert vor allem daraus, dass Individualverkehr, öffentlicher Nahverkehr und Radverkehr um die wenigen Flächen konkurrieren und nicht für jede Verkehrsart gleichberechtigt Platz ist.

Zudem haben sich nach Aussage der Stadt seit 2015 Entwicklungen ergeben, die neue Fragen aufwerfen, aber auch neue Chancen für bisher nicht mögliche Gestaltungsspielräume bieten.

Zu letzteren zählt die 2023 fertig werdende Südumfahrung, die die Innenstadt vom Verkehr und vom Stau entlasten soll. Daraus ergeben sich aus Sicht der Stadt Möglichkeiten für veränderte Verkehrsführungen im Zentrum sowie neue Nutzungen für die dann alte B 172. Zudem hat die Stadt die alten Bahntrassen im Gottleuba- und Seidewitztal gekauft, um sie zu Rad- und Fußwegen umzugestalten.

Praktikable Lösungen für die Probleme

Aufgrund dieser Veränderungen lässt Pirna nun den VEP 2030 inhaltlich überarbeiten. Der Stadtentwicklungsausschuss vergab kürzlich den Auftrag dafür an das Verkehrsplanungsbüro "VKT" aus Dresden, das auch schon den VEP 2030 mit erarbeitet hat.

Die Aufgabe, den VEP zu modifizieren, kostet insgesamt reichlich 122.000 Euro, wobei der Großteil des Geldes im Doppelhaushalt für 2021/22 bereitzustellen ist, der noch nicht beschlossen wurde.

Mit dem Auftrag verfolgt Pirna das Ziel, praktikable Lösungen für die bislang aufgetretenen Probleme zu entwickeln und die dabei zutage getretenen Grenzen zu überwinden. Die Stadt erwartet von den Verkehrsplanern ganz konkrete Vorschläge, die sich vor Ort auch tatsächlich umsetzen lassen.

Die Herausforderungen konzentrieren sich inhaltlich auf die Bereiche ruhender Verkehr, Radverkehr und Verkehrsführung des Individualverkehrs sowie räumlich auf den Bereich der Innenstadt.

Gemeinsam mit einer eigens dafür gegründeten Lenkungsgruppe hat Pirna im Vorfeld Prioritäten für bestimmte Themen vergeben, denen sich die Verkehrsplaner schwerpunktmäßig widmen sollen. 

Prioritäten beim ruhenden Verkehr

Im Bereich ruhender Verkehr wurden folgende Projekte mit der Priorität "hoch" eingestuft:

  • Entwicklung eines Parkkonzeptes für Großveranstaltungen 
  • Erhöhung der Parkraumkapazitäten für Anwohner
  • Erhöhung der Kapazitäten für das P+R-Parken (möglicherweise mit einem neuen P+R-Parkplatz hinter dem Bahnhof oder einem P+R-Parkhaus am Busbahnhof)
  • Erarbeitung eines Vorschlags für ein dynamisches Parkleitsystem (was Parkflächen automatisch erfasst und kontrolliert)
  • Aufzeigen von Möglichkeiten, um die Parkmöglichkeiten und den Parksuchverkehr von Touristen im Bereich der historischen Altstadt zu reduzieren
  • Anpassung der Parkgebühren, dabei sollen die Parkgebühren auch verstärkt dazu dienen, den Verkehr zu lenken

Prioritäten im Radverkehr

Im Bereich Radverkehr wurden folgende Projekte mit der Priorität "hoch" eingestuft:

  • Schaffung von durchgehenden Radrouten im Stadtgebiet, Aufzeigen von Lösungen für Radverkehrsanlagen in dicht bebauten Bereichen (vor allem Innenstadt in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung), Prüfung von Vorranglösungen für den Radverkehr (Fahrradstraßen, Fahrradampeln, spezielle Aufstellflächen an Kreuzungen etc.) sowie die Prüfung aller Einbahnstraßen zu Freigabe für Radfahrer in Gegenrichtung
  • Aufzeigen von Optionen, wie die Trasse der künftigen B 172 alt nachgenutzt werden kann, vor allem in Hinblick darauf, einen Radschnellweg Richtung Dresden zu errichten
  • Umnutzung der Bahntrassen im Gottleuba- und Seidewitztal zu Radwegen (und Fußwegen) und deren Integration ins gesamtstädtische Radwegenetz

Prioritäten beim Individualverkehr

Im Bereich Individualverkehr wurden folgende Punkte mit der Priorität "hoch" eingestuft: 

  • Innenstadt und Stadtbrücke sollen für den Durchgangsverkehr möglichst unattraktiv werden
  • Sperrung des Marktplatzes für den Durchgangsverkehr (eine Testphase soll ab April 2021 laufen)
  • Aufzeigen alternativer Verkehrsführungen (z.B. Einbahnstraßensystem) in der Innenstadt, abhängig von den Lösungen für den Radverkehr und für den ruhenden Verkehr und unter Beachtung der Ausweitung von verkehrsberuhigten Bereichen auf der Gartenstraße und der Breiten Straße

Nach Plänen der Stadt soll der modifizierte VEP bis Ende 2021 fertig erarbeitet sein.

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