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Wer zu zeitig storniert, wird bestraft

Die große Reisezeit ist vorbei. Warnungen gibt es aber immer noch und das macht den Urlaub unsicher. Es sei denn...

Hier am Strand von Mallorca hätten vielleicht auch die Heidenauer gesessen. Wenn nicht Corona gekommen wäre.
Hier am Strand von Mallorca hätten vielleicht auch die Heidenauer gesessen. Wenn nicht Corona gekommen wäre. © dpa

September auf Mallorca: Das war im Januar ein realistischer Traum, den sich eine Heidenauer Familie erfüllen wollte. Dann kam Corona. Lange vor einer Reisewarnung trat die Familie von ihrer Reise zurück. Aus Vorsicht, aus Sorge, wegen der Ungewissheit. Dann flogen die Leute wieder nach Mallorca und die Familie bereute schon fast ihre Entscheidung. Inzwischen gibt es aber auch für der Deutschen liebste spanische Insel eine Reisewarnung und die Familie ist wieder froh. Fast. 

Gerichtsurteil macht Hoffnung

Denn noch immer ist da das rund 600 Euro große Loch, das die Reiseversicherung und die Stornogebühren in ihr Budget rissen. Wenn schon der Traum geplatzt ist, will der Familienvater wenigstens jede Möglichkeit nutzen, das Loch zu stopfen. Im Internet fand er eine Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt am Main, die ihn hoffen ließ. Dort war ein ähnlicher Fall verhandelt worden. Es ging um eine Anfang März stornierte Reise ins italienische Ischia, die im April stattfinden sollte. 

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Das Ergebnis: Ein Reiseveranstalter ist zur Rückzahlung des kompletten Reisepreises verpflichtet ist, wenn der Kunde die gebuchte Reise vor Reiseantritt storniert und zu dieser Zeit bereits eine "gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Corona-Virus im Reisegebiet" bestand. (Amtsgericht Frankfurt a. M., Urteil vom 11.08.2020, Aktenzeichen: 32 C 2136/20 (18).

Verbraucherzentrale relativiert

Für Mallorca und die Stornierung der September-Reise im Mai stehen die Chancen jedoch schlecht, sagt Michael Hummel, Referatsleiter Recht bei der Verbraucherzentrale. Bei Reisewarnungen kann kostenlos von Reisen zurückgetreten werden. Doch eben erst, wenn die Warnung ausgesprochen oder eben eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Gesundheitsgefährdung besteht. Vorauseilender Gehorsam wird nicht belohnt. "Das sieht für die Familie leider ungünstig aus", sagt Hummel. 

Prinzipiell gibt er der Heidenauer Familie und allen, die es ähnlich gemacht haben, zwar Recht - "richtig gehandelt" - aber: "zu zeitig." Die Konsequenz: Man bleibt auf den Stornogebühren sitzen. Das mit dem "zu zeitig" hat freilich zwei Seiten. Umso länger man wartet, um so höher werden die Kosten für eine Stornierung. Abgesehen von dem Stress, den viele vermeiden wollen. Bis fast zur letzten Minute zu warten und immer vor der Frage zu stehen, reisen oder nicht reisen bzw. findet die Reise statt oder nicht, ist nicht jedermanns Sache.

Drei aktuelle Probleme bei Reisen

Derzeit gibt es in Sachen Reisen aus Sicht des Verbraucherschutzes drei Probleme: Die Rückzahlungen, die Stornierungen und die Gutscheine. Die Rückzahlungen lassen auf sich warten, sagt Hummel. Stornierungen sind zum Beispiel dann kompliziert, wenn für eine Rundreise oder eine Reise mit mehreren Stationen nur für einige eine Reisewarnung besteht. Stichwort Gutschein: Der Kunde kann ihn nehmen, muss aber nicht, sagen die Verbraucherschützer. Grundsätzlich sind Gutscheine inzwischen abgesichert. Jedoch steckt auch hier der Teufel im Detail, das in diesem Zusammenhang Begrenzung heißt. Gutscheine sind also, wie sonst auch üblich, zeitlich begrenzt. Grundlage dafür ist die allgemeine Verjährungsfrist von drei Jahren aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Da lohnt es sich, das Kleingedruckte zu lesen, sagt Rechtsfachmann Hummel. "Oder zu verhandeln."

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