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Raser innerhalb weniger Stunden verurteilt

Weil er seine Freundin vor dem Gefängnis bewahren wollte, lieferte sich ein Tscheche eine Verfolgungsjagd mit der Polizei.

© Symbolfoto: dpa

Von Friederike Hohmann

„Das war filmreif. So etwas hat man nicht alle Tage“, sagte der Polizeibeamte am Montagmittag. Er hatte sich am Morgen nach seiner Nachtschicht schlafengelegt. Und nun sollte er dem Gericht schon wenige Stunden später von der abenteuerlichen Verfolgungsfahrt am Sonntagabend in Heidenau und Pirna erzählen. In dieser kurzen Zeit hatte die Staatsanwältin eine Anklageschrift verfasst, der Richter den Zeugen aus dem Bett holen und eine Dolmetscherin rufen lassen.

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Im beschleunigten Verfahren hatte der 40-jährige Miroslav C. aus Usti nad Labem nun die Möglichkeit, dem Gericht zu erklären, warum er am Sonntag gegen 21 Uhr mit bis zu 140 km/h durch das Stadtgebiet gerast war und dabei etliche Verkehrsteilnehmer und die Polizeibeamten in Gefahr gebracht hatte.

Wie der Polizeibeamte berichtete, hatten er und seine Kollegin an der August-Bebel-Straße in Heidenau gestanden und den Verkehr beobachtet. Da ihnen ein vorbeifahrender VW-Polo auffällig erschien, entschlossen sie sich zu einer allgemeinen Verkehrskontrolle, folgten dem Auto und forderten den Fahrer zum Anhalten auf. Zunächst hätte es gewirkt, als wolle er auch wirklich anhalten. Aber plötzlich gab er Gas und raste in Richtung Pirna. Beim Passieren einer Kreuzung, die er bei Rot überfuhr, wäre es beinahe zum Zusammenstoß mit einem aus Richtung Dresden kommenden Auto gekommen. Blaulicht und Martinshorn hätten den Gefährdeten aber zum Glück veranlasst, rechtzeitig zu bremsen.

Polo landete in der Müglitz

Miroslav C. raste mit 100 bis 140 km/h weiter nach Pirna, fuhr in die Hugo-Küttner-Straße, kam dort nicht weiter und so ging es wieder zurück Richtung Heidenau. Dabei fuhr er über Bordsteinkanten, den Elberadweg entlang, hoppelte Böschungen hinunter und verlor dabei Fahrzeugteile. Da er teilweise auf der Straßenmitte fuhr, gefährdete er auch entgegenkommende Fahrzeuge. Inzwischen jagten vier weitere Funkstreifenwagen hinter dem Polo her und versuchten, ihm den Weg abzuschneiden. Die Fahrt endete für ihn schließlich an der Müglitz. Miroslav C. sprang aus dem herabrollenden Auto und versuchte zu flüchten, wurde aber kurze Zeit später gestellt. Der grüne Polo samt Freundin, die ihr Hündchen auf dem Schoß hielt, landete in der Müglitz.

Es tue ihm leid und er wollte niemanden in Gefahr bringen, zeigte sich Miroslav C. reuig und gab die ihm vorgeworfenen Straftaten zu. Er sei so gerast, weil er seine Freundin, die in Deutschland zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, die sie nicht bezahlt hat, vor dem Gefängnis bewahren wollte. Sie seien gerade auf dem Rückweg nach Usti gewesen, nachdem sie in Heidenau nach Sperrmüll auf den Fußwegen gesucht hätten.

Für Miroslav C. als EU-Bürger fallen neben den vier deutschen Vorstrafen auch die in seinem Heimatland registrierten Strafen ins Gewicht. Das sind insgesamt 24, die ihm allein 15 abgesessene Jahre in tschechischen Gefängnissen einbrachten. Zuletzt war er im April dieses Jahres entlassen worden.

Für Richter Andreas Beeskow ist die Verfolgungsjagd mit der Polizei als verbotenes Kraftfahrzeugrennen und als Gefährdung des Straßenverkehrs zu bestrafen. Auch dass C. ohne Führerschein unterwegs war, fließt in das Urteil ein. Miroslav C. muss demnächst zu seiner ersten Haftstrafe in Deutschland antreten.

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Die Polizei wollte einen grünen VW Polo kontrollieren, doch der Fahrer gab Gas. Die Flucht endete in einem Fluss.

Zunächst darf er aber den Hund der Freundin aus dem Tierheim abholen, denn diese sitzt schon die eigene Strafe ab. Außerdem muss er den zerbeulten Polo vom Hof der Polizei abholen und sich bis zum Vollzug seiner eigenen viermonatigen Haftstrafe wöchentlich beim Polizeirevier Pirna melden. Hält er sich nicht an diese Vorgabe, wird der Untersuchungshaftbefehl sofort vollzogen. (mit mf)

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