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Rettung für den Badesee in Birkwitz

Künftig werden die Kieswerke kein Spülwasser mehr aus dem See entnehmen. Dafür hatte das Dorf jahrelang gekämpft.

Der Wasserstand des Badesees in Birkwitz ist gesunken. Das erkennt man auch an den Steinen, die jetzt sichtbar geworden sind.
Der Wasserstand des Badesees in Birkwitz ist gesunken. Das erkennt man auch an den Steinen, die jetzt sichtbar geworden sind. © Archivfoto: Daniel Schäfer

Engagement lohnt sich. Diese Erfahrung machte jetzt das Doppeldorf Birkwitz- Pratzschwitz. Künftig werden die Kieswerke Borsberg GmbH kein Spülwasser mehr aus dem beliebten Badesee in Birkwitz entnehmen, sondern aus der Kiesgrube Copitz. Dafür hatten die Anwohner jahrelang gekämpft. "Als wir diese Nachricht von den Kieswerken Borsberg erhielten, waren Jubel und Erleichterung groß. Schließlich drohte der Badesee zu verlanden", sagt Ortsvorsteher Dieter Fuchs (Freie Wähler - Wir für Pirna). Notwendig für eine Wasserentnahme aus der Grube Copitz war das Plazet des Sächsischen Oberbergamtes. Die Kieswerke Borsberg GmbH & Co. KG hätten unterdessen bereits Planungen in Auftrag gegeben, sodass das Spülwasser für den abgebauten Kies voraussichtlich ab Mitte des Jahres aus der Kiesgrube Copitz entnommen wird. Fuchs will sich im März erneut mit dem Geschäftsführer der Kieswerke treffen, um dann über den aktuellen Stand zu sprechen.

Wasserstand des Badesees ist dramatisch gesunken

Das Problem des Badesees in Birkwitz ist der stark gesunkene Wasserstand. "Seit 2018 ist der Pegel um mindestens 1,80 Meter gefallen", erklärt Fuchs . Dafür gebe es zwei Gründe. "Es ist die Folge der relativ dürren vorangegangenen Sommer", meint Fuchs. Aber nicht nur. Denn kritisch sei umso mehr die Wasserentnahme aus dem See durch die Kieswerke Borsberg. Nach seinen Recherchen entnehme das Unternehmen werktags täglich rund 3.600 Kubikmeter Wasser, um den Kies zu spülen, der aus den umliegenden Tagebaufeldern gewonnen wird. Eine Rückführung fände nicht statt, so Fuchs. "Die Wiederauffüllung sollte eigentlich durch rückfließendes Grundwasser erfolgen", erklärt Fuchs. Und genau hier läge das Problem. Denn bis Sommer 2017 haben die Kieswerke Kies aus dem See gefördert und das dafür benötigte Wasser wieder eingespült. "Allerdings ungefiltert über ein Rohr", sagt Ortschaftsrat Hans Prugger, der sich mit der Problematik ebenfalls intensiv beschäftigt hat. Somit seien auch Sedimente in den See zurückgeführt worden. "Diese haben sich wie eine Schicht, eine Art Folie, an den Seerändern und auf dem Seegrund abgelagert und die Fläche verdichtet, sodass das Grundwasser nicht mehr nachströmen kann", erläutert Prugger. Die Folge läge auf der Hand. "Der See droht zu verlanden, weil hier nur Wasser entnommen wird, und es keine Kompensation durch das Grundwasser gibt", fassen Dieter Fuchs und Hans Prugger zusammen.

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Lösung ist die Entnahme aus der Kiesgrube Copitz

Die Birkwitzer und Pratzschwitzer forderten deshalb einen sofortigen Wasserentnahmestopp aus dem Kiessee Birkwitz. Ihr Vorschlag: Das Spülwasser für den Kies aus dem Abbaufeld in Copitz zu entnehmen. "Dort wurden bisher keine Sedimente eingespült, sodass das Grundwasser nachströmen kann. Dann ist die Brisanz nicht so groß", meint Prugger.

Doch diese Lösung lehnten die Kieswerke Borsberg GmbH lange Zeit ab. "Wir sind an dem gesunkenen Wasserpegel im See Birkwitz nicht schuld", erklärte der frühere Geschäftsführer Lutz Hammer bereits Anfang des vergangenen Jahres. Untersuchungen hätten erwiesen, dass das Grundwasser trotz der Wiedereinspülungen, die bis 2017 stattfanden, nachlaufen könne. "Auch in den anderen Kiesseen in der Umgebung müssen wir einen sinkenden Pegel feststellen. Es ist kein spezielles Problem in Birkwitz, sondern liegt generell an dem gesunkenen Pegel der Elbe", so Hammer.

Neue Trasse nach Söbrigen immer noch in Planung

Allerdings gab das Doppeldorf nicht auf und lud Mitte vergangenen Jahres zu dieser Thematik eine Expertenrunde ein, an der unter anderem auch Vertreter der Unteren Wasserbehörde sowie die Geschäftsführung der Kieswerke teilnahmen. "Der Geschäftsführer hatte zugesagt, dass er unserem Vorschlag, das Spülwasser aus dem Abbaufeld Copitz zu entnehmen, zustimmt, sofern die geplante Bandtrasse von Söbrigen zum Kieswerk nach Copitz gebaut wird", erklärt Dieter Fuchs.

Hintergrund: Die Kieswerke Borsberg GmbH planen, neue Kiesfelder im benachbarten Söbrigen zu erschließen und diesen Kies über eine Fördertrasse ins bereits bestehende Kieswerk nach Copitz zu transportieren, wo das Material verarbeitet werden soll. "Dann wäre nämlich die Entnahme des Spülwassers aus der Copitzer Anlage für das Unternehmen wirtschaftlicher", berichtet Fuchs. Hoffnung für diese Lösung habe damals auch die Untere Wasserbehörde gemacht. "Die Vertreterin deutete bereits an, ihr Amt würde die dafür benötigte wasserrechtliche Genehmigung erteilen", gibt der Ortschef wieder. Auch die Stadt Pirna war auf der Seite der Bi-Pratzscher. Lediglich das Sächsische Oberbergamt musste noch zustimmen, was jetzt geschah. Fazit: Kämpfen lohnt sich.

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