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Jugendarbeit an beste Bieter vergeben

Der Kreistag ordnet die Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis neu. Es wurde heiß diskutiert über Transparenz, Jobverlust und Gesinnung.

In Neustadt ist klar, wer ab nächstem Jahr die offene Jugendarbeit erledigt. Das ist kein Selbstläufer.
In Neustadt ist klar, wer ab nächstem Jahr die offene Jugendarbeit erledigt. Das ist kein Selbstläufer. © Daniel Schäfer

Das waren Monate des Bangens, die Sozialarbeiter im Landkreis nun hinter sich haben. Wer sorgt ab nächstem Jahr für das Grundangebot der offenen und mobilen Jugendarbeit im Landkreis? Formfehler bei einer entsprechenden Ausschreibung hätten Arbeitsplätze kosten können. Die Kreisräte haben nun in der Sitzung am Montagabend 16 der 19 ausgeschriebenen Lose an die besten Bieter vergeben. 

Ein solches Verfahren ist für Bauvorhaben üblich. Für Kinder- und Jugendarbeit war das neu. Das Landratsamt hatte formuliert, welche Leistungen in welchem Finanzrahmen erbracht werden sollen. Vereine und Verbände konnten ihre Angebote abgeben. Bei Bauvorhaben gewinnt in der Regel der Billigste - auch wenn Aufträge eigentlich an den wirtschaftlichsten Bieter gehen sollten, was nicht zwangsläufig gleich ist.

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Für die ausgeschriebenen Leistungen der Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit, Jugendsozialarbeit, des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes und der Familienbildung sollte das etwas anders laufen. Das Landratsamt hatte zuvor eine Bewertungsmatrix erarbeitet. Jedes Angebot erhielt Punkte dafür, wie es verschiedene Kriterien erfüllte.

Was verständlich klingt, provozierte aber Kritik. Kreisrat Tilo Kloß (Die Linke) sagte: "Wie das Ergebnis der vierköpfigen Bewertungskommission aus der Verwaltung zustande kam, ist völlig intransparent." Die Räte erhielten für den Beschluss lediglich den Namen des besten Bieters für die jeweilige Region und die von der "Jury" verteilte Punktzahl. "Das Zustandekommen nachzuvollziehen ist uns aufgrund des Verfahrens verwehrt", wetterte Kreisrat Ralf Wätzig (SPD). 

Vereine im Fokus der AfD

Linke und SPD dankten den Trägern der Jugendhilfe. Der Vergabe wollten sie aber nicht zustimmen, weil sie das Verfahren kritisierten. Es kam jedoch anders. Für mehr Dialog und Transparenz warb auch Rocco Geißdorf (Freie Wähler). An der Einzelabstimmung durfte er nicht teilnehmen, weil er als Beschäftigter bei einem Bieter befangen war.

Frank Schöning (CDU) erklärte, dass im Jugendhilfeausschuss in Klausuren ausführlich diskutiert wurde. Tilo Bretschneider (AfD) sagte: "Die Emotionalität, wie hier Besitzstände verteidigt werden, zeigt, wie richtig das Handeln der Verwaltung ist". Am Ende haben alle AfD-Räte trotzdem zehnmal gegen den Vorschlag der Verwaltung gestimmt. 

Die Fraktion der Alternative für Deutschland hatte nämlich alle Angebote der Vereine Regenbogen Familienzentrum Freital, Hanno Pirna, Pro Jugend und Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge abgelehnt. Fachlich wurde das nicht begründet. Lutz Richter (Linke) sah darin ein "strategisches Spiel" um Gesinnungen, bei dem man nicht mitmachen wollte und deshalb doch nicht - mit der AfD - gegen alle einzelnen Angebote gestimmt hat.

So ging die Vorlage der Verwaltung mehrheitlich durch. Damit haben die erfolgreichen Bieter Planungssicherheit. Bis 2024 werden ihnen die finanziellen Mittel vom Landkreis bereitgestellt. Neben der mobilen Jugendarbeit insbesondere im ländlichen Raum nehmen nun Ansprechpartner für Familien, Fachstellen für Kinder- und Jugendschutz, für Jugendverbandsarbeit sowie für Demokratieförderung ihre Arbeit auf.

Für die Regionen Freital-Potschappel, Freital-Zauckerode sowie Wilsdruff konnte keine Vergabe erfolgen. Für Wilsdruff gingen zwar Angebote ein. Für den besten Bieter hatte die Stadt jedoch den zugesagten Zuschuss wieder zurückgezogen. Nun muss vor einer Entscheidung der Kosten- und Finanzierungsplan überarbeitet werden. Für Freital wird eine gesonderte Lösung angestrebt.

Wer den jeweiligen Zuschlag erhielt:

1. Offene Kinder- und Jugendarbeit und Familienbildung in Freital-Deuben: Regenbogen Familienzentrum e. V. (Punktzahl des Angebots: 221);

2. Offene Kinder- und Jugendarbeit, Familienbildung/-entlastung in Tharandt/Dorfhain: Kuppelhalle Tharandt e. V. (215);

3. Familienbildung/-entlastung im Sozialraum 2 (u.a. Dippoldiswalde, Klingenberg): Deutscher Kinderschutzbund KV SOE e. V. (197);

4. Offene und mobile Kinderund Jugendarbeit im Sozialraum 2 (u.a. Dippoldiswalde, Klingenberg):  Pro Jugend e.V. (205);

5. Offene Kinder- und Jugendarbeit und Familienbildung in Heidenau: Bietergemeinschaft DRK KV Pirna e. V.  und AMS mbH (193);

6. Mobile Jugendarbeit im ländlichen Sozialraum 3 (u.a. Glashütte, Altenberg, Bad Gottleuba-Berggießhübel):  Pro Jugend e. V. (181);

7. Offene Kinder- und Jugendarbeit in Pirna-Altstadt und Pirna-Sonnenstein: HANNO e. V. (195);

8. Offene Kinder- und Jugendarbeit mit aufsuchender Arbeit und Familienbildung in Pirna-Copitz: HANNO e. V. (207);

9. Mobile Jugendarbeit im ländlichen Sozialraum 4 (u.a. Struppen, Königstein, Reinhardtsdorf-Schöna): Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e. V. (187);

10. Mobile Jugendarbeit im ländlichen Sozialraum 5 (u.a. Struppen, Königstein, Reinhardtsdorf-Schöna): Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e. V. (191);

11. Offene Kinder- und Jugendarbeit und Familienbildung in Neustadt in Sachsen: ASB OV Neustadt e. V. (192);

12. Offene Kinder- und Jugendarbeit in Sebnitz: DRK KV Sebnitz e. V. (223);

13. Kreisweites Präventionsangebot zum Kinder- und Jugendschutz: HANNO e. V. (195);

14. Kreisweite Jugendverbandsarbeit einschließlich Ehrenamtsarbeit: Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e. V. (179);

15. Kreisweite Jugendverbandsarbeit einschließlich Ehrenamtsarbeit im Bereich Sport: Sportjugend des KSB SOE e.V. (133);

16. Kreisweites Demokratieangebot: Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge e. V. (205);

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