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Weshalb Tagespflege bei Alten beliebt ist

Die Zahl der Plätze hat sich im Landkreis seit 2016 deutlich erhöht. Davon profitieren Senioren und deren Angehörige gleichermaßen.

Treffer! Marlit Müller hat auch im Alter noch Spaß beim Bällewerfen auf Blechdosen.
Treffer! Marlit Müller hat auch im Alter noch Spaß beim Bällewerfen auf Blechdosen. © Steffen Unger

Volltreffer! Marlit Müller juchzt. Fast ist es ihr peinlich, dass sie die Büchsen umgeworfen hat, die Susann Dittrich, Schwester bei der Diakonie Pirna, gerade erst zu einer kleinen Pyramide aufgebaut hatte. Die anderen Senioren in der Tagespflege an der Pirnaer Gartenstraße schauen gebannt zu. Das Spiel gehört an diesem Vormittag zur Beschäftigung der Senioren.

Unter ihnen ist auch Eva Schützold. Sie sitzt zusammen mit acht weiteren Senioren in einem Kreis im Garten und hört zu, was über den nahenden Herbst erzählt wird. Die 86-Jährige versteht zwar nicht mehr alles, weil die Ohren immer mehr ihren Dienst versagen. Trotzdem freut sie sich, in der Tagespflege unter Leuten zu sein.

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Ein Pflegeheim kam bisher nicht infrage, auch wenn Eva Schützold auf den Rollstuhl angewiesen ist und den Pflegegrad vier hat. Ihre Tochter kümmert sich in der gemeinsamen Wohnung um sie. Die Seniorin ist dankbar dafür. "Es ist aber auch eine Belastung für meine Tochter", sagt sie. Deshalb ist die Tagespflege doppelt gut. Eva Schützold kommt im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit anderen Menschen in Kontakt und ihre Tochter hat mal eine Auszeit von der Verantwortung.

Bedarf wächst ständig

Wie es in der Tagespflege abläuft und wie sich das finanziert, wüssten aber noch immer nicht alle Angehörigen, erklärt Katrin Stelzig, die Fachbereichsleiterin Altenpflege der Diakonie Pirna. Trotzdem wächst der Bedarf ständig. 2016 nahmen im Landkreis 354 Menschen die Tagespflege bei einem der vielen Anbieter in Anspruch. Drei Jahre später waren es schon 530, wie aus dem Sozialbericht des Landkreises hervorgeht, der jetzt veröffentlicht wurde.

Die Tagespflege an der Gartenstraße wurde 2017 eröffnet. Von Montag bis Freitag, zwischen 8 und 16 Uhr, werden dort Senioren betreut. Schnell waren alle 15 Plätze belegt. Weil viele aber nur ein, zwei oder drei Tage die Woche kommen, sind es insgesamt 45 Senioren, die regelmäßig in die Einrichtung gebracht werden - entweder von Angehörigen oder vom Fahrdienst.

"Am Anfang sind unsere Gäste erst mal ängstlich, aber das gibt sich ganz schnell", sagt Stelzig. Oft muss sie Angehörigen der Senioren auch erklären, dass die Pflegekasse Beträge für die Tagespflege zahlt und trotzdem das Pflegegeld für die pflegenden Angehörigen erhalten bleibt.

Finanzierung mit Eigenanteil

Neben weiteren Anbietern hat auch die DRK Freital Soziale Dienste GmbH ihr Angebot erweitert. Die Tagespflege im Palitzsch-Hof gibt es schon lange. Später kam die Einrichtung in Wilsdruff an der Rosenstraße hinzu. Inzwischen gibt es eine dritte Tagespflege in Freital. Die Plätze sind begehrt.

"Die Senioren wohnen weiter in ihrem bisherigen Umfeld", erklärt DRK-Geschäftsführerin Bärbel Bautz. Die Tagespflege helfe aber ganz wesentlich gegen Vereinsamung. Oft sind es jedoch die Angehörigen, die sich zuerst über die Angebote informieren. Viele stehen in dem Konflikt, ihre Eltern eigentlich nicht in ein Pflegeheim bringen zu wollen, sie sind aber selbst mit der Rund-um-Betreuung überfordert oder haben nicht die nötige Zeit dafür.

Zum Beitrag aus der Pflegekasse ist von den Gästen der Tagespflege noch ein Eigenanteil zu zahlen, etwa fürs Essen und andere Auslagen. Individuell kann dann ausgehandelt werden, wie viele Tage die Woche ein Platz benötigt wird, ob ein Fahrdienst erforderlich ist und Ähnliches.

Suche nach passendem Objekt

Hannelore Hackenberger ist erst ein paar Tage in der Tagespflege der Diakonie in Pirna. "Das ist hier viel besser, als alleine zu Hause zu sitzen", sagt die 81-Jährige. Sie wohnt zusammen mit ihrem Sohn in Pirna-Copitz. Weil sie schlecht sehen kann, traut sie sich nicht mehr so viel zu und kann nur sehr eingeschränkt lesen oder fernsehen. 

Jetzt geht sie mit der Gruppe spazieren, hilft beim Mittagessen und freut sich über das Pflegebad in der Tagespflege. Fachbereichsleiterin Stelzig sagt: "Viele trauen sich ja gar nicht mehr, alleine zu Hause in die Badewanne zu steigen oder auch mal allein einkaufen zu gehen." In der Tagespflege werden sie dabei begleitet. Etwa einmal im Monat wird sogar mal ein Ausflug angeboten. Dann geht es in die Parks von Pillnitz oder Großsedlitz - wenn das Wetter passt. 

© sächsische.de

Die Diakonie hat eine Warteliste für die Tagespflege. Gern würde man eine weitere Einrichtung in Pirna-Copitz eröffnen. Ein passendes Objekt zu finden, ist aber nicht leicht. Ein Aufzug wäre nötig und die Nähe zu Grünanlagen oder Geschäften wäre günstig. Für Hannelore Hackenberger ist der Platz in der Tagespflege nur kurzzeitig frei, dann braucht ihn ihre Vorgängerin wieder. "Es wäre schön, wenn es mehr Plätze geben würde, auch in Copitz", sagt Hackenberger.

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