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Pirna: Rausgerissen aus der Klassengemeinschaft

Eine Schülerin der Gauß-Oberschule wurde in die Lerngruppe A eingeteilt. Aber es ist nicht die, in der auch ihre Freundinnen sind. Die Eltern laufen Sturm.

Eine Schülerin aus Pirna fühlt sich nicht wohl in ihrer derzeitigen Lerngruppe.
Eine Schülerin aus Pirna fühlt sich nicht wohl in ihrer derzeitigen Lerngruppe. ©  Symbolfoto: dpa

Susanne L. (Name von der Redaktion geändert) hat Bauchschmerzen, wenn sie zur Schule geht. Dabei hatte sie sich so sehr wieder auf den Unterricht, auf die Klasse und ihre Freundinnen gefreut. Sie besucht die achte Klasse in der Gauß-Oberschule in Pirna-Sonnenstein.

Präsenzunterricht ist wieder möglich. Aber mit Auflagen und im Wechselunterricht. Das heißt tageweise Unterricht in der Schule, tageweise Homeschooling. Susannes Klasse wurde folglich in zwei Lerngruppen aufgeteilt. Sie kam in die Gruppe A. Die aktuelle Aufteilung orientiert sich jedoch an der Gruppeneinteilung der Schüler im Fach Wirtschaft, Technik und Haushalt (WTH), die bereits in der 5. Klasse vorgenommen wurde. Und das ist die Kritik der Eltern.

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Angst vor der Schule

Seit der 5.Klasse habe sich allerhand getan, sagt die Mutter von Susanne. "Susanne hat viele Freundinnen innerhalb der Klasse und außerhalb der WTH-Einteilung gefunden. Leider sind die jetzt festgelegten Gruppen nicht identisch mit Freundschaften, die im Laufe der Jahre entstanden sind, und vor allem nicht mit Projektarbeitsgruppen, die sich auch außerhalb der WTH-Gruppen in der Klasse gebildet haben", erklärt Frau L. Nach vier Monaten Schulschließung sei aber besonders der gute Kontakt und die Verbundenheit zwischen den entstandenen Freundschaften wichtig, um Lernlücken, Lernaufgaben und Beziehungsdefizite aufzuarbeiten. Diese Kontakte fehlen Susanne in ihrer jetzigen Lerngruppe A.

Zwar habe es Gespräche mit der Schulleitung gegeben, damit Susanne in die andere Lerngruppe hätte wechseln können, doch dann sei alles wieder auf null gesetzt worden. "Unsere Tochter durfte nicht in die andere Gruppe wechseln. Sie hat jetzt schlechtere Lernbedingungen. Zurzeit hat sie Angst, in die Schule zu gehen. Sie ist die ganze Woche nicht schulfähig", sagt Frau L. und macht sich große Sorgen.

Eltern: Nicht nur unsere Tochter ist betroffen

In den vergangenen Tagen habe die Familie L. feststellen müssen, dass auch andere Schulkinder aktuell das Problem haben; sie wurden nicht zusammen mit ihren Freunden in eine Gruppe eingeteilt. Deshalb wandten sich die Eltern von Susanne jetzt an das sächsische Kultusministerium, mit der Bitte, Einfluss auf mögliche individuelle Gruppenbildung in den Schulen zunehmen. "Wir wissen alle nicht, wie lange die Schulen offen bleiben. Aber wir wissen alle sehr genau, wie wichtig andere lieb gewonnene Menschen in schweren Zeiten sind", betont Frau L. in diesem Zusammenhang.

Schulleitung schweigt

Das Kultusministerium fühlt sich jedoch in diesem Fall nicht zuständig. "Die Verantwortung, den Wechselunterricht zu gestalten, liegt bei der Schule. Sollte die Teilung der Klasse bei Eltern oder Schülern auf Unverständnis treffen, ist das Gespräch mit der Schule zu suchen. Im gemeinsamen Gespräch kann das Vorgehen erklärt werden und nach möglichen Lösungen gesucht werden", sagt Pressereferentin Dr. Susann Meerheim. Fakt sei aber auch, irgendwo muss die Klasse geteilt werden und nicht alle Belange oder Wünsche können dann Berücksichtigung finden, fügt sie hinzu.

Die Schulleitung der Oberschule Carl-Friedrich Gauß schweigt indes zu diesem Thema und verweist auf das Landesamt für Schule und Bildung LaSuB).

Amt wiegelt ab

So richtig gut sieht es für Susanne allerdings nicht aus, wie eine Nachfrage beim LaSuB ergibt. Gemäß Schulgesetz leitet und verwaltet die Schulleiterin die Schule und sorgt für einen geregelten und ordnungsgemäßen Schulablauf, erklärt Pressesprecher Clemens Arndt. Dies schließe unter anderem auch die Klassen- und Gruppenbildung ein. "Dabei entscheidet die Schulleiterin nach sachgerechter Abwägung und ist nicht verpflichtet, individuelle Wünsche zu berücksichtigen", so Arndt. Von daher sei die Entscheidung der Gauß-Oberschule nicht zu beanstanden.

Wird hier Schule gegen die Schüler gemacht? Diese Frage steht durchaus im Raum. Vielleicht findet sich ja doch noch ein Weg, damit Susanne wieder mit ihren Freundinnen in einer Gruppe lachen und lernen kann.

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