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100 Tage Bürgermeister: "Geduld ist nicht unbedingt meine Stärke"

Thomas Peters gewann im April die Wahl in Bad Gottleuba-Berggießhübel. Was er seither geschafft hat, was sich verändert und wie es weitergeht.

Gehören jetzt zum Alltag von Bürgermeister Thomas Peters: öffentliche Auftritte wie hier in Hellendorf zum Olympia-Jubiläum.
Gehören jetzt zum Alltag von Bürgermeister Thomas Peters: öffentliche Auftritte wie hier in Hellendorf zum Olympia-Jubiläum. © Marko Förster

Die Wahl war spannend, der Wahlkampf hart und das Ergebnis überraschend in der ersten Runde: Im April wurde Thomas Peters (CDU) neuer Bürgermeister von Bad Gottleuba-Berggießhübel. Vier Wochen später schon trat er das Amt an. Kommt nun Ruhe in den Kurort? Was ist in den ersten 100 Tagen geworden und was sind die nächsten Vorhaben?

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Wenn Ihr Name fällt, fällt den meisten der rasenmähende Bürgermeister ein. Stört Sie das, Herr Peters?

Nein, ich bin nun mal praktisch veranlagt. Und ich habe darauf so viel positive Resonanz erhalten, warum sollte mich das stören. Wo ein Mangel ist, muss man es eben auch mal selbst machen. Und ich denke, man erinnert sich nicht nur daran.

Was ist für Sie das Wichtigste in diesen ersten 100 Tagen?

Dass ich mein Personal gestärkt habe, präsent bin, mich gut eingearbeitet habe, auch wenn ich noch nicht alle Abläufe perfekt intus habe, dass es mir Spaß macht, erster Diener der Stadt zu sein und dass ich persönlich nehme, was nicht klappt.

Gab es nach der Wahl bzw. dem Amtsantritt noch Kontakt zu den anderen Kandidaten Michael Ullmann von der AfD und Ihrer Vorgängerin Madlen Rätze?

Herr Ullmann hatte mir schnell gratuliert. Ansonsten ist da ein Vakuum.

Die erste Stadtratssitzung nach Ihrer Vereidigung machte klar, einfach wird es nicht. Nicht nur wegen der Rasenmäh-Geschichte. Gleichzeitig war eine streitbare, aber sachliche Stimmung spürbar. Ist das ein Wandel?

Das kann man so sagen. Der Wahlkampf ist vorbei. Wir alle wollen unseren Ort voranbringen, auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind. Ein Stadtrat hat jetzt gesagt, wir fangen nun von vorn an. Wir haben auch eine Stadträte-Whatsapp-Gruppe, in der wir uns kurz und unkompliziert erreichen und informieren.

Sie haben vielen Projekte wieder aufgenommen, angeschoben, von Hort über Kindergarten bis zum Dorfzentrum. Nährt das nicht ein bisschen viel Hoffnung? Was ist davon realistisch?

Es wurden schon in der Vergangenheit viele Dinge angearbeitet. Dazu hatte ich mich erst jetzt mit meinem Vor-Vor-Vorgänger Thomas Mutze unterhalten. Ich will einfach alle mit auf den Weg nehmen und sage auch, was nicht funktionieren wird. Die Kita Markersbach und der Hort in Berggießhübel hingegen müssen und werden auch kommen.

Was wird nicht so schnell realisiert?

Es ist kein Geheimnis, dass der neue Kindergarten Gottleuba jetzt erst einmal etwas hintenan steht. Der Neubau ist aktuell kein Schwerpunkt. Die Vorhaben in Markersbach und Berggießhübel sind auch deshalb wichtig, um Zeichen in den Ortsteilen zu setzen. Gerade in Markersbach ist schnelles Handeln geboten.

Die Vorhaben, Ideen, Pläne und Projekte sind das Eine. Das Entscheidende ist immer das Geld. Wo soll das herkommen?

Wir sind jetzt dabei, in Erfahrung zu bringen, welche Fördermöglichkeiten es noch gibt. Es wird noch neue Regelungen und Fördertöpfe geben. Ich habe deshalb in Kürze einen Termin beim sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung zum Thema Städtebauförderung und Stadtentwicklung. Ich werde kämpfen wie ein Löwe, auch wenn alles teurer wird. Wichtig ist, immer ein Projekt in der Schublade zu haben und perspektivisch die Einnahmen zu stärken.

Beim Stärken der Einnahmen gehen bei den Bürgern immer die Alarmglocken an, weil das in der Regel höhere Steuern, Gebühren etc. bedeutet...

Steuererhöhungen sind Wettbewerbsnachteile, die will ich für Bad Gottleuba-Berggießhübel nicht. Ich denke beim Geld zum Beispiel an die Einnahmen aus dem Windpark Börnersdorf. Wir brauchen das Geld, dafür stecke ich auch die Prügel ein.

Das ist relativ einfach verdientes Geld, aber so schnell fließt es nicht...

2023 sollte sich das erste Windrad drehen. Für alle acht geplanten Anlagen kann die Stadt am Ende jährlich mit rund 240.000 Euro rechnen. Auch die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes am Ladenberg soll Unternehmen eine Perspektive bieten und in einigen Jahren Geld in die Stadtkasse bringen.

Stichwort Schublade: In der liegt schon seit einigen Jahren das Projekt Rathaus im ehemaligen Haus des Gastes. Was wird damit?

Betriebswirtschaftlich und verwaltungstechnisch sind zwei Rathäuser so wie jetzt unzeitgemäß und nicht praktikabel. Wir suchen aktuell Chancen auf eine lohnende Förderung, da dieses Projekt aus eigener Kraft schwer realisierbar ist.

Wie viel sollen die Umgestaltung und der Umzug denn jetzt kosten?

Die Schätzungen belaufen sich auf etwa anderthalb Millionen Euro.

Und es wird offenbar nicht billiger. Was ist Plan B, wenn es mit der Förderung nicht klappt?

Das Thema ist präsent. Wenn es nicht klappt, werden wir einen anderen Weg finden.

Apropos Geld: Mit dem Zurückholen der Kämmerin, die im Dezember gekündigt hatte, ist Ihnen ja ein Coup gelungen. Was ist der nächste?

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Ich freue mich über die Rückkehr der Kämmerin und bin mit ihrer Arbeit sehr zufrieden. Im Meldeamt hat auch eine neue Kollegin begonnen, in der Bauverwaltung wird im Oktober ein Architekt beginnen und für den Bereich Hauptamt und Bürgerservice gibt es zeitnah Vorstellungsgespräche. Ich will alle Mitarbeiter mitnehmen, vom Hausmeister und der Schulsekretärin bis zu denen in der Verwaltung, damit wir gemeinsam den Ort voranbringen. Was natürlich nicht bedeutet, dass ich einen Kuschelkurs fahre. Aber beim Frühschwimmen im Freibad waren wir jetzt schon mal zu fünft aus der Verwaltung, Stichwort Teambuilding.

100 Tage sind schnell um, sieben Jahre können lang sein….

Große Vorhaben brauchen natürlich auch etwas Zeit. Aber ich will schnell Ergebnisse liefern und einige der strategischen Projekte umsetzen. Geduld ist nicht unbedingt meine Stärke.​

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