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Neustädter fordert Masken auf Rezept

Die Bundeskanzlerin trägt sie, Ärzte empfehlen sie. Doch kann sich jeder hoch wirksame FFP-Masken leisten? Ein Rentner will aufklären.

Bernd Miller zeigt, was wirksam gegen eine Corona-Infektion schützt: eine FFP2-Maske.
Bernd Miller zeigt, was wirksam gegen eine Corona-Infektion schützt: eine FFP2-Maske. © Steffen Unger

Seit Wochen fragt sich Bernd Miller aus Neustadt, warum nicht viel mehr FFP-Masken verteilt werden. "Bei Risikogruppen oder präventiv gegen einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ist es besonders wichtig, diese Übertragungskette zu unterbrechen", erklärt er. Hilfe suchend wandte er sich nun auch an Sächsische.de.

FFP-Masken können infektiöse Partikel aus der Atemluft herausfiltern. Das ist der große Unterschied zu den durchlässigeren Alltagsmasken, die nur einen gewissen Fremdschutz gewähren. Außerdem entfalten sie nur ihre Wirkung, wenn möglichst alle diesen Mund-Nase-Schutz tragen. FFP2- oder FFP3-Masken dagegen ermöglichen auch einen Selbstschutz des Trägers.

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Experten bewerten die Wirksamkeit mit 94 Prozent. Der 76-jährige Neustädter vermisst aber die Aufklärung darüber. Zudem sei die richtige Anwendung der Masken vielen nicht bekannt. Nun scheint Miller mit seinem Anliegen endlich Erfolg zu haben.

Was bewirken FFP-Masken?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte Anfang des Monats angekündigt, 290 Millionen Masken aus Bundesbeständen an Pflegeheime und ambulante Pflegedienste zu geben. Ein Drittel davon sollen FFP-Masken sein. Diese bewirken, dass über einen Filter größere Partikel wie die Tröpfchen und Aerosole, die die Viren enthalten, aus der Atemluft entfernt werden. Wie viele Einrichtungen diese Masken tatsächlich angefordert haben, ist aber unklar.

Für Bernd Miller kann das nur ein erster Schritt sein. Genauso wichtig sei es, auch den Risikogruppen, die in häuslicher Umgebung leben, solche Masken zukommen zu lassen. "FFP2-Masken sollten zur selbstbestimmten, zeitweiligen Nutzung von Ärzten, Krankenkassen oder weiteren Institutionen auf Rezept zur Verfügung gestellt werden", erklärt der Rentner. Damit können sich die Trägerinnen und Träger an Orten einer erhöhten Infektionsgefahr schützen, etwa beim Einkauf oder während der Tagespflege.

Wer unterstützt die Masken-Verteilung?

Statt über die Produktion und Verteilung dieser wirksamen Masken wird stattdessen fast ausschließlich über den Lockdown diskutiert, weil Gesundheitsämter nicht mehr nachkommen, mit der Kontaktverfolgung mögliche Infektionsketten zu unterbrechen. Dabei haben Experten schon lange auf die Bedeutung der FFP-Masken hingewiesen.

Das war unter anderem in einem Positionspapier zur Covid-19-Pandemie vom 4. November zu lesen. An dem waren unter anderem die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die renommierten Virologen Hendrik Streeck (Direktor des Instituts für Virologie der Universität Bonn) und Professor Jonas Schmidt-Chanasit (Leiter der Abteilung Arbovirologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg) beteiligt.

Darin heißt es zum Beispiel, dass es eine "Fokussierung der Ressourcen auf den spezifischen Schutz der Bevölkerungsgruppen, die ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben", geben müsse. Dazu zählen auch FFP-Masken. In dem Zusammenhang wiesen die Autoren aber auch darauf hin, dass es nicht reicht, wenn sich nur wenige an die Empfehlungen halten. So heißt es: "Dabei sind wir auf die Bereitschaft der Bevölkerung zur Mitarbeit angewiesen. Ohne ihre Kooperation laufen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung ins Leere." Streeck forderte ebenfalls die Verteilung von FFP2-Masken an Risikogruppen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt schon seit Längerem auf den Schutz mittels FFP-Maske.
Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt schon seit Längerem auf den Schutz mittels FFP-Maske. © Neustädter fordert Masken auf Rezept

Wo werden schon Maßnahmen umgesetzt?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) setzt schon länger auf den eigenen Infektionsschutz mit einer FFP2-Maske. Als erstes Bundesland hat nun Bremen eine Entscheidung getroffen. Seit Freitag werden in Apotheken kostenlos FFP2-Masken an Einheimische ausgegeben, die 65 Jahre und älter sind. Auftraggeber ist der Bremer Senat. Kooperationspartner ist die Apothekerkammer. Die Altersgruppe erhält zehn Masken als Monatsbedarf.

Das ist nicht unumstritten. Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen mahnte beispielsweise Medienberichten zufolge an, dass diese massenweise Abgabe nicht dazu führen darf, dass Reserven für Kliniken und Praxen reduziert werden. Zudem müsse verhindert werden, dass es zu einem Ansturm bei Apotheken oder Arztpraxen kommt. Die Stadt Tübingen will deshalb einmalig allen Einwohnerinnen und Einwohnern über 65 Jahre eine FFP2-Maske per Post zuschicken.

Auch die Bundesregierung von CDU und SPD befasst sich mit dem Thema. Nach SZ-Informationen ist geplant, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Rechtsverordnung erlässt, dass ab Anfang Dezember für besonders gefährdete Gruppen eine kostenlose Abgabe von 15 FFP2-Masken ermöglicht wird. Das soll rechnerisch eine Maske pro Winterwoche sein. Vorgesehen ist ein Anspruch für Versicherte, wenn sie zu einer Gruppe „mit einem signifikant erhöhten Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion“ gehören. Das könnte schon am Mittwochabend bei der Konferenz der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten beschlossen werden.

Wer soll das bezahlen?

Die Verteilung ist nur ein Problem, das gelöst werden muss. Es muss auch jemand bezahlen. Im Handel sind FFP2-Masken für drei Euro das Stück erhältlich. Bei Großaufträgen sollte es wesentlich günstiger werden. Allerdings gilt fast die Hälfte der Bevölkerung als Risikogruppe, darunter Menschen über 65 Jahre, Asthmatiker, Schwerbehinderte und Herzkranke. Bundesweit sind das fast 40 Millionen Menschen.

Drei Euro für eine FFP-Maske kann sich jeder für seine Gesundheit leisten. Allerdings können die Filtermasken nicht gereinigt werden. Bernd Miller hat die Erfahrung gemacht, dass er etwa acht bis zehn Stück pro Monat verbraucht, wenn er sie nur kurzzeitig einsetzt, wenn sie tatsächlich nötig sind.

Sollte auch nur die Hälfte der Risikogruppen in Deutschland Masken auf Rezept in Anspruch nehmen, wären das 400 bis 600 Millionen Euro monatlich. Miller hält dagegen, dass der Lockdown ja rund zehn Milliarden Euro kostet. Der wäre aber nicht nötig, wenn die Infektionsketten anders als durch Kontaktvermeidung unterbrochen werden könnten. Außerdem gehe man ja davon aus, dass es sich auch nur um eine befristete Zeit bis zur Einführung eines Impfstoffs handelt.

Ein erhöhter Schutz der Risikogruppen würde auch die Krankenkassen entlasten. Gibt es weniger schwere Verläufe der Krankheit, hätten beispielsweise Krankenhäuser weniger Ausgaben. "Es ist beschämend, dass von offizieller Seite unseres Gesundheitssystems der erhöhte Schutz der Risikogruppen nicht schon längst umgesetzt wurde, zumal es zurzeit keinen Versorgungsengpass bei FFP2-Masken gibt", erklärt Miller.

Wie FFP-Masken richtig angewendet werden

Vor dem ersten Benutzen der Maske Hände waschen, Innenseite nicht berühren. Nasenclip so ausformen und anpassen, dass keine Nebenluft angesogen wird. Vollbart ist dafür ungünstig.

Die Masken sind für normales Atmen gedacht. Bei schweren körperlichen Tätigkeiten kann die Atmung von der Maske behindert werden.

Die FFP2-Maske sollte so kurzzeitig wie möglich getragen werden. Eine von Atemluft durchfeuchtete Maske verliert ihre Wirkung.

Beim Abnehmen der Maske sollte möglichst nur an den Bändern angefasst werden. Vor einer Wiederverwendung die Maske an einem trockenen Ort aufhängen.

Masken mit einem Ausatmungsventil gewähren keinen Fremdschutz.

Möglichst nur ce-zertifizierte Masken verwenden.

Bei Maskenpflicht im öffentlichen Raum genügt auch eine Alltags- oder OP-Maske, wenn ein Abstand von 1,50 Meter eingehalten werden kann.

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