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Was die Wahl von Thomas Peters bedeutet

Bad Gottleuba-Berggießhübel hat schneller als gedacht einen neuen Bürgermeister. Wie die Wahl in Stadt und Kreis kommentiert wird.

Können nun wieder abgenommen werden: Die Wahlplakate der drei Kandidaten.
Können nun wieder abgenommen werden: Die Wahlplakate der drei Kandidaten. © Montage: SZ

Es ist passiert, was kaum einer für möglich hielt: Die Bürgermeisterwahl in Bad Gottleuba-Berggießhübel ist am ersten Wahltag entschieden worden. Thomas Peters (CDU) hat klar mit 55,9 Prozent gewonnen. Die härteste Konkurrentin Madlen Rätze kommt auf weniger als die Hälfte - 26,3 Prozent - und hat damit nicht nur verloren, sondern spielt in der Kommunalpolitik vorerst keine Rolle mehr. Sie muss nun, nachdem sie die Geschicke der Stadt seit September zunächst als ehrenamtliche Stellvertreterin, dann seit Dezember als Amtsverweserin geführt hatte, die Übergabe der Amtsgeschäfte vorbereiten. Die 17,8 Prozent von AfD-Kandidat Michael Ullmann blieben unter seinen Erwartungen und denen seiner Partei.

Die Hochburgen der Kandidaten

Peters hatte mit 63,3 Prozent seine Wahlhochburg - und das überrascht wenig - in seinem Heimatort Berggießhübel. Die wenigsten (49,3 Prozent) stimmten in Bad Gottleuba für ihn, jedoch mehr als für Madlen Rätze (33,9 Prozent). Für sie ist es gleichzeitig der beste Wert. Die wenigsten wählten sie in Berggießhübel (17,1 Prozent). Die meisten Ullmann-Wähler gab es in Langenhennersdorf-Bahra (24,2), von den Briefwählern bekam er nur 13,8 Prozent.

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Hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung war mit 63,05 Prozent relativ hoch, noch dazu in Corona-Zeiten. Im Vergleich: Bei der Wahl 2019 lag die Beteiligung bei 54,98 Prozent in der ersten Runde. Auch da standen sich drei Kandidaten gegenüber, schaffte aber keiner über die Hälfte der Stimme. In der damit notwendigen zweiten Runde, in der sich der dann Gewählte Christian Walter und Madlen Rätze gegenüber standen, schnellte die Beteiligung auf über 67 Prozent. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Walter wurde gewählt und trat im September 2020 zurück, Rätze führte die Geschäfte, trat aus der CDU aus und noch einmal an.

Für die CDU ist der Sieg von Peters in Zeiten des Corona-Gegenwindes wichtig. Wobei eine Bürgermeisterwahl immer noch anderen Gesetzen folgt als es bei Landes- und Bundeswahlen der Fall ist. Peters war dafür kritisiert worden, dass das CDU auf seinen Plakaten recht klein war. Er hatte das damit begründet, dass die Partei für ihn nicht im Vordergrund steht.

Die Wahl ist nun Vergangenheit. Der Wunsch vieler jetzt: Es möge Ruhe werden. In verschiedener Hinsicht. Der Wahlkampf ist natürlich erst einmal vorbei. Doch wie wird mit dem Wahlergebnis umgegangen und wie geht es weiter in der Stadt und im Stadtrat? In dem haben sich die Fraktionen, vor allem CDU und Liste Freier Bürger, in den vergangenen Wochen schärfer voneinander abgegrenzt.

Neue Präferenzen im Stadtrat

Die Liste Freier Bürger hat Madlen Rätze unterstützt und sich deshalb natürlich ein anderes Ergebnis gewünscht, sagt Fraktionschef Heiko Knick. Entsprechend kurz fällt seine Reaktion aus: "Wir gratulieren Herrn Peters und werden, wie bisher für die Bürgerinnen und Bürger im Stadtrat arbeiten. Wir freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit."

Die Bürgervereinigung Gottleuba hofft, dass nun bald Ruhe in Stadt und Stadtrat kommen, "so dass wir wieder gemeinsam nach vorne schauen und wirklich unabhängig, gleichberechtigt und wertfrei gute und korrekte Sacharbeit zum Wohle aller machen können", sagt Regina Kielmann. Peters müsse nun den "personellen Trümmerhaufen, der in den letzten Monaten entstanden ist, aufräumen", sagt Kielmann. Sie hofft außerdem, dass endlich das schon Ende 2019 beschlossene Bürger- und Ratsinformationssystem für alle Einwohner freigeschalten wird. Davon verspricht sie sich die nötige Offenheit und Transparenz. Die beiden BV-Leute (ehemals AfD) warben für Peters, nachdem Andre Webersen im Vorfeld nicht die notwendigen Stimmen für die Kandidatur zur Bürgermeisterwahl erreichte.

CDU-Kreischef spricht von Erdrutschsieg

Die CDU muss sich nun schon wieder einen neuen Fraktionschef suchen. Nachdem Rätze Amtsverweserin geworden war, hatte Peters diesen Posten übernommen. Außerdem muss für seinen Ratssitz noch jemand nachrücken. Es ist dann bereits die letzte Person, die die CDU noch auf ihrer Liste hat. Sobald noch jemand ausscheidet, hat die CDU dann einen Sitz weniger.

Markus Funken, der CDU-Stadtchef, hat am Wahltag einen "positiven Ruck" im Kurort gespürt. "Ich bin froh über den hervorragenden Wahlerfolg von Thomas Peters." Das, was er im Wahlkampf angesprochen hat, werde nun zum Prüfstein. "Seine Wähler werden hier zurecht Erwartungen an ihn stellen."

Kreis CDU-Vorsitzender Roland Wöller bezeichnet Peters Gewinn sogar als Erdrutschsieg. Das Ergebnis sei ein wichtiger Beitrag, um zu einer konstruktiven Politik zurückzukehren. Zudem sei es eine Chance für Bad Gottleuba-Berggießhübel und seine Bürger, eine gute Entwicklung zu ermöglichen.

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