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Hilfe für Künstler ohne Publikum

Das Kunstministerium lobte Corona-Wettbewerb aus. Vier Gewinner aus dem Landkreis erhalten zusammen 66.000 Euro und sorgen für besondere Erlebnisse.

Ercole Nisini spielt in einer Halle in Pirna. Er hat für sein Konzept, um in dieser Art zu musizieren, einen Preis erhalten.
Ercole Nisini spielt in einer Halle in Pirna. Er hat für sein Konzept, um in dieser Art zu musizieren, einen Preis erhalten. © Daniel Schäfer

Ercole Nisini holt seine Barock-Posaune raus und lässt den Klang des Instrumentes durch den Saal wehen. Die Akustik ist eine Besondere, hier im Erdgeschoss eines Gebäudes der früheren Grauen Kasernen an der Rottwerndorfer Straße in Pirna. "Der Hall in diesen Räumen passt wunderbar zu alten Instrumenten", sagt der Musiker. 

Die Corona-Einschränkungen sind für Künstler wie ihn immer noch eine einschneidende Erfahrung. Dennoch will Nisini zusammen mit dem Ensemble Instrumenta Musica vier Konzerte in dieser experimentellen Umgebung eines leeren Gebäudes geben. Im kommenden Jahr sollen sie in jeder der vier Jahreszeiten mit einem entsprechenden Programm stattfinden - ob Publikum dabei sein darf oder nicht!

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Performance mit Licht und Leinen

Um das finanzieren zu können, beteiligte sich das Ensemble am Wettbewerb "Denkzeit Event" des Sächsischen Kulturministeriums und war erfolgreich. Mit dem Preisgeld von 5.000 Euro lässt sich einiges anfangen. "Einnahmen über Eintritt lassen sich derzeit ja kaum erzielen", sagt der gebürtige Italiener, der in Pirna eine neue Heimat gefunden hat. 

Das Ensemble spielt historische Musik auf Kopien Jahrhunderte alter Instrumente, interpretiert sie aber gern modern. Die zwölf Musiker kennen sich von der Musikhochschule Trossingen (Baden-Württemberg), leben in Deutschland und der Schweiz verstreut und kommen zu den Konzerten zusammen.

Damit es in Pirna trotz Corona-Maßnahmen viele Zuschauer gibt, wollen die Künstler einen Livestream einrichten, der das Event aus dem Kasernen-Gebäude übers Internet in die Wohnzimmer der Menschen bringt. Dann soll es nicht nur etwas zu hören, sondern auch zu sehen geben.

"Es wird dazu eine Performance aus Licht und Leinenstoff kreiert", erklärt Nisini. Das liegt nahe, denn das Gebäude hat die Mode-Designerin Natalia Grott-Mess gekauft und hat dort auch ein Atelier samt Showroom für ihre Leinen-Mode für Frauen eingerichtet. Über "Kreatives Sachsen" - eine eigene Organisation der Kreativwirtschaft - sind Musiker und Vermieter zusammengekommen. Es soll nicht das einzige Event sein, dass so in Pirna zustande kommt.

Konzepte in Zeiten der Krise

"Mit dem Wettbewerb soll die Branche unterstützt und gezeigt werden, dass trotz Abstand und Hygieneregeln mit guten Ideen ein buntes Veranstaltungsprogramm möglich ist", erklärt Ministerin Barbara Klepsch (CDU). 192 Bewerbungen hat es gegeben. 157 davon erhielten ein Preisgeld zwischen 1.000 und 50.000 Euro. Vier Preise gingen an Initiativen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. 

"Sie machen das Potenzial und den Willen der Branche - trotz Corona die Bühnen dieses Landes zu bespielen - mehr als deutlich sichtbar erklärte Klepsch. Die Preisgelder sollen den Gewinnern ermöglichen, neue Ansätze und Sicherheitskonzepte in Zeiten der Krise zu erproben und umzusetzen.

Veranstalter müssen sich derzeit Hygiene-Konzepte von den Gesundheitsämtern genehmigen lassen. Die erlaubten Zuschauerzahlen sind im Vergleich zu Zeiten vor Corona stark reduziert.

Die meisten eingereichten Wettbewerbs-Beiträge waren Musik- und Konzertveranstaltungen sowie Festivals. Aber auch Märkte, Themenführungen oder kirchliche Veranstaltungen waren darunter. Rund neun Prozent waren dem Bereich Darstellende Kunst/Theater zuzuordnen, rund vier Prozent umfassten Ausstellungskonzepte, teilte das Ministerium mit. Drei Prozent kamen aus dem Bereich Messen und Kongresse, nur zwei Prozent stellten Konzepte für Sportveranstaltungen dar.

Bühne für darbende Musiker

Zu den hiesigen Gewinnern im Wettbewerb "Denkzeit Event" gehört auch Peter Lippert. Er veranstaltet Straßenkonzerte in Pirna und hat damit schon viel Freude bereitet. Dazu möchte er jetzt auch befreundete Künstler einladen und seine Technik zur Verfügung stellen. Dabei wollen alle Musiker das Publikum nicht nur kurzweilig unterhalten, sondern sie haben auch eine Botschaft.

Mit ihrer Musik wollen sie das friedliche Gesicht der Region zeigen. "Jetzt sind Zusammenhalt, Verantwortungsbewusstsein, Toleranz und Verständnis sehr wichtig. Darauf machen wir aufmerksam, auch mit Worten zwischen den Liedern", sagt Lippert.

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Er selbst ist bereits Rentner. Mit seiner Initiative will er auch Künstlern eine Bühne geben, die von der Musik leben wollen und es derzeit kaum können. Die 1.000 Euro Preisgeld sind dafür nur ein kleiner Anfang. Auf den Wettbewerb hätten ihn Bekannte aufmerksam gemacht. Der etwas überraschende Erfolg hat ihn jedoch gefreut.

Peter Lippert bringt Musik in den öffentlichen Raum in Pirna und hat eine Botschaft. Hier hören ihm die Menschen auf einem Spielplatz auf dem Sonnenstein zu.
Peter Lippert bringt Musik in den öffentlichen Raum in Pirna und hat eine Botschaft. Hier hören ihm die Menschen auf einem Spielplatz auf dem Sonnenstein zu. © Marko Förster

Die Preisträger aus dem Landkreis

Oskarshausen Freital für das Event Lichterhausen - Das funkelnde Winterhighlight, geplant ab 7. November bis 31. Januar, Preisgeld: 30.000 Euro;

Tourismusverband Erzgebirge für das Event Bimmelbahn & Lichterglanz - der befahrbare Weihnachtsmarkt entlang der Weißeritztalbahn am letzten November-Wochenende;  30.000 Euro;

Instrumenta Musica GbR für die Konzertreihe TEXTUREN: Musik - Kunst - Leinen. Vier Konzerte und Kunst-Installationen in der ehemaligen Grauen Kaserne in Pirna im kommenden Jahr; Preisgeld 5.000 Euro;

Selbstständiger Musiker Peter Lippert für Straßenkonzerte in Pirna, laufen ab sofort;  Preisgeld 1.000 Euro;

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