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"Ich werbe für einen gemeinsamen IPO"

Pirnas neu gewählter Beigeordneter Markus Dreßler über den Abschied aus Glashütte, Wechsel-Ambitionen, neue Aufgaben und einen möglichen Umzug.

Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler: Er wechselt im Sommer auf den Posten des Beigeordneten im Pirnaer Rathaus.
Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler: Er wechselt im Sommer auf den Posten des Beigeordneten im Pirnaer Rathaus. © Daniel Förster

Herr Dreßler, der Pirnaer Stadtrat hat Sie zum neuen Beigeordneten gewählt. Sind Sie jetzt erleichtert?

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Ich glaube, die Erleichterung hat man mir an dem Abend angemerkt. Über das deutliche Votum und das mir damit entgegengebrachte Vertrauen des Stadtrats habe ich mich sehr gefreut.

Sie bekamen gleich im ersten Wahlgang mit 18 Stimmen eine deutliche Mehrheit. Hatten Sie mit einem so eindeutigen Votum gerechnet?

Ich war zu Beginn der Stadtratssitzung vorsichtig optimistisch, dass es nach den vielen, guten Gesprächen im Vorfeld zu einer Mehrheit reichen kann. Mit einem so deutlichen Ergebnis habe ich aber wirklich nicht gerechnet.

Sie sind seit 17 Jahren Bürgermeister, zunächst in Reinhardtsgrimma, seit 2008 in Glashütte. Was hat Sie bewogen, dieses Amt nun aufzugeben?

Ich war absolut gern Bürgermeister von Glashütte – und bin es noch. Dennoch stellt sich nach so langer Zeit natürlich die Frage, ob es nicht Zeit für neue Herausforderungen und frischen Wind ist. Entscheidend für meine Bewerbung war aber vor allem die Aussicht auf eine verantwortliche Tätigkeit in einer so wunderbaren Stadt wie Pirna. Solche Gelegenheiten ergeben sich nicht allzu oft für einen Kommunalpolitiker.

Bei Ihrer Wiederwahl 2016 in Glashütte hatten Sie einen hauchdünnen Vorsprung von 80 Stimmen. Hat bei Ihrer Bewerbung in Pirna auch der Umstand eine Rolle gespielt, dass Sie befürchteten, 2023 in Glashütte nicht noch einmal gewählt zu werden?

Den Wahlabend 2016 habe ich natürlich nicht vergessen. Ich habe mich den Aufgaben in Glashütte dennoch weiter mit ganzer Kraft gestellt und wir konnten den erfolgreichen Weg, trotz manchem Gegenwind, fortsetzen. Für 2023 wäre ich durchaus optimistisch gewesen. Aber ich wollte nie ein ganzes Arbeitsleben an ein und demselben Amt hängen. Glashütte und ich, wir wagen nun gemeinsam einen Neuanfang.

Sie sind jetzt 45 und haben gesagt, dass Sie in der Mitte Ihres Berufslebens eine neue Herausforderung suchten. Hat Sie das Amt als Bürgermeister in Glashütte nicht mehr herausgefordert?

Das Amt eines Bürgermeisters ist immer herausfordernd, gerade in einer Stadt wie Glashütte, die mit der Uhrenindustrie über eine besondere, eine internationale Bekanntheit verfügt. Aber Pirna ist für mich insgesamt eine neue, eine spannende Herausforderung, auf die ich mich freue.

Wie übel werden Ihnen die Glashütter den Weggang nehmen?

Bisher habe ich sehr viel Verständnis für meine Entscheidung erfahren, sowohl bei meinen Mitarbeitern, als auch bei den vielen Rückmeldungen und Gratulationen, die ich dieser Tage erhalten habe.

Der bisherige Amtsinhaber in Pirna, Eckhard Lang, hat die Stadtentwicklung über Jahre geprägt. Welche Akzente wollen Sie in Pirna setzen?

Ich habe kein Programm, sondern vor allem viele Erfahrungen. Als erstes möchte ich natürlich schnell die Mitarbeiter, die städtischen Gesellschaften, die Akteure kennenlernen. Nur mit einem eingespielten Team können die begonnen Projekte weiter so erfolgreich fortgesetzt werden. Und auf dem Weg werde ich natürlich auch eigene Ideen mit einbringen.

Die Finanzsituation in Pirna ist äußerst angespannt, der Stadtrat hat nahezu alle Möglichkeiten, die Einnahmen zu erhöhen, abgelehnt. Befürchten Sie, dass Sie nach ihrem Amtsantritt dann lediglich den Mangel verwalten?

Ein kommunaler Haushalt ist, nicht nur in Pirna, immer ein Spagat zwischen den Wünschen und dem Möglichen, und es gibt immer Zeiten, in denen es aufgrund von äußeren Umständen besonders knapp zugeht. Welche konkreten Auswirkungen die Beschlüsse des Stadtrats haben werden, kann ich noch nicht beurteilen. Einige schmerzhafte hat die Stadtkämmerin Birgit Erler ja bereits aufgezeigt.

Sie sehen trotz des fehlenden Geldes in Pirna noch genügend Gestaltungsspielraum in Pirna?

Sicher kann man die Ausgangssituation nicht wirklich als ideal bezeichnen. Aber ich hoffe, dass wir gemeinsam Lösungen finden, um wieder Gestaltungsspielräume zu bekommen. Meine Amtszeit beträgt sieben Jahre, und in dieser Zeit kann man dennoch so einiges gestalten.

Pirna braucht beispielsweise zusätzliche Plätze für Schul- und Kita-Kinder. Wie lässt sich diese Herausforderung meistern?

Pirna hat auch im Bereich Schule und Kita bereits viel erreicht. Bei den weiteren Investitionsbedarfen gilt es immer wieder Prioritäten zu setzen und im Zweifel zugunsten dringend notwendiger Maßnahmen in Schule und Kita andere, wünschenswerte Projekte zurückzustellen. Beachtlich ist, dass Pirna gerade auch im Schulbereich Verantwortung für das gesamt Umland übernimmt. In dem Sinne gilt es, für die Investitionen auch auf eine überörtliche Unterstützung in Form von Fördermitteln zu bauen.

In Pirna fehlen Gewerbeflächen, die Stadt setzt daher große Hoffnungen in den Industriepark Oberelbe. Doch das Gemeinschaftsprojekt mit Heidenau und Dohna wankt. Sollte Pirna den Technologiepark notfalls auch allein entwickeln?

Als „Umland-Bürgermeister“ habe ich die Idee des IPO immer als Impuls für die gesamte Region begrüßt. Ich hoffe sehr, dass Heidenau und Dohna dieses Zukunftsprojekt weiter mitgestalten und entwickeln. Ich werde da auf jeden Fall im Rahmen meiner Möglichkeiten für diesen gemeinsamen Weg werben.

Pirna will weiter wachsen und die Marke von 40.000 Einwohner knacken. Wie kann das aus Ihrer Sicht gelingen?

Hier braucht es attraktive, sich in die Stadt einfügende und die Stadt bereichernde Wohnungs- und Baulandangebote. Diese gilt es mit den Investoren zu entwickeln und zu ermöglichen. Und es braucht weiterhin eine gute Infrastruktur, gute Bildungs- und Betreuungsangebote, gute Jobs, ein tolerantes, optimistisches Klima, also Argumente für ein Leben in Pirna.

Die Pirnaer Gesellschaft ist nicht erst seit der Corona-Pandemie tief gespalten, viele fühlen sich von der Politik nicht ausreichend mitgenommen. Was können Sie beitragen, um die Menschen wieder zu einen?

Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke hat hier in den vergangenen Jahren sehr engagiert zugehört und mit vielen Akteuren den Dialog gesucht. Ich denke da an die gemeinsamen Veranstaltungen mit Staatsministerin Köpping im Online-Dialog und mit Ministerpräsident Kretschmer auf dem Marktplatz. Sehr gern will ich den Oberbürgermeister bei diesen Gesprächen unterstützen.

Welche großen Ziele wollen Sie in Pirna erreichen?

Wichtig ist mir nicht das eine große, symbolträchtige Ziel, sondern die Summe vieler Ziele. Es gilt Pirna als lebenswerte, leistungsfähige, bürgerfreundliche, lebendige, umweltbewusste, tolerante Stadt zu erhalten und weiterzuentwickeln. Alles das, was diesem Ziel dient und machbar ist, gilt es anzupacken und zu ermöglichen.

Sie wohnen derzeit mit ihrer Familie in Schlottwitz. Steht nach Ihrem Amtsantritt ein Umzug nach Pirna zur Debatte?

Grundsätzlich kann ich mir einen Umzug nach Pirna sehr, sehr gut vorstellen. Ein solcher Wohnortwechsel muss aber für die ganze Familie passen. In dem Sinne wird dieser Zeitpunkt vor allem von den Bedürfnissen meiner vier Kinder abhängen. Unabhängig davon werde ich mich aber sehr schnell als Pirnaer fühlen.

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