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Frau des Innenministers will in den Bundestag

Corinna Franke-Wöller strebt das Mandat im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge an. Für die SPD tritt aber die frühere Juso-Chefin nicht an.

Innenminister Roland Wöller feierte seinen Einzug in den Landtag im September 2019 mit seiner Frau Corinna Franke-Wöller in Pesterwitz. Nun will auch sie ein Mandat.
Innenminister Roland Wöller feierte seinen Einzug in den Landtag im September 2019 mit seiner Frau Corinna Franke-Wöller in Pesterwitz. Nun will auch sie ein Mandat. © Andreas Weihs

Die promovierte Juristin Corinna Franke-Wöller aus Freital will im kommenden Jahr das Direktmandat für den Bundestag im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge holen. Sollte sie Erfolg haben, würde sie auf diesem Posten auf die frühere AfD-Chefin Frauke Petry, mittlerweile parteilos, folgen. Dazu muss sie aber erst mal von der CDU nominiert werden. Denn mittlerweile ist die ehemalige sächsische Juso-Chefin in der Union.

Dem CDU-Kreisvorstand stellt sich Corinna Franke-Wöller am Dienstag, 8. Dezember, schon mal vor. Das erfolgt per Video und wird vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden Oliver Wehner eingerichtet. Moderieren wird das der andere Stellvertreter, Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother.

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Sachsens Innenminister ist in Kandidatenfrage befangen

Damit wird Kreisvorsitzender Roland Wöller bewusst aus dem Verfahren herausgehalten. Der sächsische Innenminister ist der Ehemann von Corinna Franke-Wöller und damit befangen. Der Kreisverband wollte eigentlich seine Kandidatin oder seinen Kandidaten bereits bestimmt haben. Das wurde jedoch von der Wahl des neuen Bundesvorsitzenden abhängig gemacht. Als diese Wahl verschoben wurde, hat auch der Kreisverband die Kandidatenkür ins nächste Jahr verlegt. Franke-Wöller ist bisher die einzige, die ihren Hut in den Ring geworfen hat.

Einen konkreten Termin für die Nominierung gibt es noch nicht. Die soll jedoch zügig nach dem 16. Januar erfolgen, erklärt Wehner. An dem Tag soll die Entscheidung über den Bundesvorsitz fallen.

Politische Erfahrungen bisher bei den Jusos

Corinna Franke-Wöller ist derzeit Chefin der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung der Bundesregierung. Die berät Unternehmen, die Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern planen. Deshalb sei ihr politisches Thema in erster Linie auch die Wirtschaft, sagt die 47-Jährige im Gespräch mit Sächsische.de. Digitalisierung, Forschung und Innovation seien weitere Bereiche, die sie politisch gern voranbringen würde.

Erste Erfahrungen im Politik-Betrieb machte sie aber nicht in der CDU, sondern bei den Jungsozialisten (Jusos). Von 1997 bis 1999 war die damalige Jura-Studentin Vorsitzende des Landesverbands. Zehn Jahre später trat sie aus der SPD aus. Seit 2013 ist sie CDU-Mitglied.

Vor einigen Wochen hatte sie den Entschluss gefasst, sich in ihrer Heimat um das Direktmandat für den Bundestag zu bemühen. Dass ihr Mann Kreischef der Partei ist, habe dabei keine Rolle gespielt, wie sie betont. Diese Überlegung fällt jedoch in die Zeit, als Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) seinen Rückzug aus der Politik angekündigt hat. Das war Mitte September. Die Agentur ist eng ans Ministerium angebunden.

Franke-Wöller unterstützt Friedrich Merz

"Ich möchte dem Landkreis in Berlin wieder eine Stimme geben und das Mandat für die CDU zurückholen", sagt Franke-Wöller. Auch wenn sie die politische Berliner Situation inzwischen gut kennt, ist ihr das Engagement in der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge noch wichtiger. "Das wäre natürlich ein Traum, wenn ich nicht mehr so oft pendeln müsste", sagt die Freitalerin. Die Wöllers haben einen minderjährigen Sohn.

Was den Bundesvorsitz angeht, stehe sie natürlich hinter dem Beschluss des Kreisverbands, Bewerber Friedrich Merz zu unterstützen. Inhaltlich wünsche sie sich einen Vorsitzenden "mit Gefühl für den Osten, der auch die Themen in Sachsen versteht".

Frauke Petry löste bei der jüngsten Wahl den Papstdorfer Klaus Brähmig nach Jahrzehnten im Bundestag ab. Sie bekam 37,4 Prozent der Stimmen, der CDU-Kandidat 28,8 Prozent. Für die Wahl 2021 hat die AfD bereits den suspendierten Polizisten Steffen Janich aus Dohma nominiert.

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