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Provozieren Pirnaer eine Müllflut?

Aus Kostengründen ließ die Stadt über die Hälfte der öffentlichen Abfallbehälter abbauen. Nun kursieren in sozialen Netzwerken fragwürdige Aufrufe.

Überfüllter Mülleimer vor dem Pirnaer Rathaus: Absichtlich vollgestopft, um der Stadt eins auszuwischen?
Überfüllter Mülleimer vor dem Pirnaer Rathaus: Absichtlich vollgestopft, um der Stadt eins auszuwischen? © Daniel Förster

Die Aussagen sind wenig schmeichelhaft. Kommentatoren im sozialen Netzwerk Facebook empfehlen, den Müll, den man in der Stadt nicht mehr los wird, in Zukunft vor das Pirnaer Rathaus zu schütten. Andere plädieren dafür, den Abfall einfach mal im Briefkasten des Rathauses zu entsorgen.

Manche artikulieren sich auch wesentlich derber. So heißt es beispielsweise in einem Post: "Schmeißt den Müll der Stadtverwaltung vor die Türe, damit die Taugenichtse daran ersticken."

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Es geht rau zu im Ton, in teilweise fragwürdiger Wortwahl kritisieren vor allem Kommentatoren in der Facebook-Gruppe "Pirna soll leben" ein erst kürzlich entstandenes Problem.

Von 285 Mülleimern blieben nur 133

Weil im städtischen Haushalt mehrere Millionen fehlen und die Stadt daher weiter sparen muss, ließ das Rathaus Anfang Mai im Eiltempo mehr als die Hälfte der öffentlichen Abfallbehälter demontieren. Von den bislang 285 Mülleimern blieben lediglich 133 übrig - und die werden jetzt auch seltener entleert als früher.

Seitdem wächst der Unmut darüber, ob dieser aus Sicht vieler Pirnaer überhastete Einschnitt überhaupt hätte sein müssen.

Einige befürchten jetzt, dass die Stadt jetzt endgültig im Müll versinkt und ein äußerst mieses Erscheinungsbild abgibt - zumal nach Ansicht mehrerer Pirnaer auch die 285 Abfallbehälter schon nicht ausgereicht hätten, um allen entsorgten Unrat aufzunehmen.

Inzwischen äußern auch Stadträte ihren Unmut über den übereilten Mülleimer-Abbau, weil er die Folge eines von vielen Abgeordneten abgelehnten Planes sei.

Kritik am übereilten Abfallbehälter-Abbau

Laut des fraktionslosen Abgeordneten André Liebscher sei den Räten vor einiger Zeit seitens des Rathauses dargestellt worden, welche Einsparungen drohten, falls der Stadtrat den vorgeschlagenen Steuererhöhungen nicht zustimmt. Zu diesem Kahlschlag gehörte auch, die Zahl der Mülleimer zu reduzieren. Mit diesem Wissen habe laut Liebscher eine Stadtratsmehrheit höhere Steuern abgelehnt.

Gleichwohl sei die Ablehnung eine mit Ansage und der Stadt sehr wohl bewusst gewesen. Nach Aussage von Liebscher hätten die Abgeordneten im Vorfeld und damit bereits zu Beginn der Haushaltsverhandlungen vor nunmehr acht Monaten mehrheitlich signalisiert, dass sie höheren Steuern nicht zustimmen würden.

So fehlten nun wenig überraschend mehrere Millionen in der Stadtkasse, die durch die Steuererhöhungen eingespielt werden sollten. Weil die aber ausbleiben, müsse die Stadt handeln und weitere Einsparungen veranlassen.

"Es wäre allerdings besser gewesen, wenn die Stadt den Räten dazu ein Haushaltssicherungskonzept mit Einsparmöglichkeiten zur Diskussion und anschließenden Beschlüssen vorgelegt hätte, anstatt in einer medial begleiteten Aktion Mülleimer abzubauen", sagt Liebscher.

Müllablade-Aufrufe sind extrem befremdlich

Allerdings kritisiert der Abgeordnete nun die damit einhergehenden Umtriebe. Er empfinde es als unsolidarisch, bedauerlich und insbesondere in dieser für alle schwierigen Zeit als extrem befremdlich, dass Mülleimer von einigen Wenigen mit gesammeltem Müll gezielt überfrachtet werden - und Unrat absichtlich dort in die Umwelt entsorgt wird, wo vormals Abfallbehälter standen.

Aus Liebschers Sicht verfolgten derartige Aufrufe in den sozialen Netzwerke nur ein Ziel. Dabei gelte es vor allem, negative Emotionen und Bilder zu erzeugen, um die Stadt und deren Entscheidungsträger bei den Pirnaern selbst und den Gästen in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen.

"Dass derartiges Tun von einigen Pirnaern unterstützt und befeuert wird, ist mir unbegreiflich", sagt Liebscher. Hinzu kommt: Einige der Müllablade-Aufrufer stammen gar nicht aus Pirna.

Ehrenamtler zeigen, dass es auch anders geht

Umso mehr freut sich Liebscher, dass sich die übergroße Mehrheit der Pirnaer nicht von dieser unangebrachten Kampagne einiger Weniger beirren lasse, sondern sich in diesen schwierigen Zeiten für die Stadt engagiere und solidarisch zeige.

Denn in den sozialen Netzwerken gibt es auch andere Vorschläge. So empfehlen einige Kommentatoren, dass sich die Pirnaer jetzt verstärkt darum bemühen mögen, die Stadt angesichts fehlender Abfallbehälter nicht vollends im Müll ersticken zu lassen.

Das fand auch schon Widerhall: So initiierte beispielsweise die Facebook-Gruppe "PIRSteine" vor einigen Wochen eine Aktion, um den Spielplatz an den Elbwiesen auf der Altstädter Seite von Unrat zu befreien. Auch die Freien Wähler beseitigten Ende April Müll auf den Pirnaer Elbwiesen.

Erneute Debatte über höhere Steuern?

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Unklar bleibt allerdings weiterhin, wie Pirna die im Etat noch fehlenden Millionen endgültig einspielen will. Möglicherweise stehen die Steuererhöhungen im Rat noch einmal zur Debatte. Ob dann aber eine Mehrheit zustimmt, gilt derzeit als fraglich.

So werden aller Voraussicht nach die abgebauten Mülleimer nicht so rasch wieder aufgestellt, wie sie verschwanden.

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