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Gottleuba: Wahlkampf läuft auf Hochtouren

Internet, Videos, Plakate: Die Bürgermeisterkandidaten nutzen alle Möglichkeiten. Drei Wochen vor der Wahl steht die heiße Phase noch bevor.

Noch reichlich drei Wochen bis zur Wahl: Thomas Peters (CDU), Michael Ullmann (AfD) und Madlen Rätze (parteilos) wollen am 18. April Bürgermeister werden.
Noch reichlich drei Wochen bis zur Wahl: Thomas Peters (CDU), Michael Ullmann (AfD) und Madlen Rätze (parteilos) wollen am 18. April Bürgermeister werden. © Montage: SZ-Bildstelle

Wer dachte, Wahlkampf in Corona-Zeiten ist langweilig und beschränkt sich auf irgendwelche Zettel im Briefkasten, der wird in Bad Gottleuba-Berggießhübel eines Anderen belehrt. Thomas Peters (CDU), Michael Ullmann (AfD) und Madlen Rätze (parteilos) sind auf allen Kanälen unterwegs. Vor allem auf Facebook versuchen sie mit Videos, Fotos und Worten die Wähler zu überzeugen. Inzwischen hängen auch die Plakate an den Straßen - und sind die ersten beschmiert worden. Beim Aufhängen sind die beiden Männer gern selbst auf die Leiter gestiegen. Aber auch Madlen Rätze ist losgezogen, um ihre Werbung eigenhändig in die Briefkästen zu stecken.

Außerdem geben sich insbesondere Peters und Rätze in den Einrichtungen die Klinke in die Hand. So viel Besuch haben Schulen, Firmen, Besucherbergwerk, Kindergärten lange nicht bekommen. Der Wahlkampf ist anders als sonst. Ohne Foren, Diskussionsrunden und Ähnliches. Auf persönliche Gespräche wollen die Kandidaten trotzdem nicht verzichten und finden dafür unterschiedliche Formen.

Sächsische.de hat hier zusammengetragen, wie die Kandidaten das schaffen.

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Thomas Peters: Plakate ohne "CDU"

Thomas Peters: Auf seinen Plakaten vermissen einige etwas Wichtiges.
Thomas Peters: Auf seinen Plakaten vermissen einige etwas Wichtiges. © privat

Thomas Peters hat seiner Facebook-Seite die Unterzeile "Kandidat für ein politisches Amt" gegeben. Bei den weiteren Informationen liest man dann, um welches es sich handelt: Bürgermeisterkandidat. Seine aktuell 102 Abonnenten sind im Kandidaten-Vergleich derzeit die wenigsten. Nichtsdestotrotz versorgt er sie seit Anfang März fast täglich, mitunter auch mehrfach, mit Informationen, die er auch per WhatsApp und auf seiner Internetseite verbreitet.

Seine Flyer sind bereits komplett verteilt, sagt Peters. Auch alle 240 Plakate, so viele sind laut Wahlwerbesatzung erlaubt, hängen in allen Ortsteilen. Was auf den Plakaten von Peters auffällt, ist das Fehlen der drei Buchstaben C,D und U. Für ihn seien sie nicht vordergründig, sagt er. Ein Argument, das seine Kontrahenten natürlich aufgreifen. Weil eine Bürgermeisterwahl in allererster Linie eine Personenwahl ist, gab es schon in der Vergangenheit etliche Beispiele, dass Kandidaten aller Couleur ihre Parteizugehörigkeit ausblendeten. Das soll auch Überparteilichkeit suggerieren.

Unterstützt wird Peters von verschiedenen Privatpersonen. Dazu gehört auch Sebastian Salomo, sein bei der Nominierung des CDU-Stadtverband unterlegender Gegenkandidat. Die Junge Union und der Kreisvorstand der CDU unterstützen Peters ebenfalls. Interessant die Begegnung mit Innenminister Roland Wöller. Der nämlich hatte beim letzten Wahlkampf noch Madlen Rätze unterstützt, aber da waren ja beide auch noch in einer Partei.

Die Frage nach dem Geld, das er in seinen Wahlkampf investiert, lässt Peters unbeantwortet. Es sei ein für ihn und seine Familie vertretbarer Betrag, was immer das heißt. Der Betrag setze sich aus Spenden, eigenem Geld und Parteigeld zusammen.

Michael Ullmann: Kreisverband bezahlt

Michael Ullmann: Der Müglitztaler AfD-Kandidat war der Erste, dessen Plakate hingen.
Michael Ullmann: Der Müglitztaler AfD-Kandidat war der Erste, dessen Plakate hingen. © privat

Michael Ullmann hat auf seiner Facebook-Seite, die seinen Namen und den seiner Partei trägt, 1.129 Abonnenten. Dass so viele ihm folgen, hat auch damit zu tun, dass er seine Seite schon sehr lange aktiv nutzt, im Kreistag sitzt und als Erster bereits Ende Dezember seine Kandidatur bekannt gab.

Seine 120 Doppelplakate waren auch die ersten, die am 7. März hingen. Einen Tag früher als die Stadt zunächst per Bescheid gemäß Wahlwerbesatzung genehmigte. Dem hatte Ullmann widersprochen, dem Widerspruch wurde schließlich stattgegeben. Dass ein Tag so wichtig ist, ist auch Wahlkampf. Gegen Schmierereien auf seinen Plakaten hat Ullmann Anzeige erstattet. Das bleibt jedoch in der Regel ohne Folgen, weil Täter schwer zu ermitteln sind.

Für seinen Wahlkampf nutzt Ullmann neben den Plakaten wie die anderen auch die Klassiker Internetseite, Flyer und Bürgergespräche. Am vergangenen Sonnabend sowie am Sonnabend vorm Wahltag ist Ullmann mit Infoständen in Bad Gottleuba und Berggießhübel. Seit vergangener Woche hat Ullmann auch einen Wahlkampftransporter mit Großplakaten.

Das Ullmann-AfD-Wahlkampfteam hat keinen festen Stamm. Etwa acht bis zehn Personen seien immer auf Abruf bereit, sagt Ullmann. Zu seinen Unterstützern aus dem AfD-Kreisverband gehören auch die vier Landtagsabgeordneten, die materiell und persönlich helfen. So viel Einsatz für einen Bürgermeisterposten einer kleinen Stadt? Es wäre für die AfD der erste in Sachsen. Entsprechend konzentriert man sich und die Kräfte.

Auch Ullmann nennt mit dem Verweis, dass der Wahlkampf ja erst noch in seine heiße Phase kommt, keine Kosten. Den größten Teil der Ausgaben trage der AfD-Kreisverband. Von mehreren Hundert Euro Spenden seien unter anderem die Lkw-Planen für den Werbetransporter bezahlt worden. Hinzu komme ein kleiner Eigenanteil.

Madlen Rätze: Verspäteter Druck

Madlen Rätze: Selbst ist die Frau - beim Verteilen der Faltblätter direkt in die Briefkästen.
Madlen Rätze: Selbst ist die Frau - beim Verteilen der Faltblätter direkt in die Briefkästen. © privat

Madlen Rätze ist auf Facebook nicht einfach Madlen Rätze, sondern "Madlen Rätze Bürgermeisterkandidatin". 127 Abonnenten nimmt sie hier mit auf ihre Wahltouren. In regelmäßigen Videos bringt sie ihre Botschaften an die Wähler. Dass sie in Wahlzeiten auch immer mal wieder auf der städtischen Facebookseite auftaucht, sehen einige kritisch.

Ohne größere Veranstaltungen stützt auch Madlen Rätze sich auf die persönlichen Gespräche mit den Einwohnern - unter anderem beim eigenhändigen Verteilen ihrer Faltblätter. Das Foto ihrer Faltblätter ist das vom Wahlkampf 2018/19. Damals stand "Gestalten statt verwalten" darauf, diesmal "Weil Heimat Herzenssache ist". Es bleibt beim schon vor drei Jahren verkündeten "Eine von uns - eine für alle". Auch ihre Internetseite vom vergangenen Wahlkampf ist wieder aktiviert worden.

Der Druck der 100 Rätze-Plakate habe sich etwas verzögert. Sie werden deshalb erst ab dem kommenden Wochenende angebracht. Neben den Plakaten wurden 3.500 Flyer und drei Banner gedruckt. Das enge Organisationsteam von Madlen Rätze besteht aus fünf Personen aus ihrem engsten Familien- und Freundeskreis. Deren Unterstützung bedeute ihr sehr viel.

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Madlen Rätze ist die einzige der drei Kandidaten, die die Frage nach dem Wahlkampfgeld mit einer konkreten Summe beantwortet. Sie gehe davon aus, dass sie bei maximal 1.200 Euro liegt. Spenden nehme sie aus Gründen der Unabhängigkeit nicht an, Parteiengelder entfallen, da sie keiner Partei angehört. Deshalb finanziere sie ihren Wahlkampf aus eigenem Geld.

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