merken
PLUS Pirna

Pirna: Sperrmüll im Wald

Revierförster Michael Blaß und seine Kollegen vom Sachsenforst mussten erneut illegal entsorgten Unrat im Tännicht beseitigen. Das ist nicht das einzige Problem.

Bereits im vergangenen Jahr musste Revierförster Michael Blaß illegal entsorgten Sperrmüll aus dem Wald bei Graupa ziehen. Das ist in diesem Frühjahr leider nicht anders.
Bereits im vergangenen Jahr musste Revierförster Michael Blaß illegal entsorgten Sperrmüll aus dem Wald bei Graupa ziehen. Das ist in diesem Frühjahr leider nicht anders. © Archivfoto: Daniel Schäfer

Nicht nur an der Elbe liegt momentan viel Müll, wie Sächsische.de jüngst berichtete. Nach dem der Schnee weggetaut ist, entdecken auch die Forstleute immer wieder Unrat im Wald. Verständlich ist das Verhalten der Umweltsünder nicht, betont Revierförster Michael Blaß. Sein Revier erstreckt sich von Fischbach bis nach Birkwitz.

Herr Blaß, Sie haben erst vor Kurzem Ihr Gebiet nach Müll abgesucht. Sind Sie fündig geworden?

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Ja, leider. Meine Kollegen vom Sachsenforst und ich haben vergangene Woche den Tännicht bei Graupa, das Liebethaler Wäldchen bei Lohmen sowie die Strecke an der B 6 im Karswald bei Fischbach kontrolliert. Dabei entdeckten wir zahlreiche illegale Müllablagerungen, unter anderem eine große Matratze, Kinderspielteppiche, Hausmüll und Schrankteile.

Ist es in diesem Jahr besonders schlimm? Zahlreiche Städte und Kommunen klagen über vermehrten Verpackungsmüll, der aufgrund der vielen To-Go-Behältnisse wegen der Schließung der Lokale im Lockdown nicht korrekt entsorgt wird. Können Sie das bestätigen?

Nein, dass jetzt mehr Plastikmüll, To-Go-Becher und ähnliches im Wald herum liegt, kann ich nicht feststellen. Aber zum Thema Lockdown. Im vergangenen Jahr war es so, dass wir in dieser Zeit verstärkt Lumpen und Kleidersäcke an den Waldwegen gefunden haben. Ich denke, zu Corona-Zeiten haben viele die Muße, ihre Schränke zu kontrollieren und nicht mehr benötigte Kleidung auszusortieren. Wenn dann die Container voll sind, werden die Säcke entweder einfach daneben gestellt oder eben in den Wald gebracht. Beides ist nicht in Ordnung. In diesem Lockdown ist das Phänomen Alt-Kleider-Säcke glücklicherweise nicht so extrem. Jedenfalls bisher nicht.

Was passiert mit dem Müll, den Sie und Ihr Team jetzt eingesammelt haben?

Insgesamt sind über 150 Kilo zusammengekommen. Das war schon eine ordentliche Fuhre, die wir zu einem Entsorgungsbetrieb gebracht haben. Zunächst übernimmt der Sachsenforst die Kosten, der zum Teil durch Steuergelder finanziert wird. Letztlich zahlen somit alle für das Fehlverhalten einiger Weniger. Besteht Gefahr, dass giftige Stoffe in den Boden sickern, müssen wir sofort handeln und Ölkanister oder Batterien umgehend entsorgen. Auch organischer Abfall ist problematisch für den Wald. Pflanzen aus dem Hausgarten haben im Wald nichts zu suchen, da sie die Flora verfälschen. Tomaten- oder Kartoffelpflanzen, die sich nahe des Kompostmülls ausgesamt haben, locken Wildschweine und Waschbären an, die somit auch zu nah an die Ortslagen herankommen.

Graupas Ortsvorsteher, Gernot Heerde, weist immer wieder darauf hin, dass an der Kastanienallee in Graupa oftmals Müll einfach aus dem fahrenden Auto herausgeworfen wird. Auch Glasflaschen, wodurch sich die Brandgefahr erhöhe ...

Das möchte ich so nicht bestätigen. Es müssten schon mehrere unglückliche Umstände zusammen kommen, dass aus einer Glasscherbe ein Brand entsteht. Brennwinkel und so weiter. Viel größer ist die Gefahr, dass sich spielende Kinder oder auch Hunde an den Glasscherben verletzen. Aber das Thema Brand ist dennoch aktuell. Vor einigen Tagen habe ich eine frische Feuerstelle im Wald bei Graupa entdeckt. Das ist verboten und brandgefährlich, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ein Feuer kann bei trockenem Boden schnell übergreifen. Wir hatten bereits mehrere sehr warme Tage.

Zurück zum Thema Müll. Sich im Dunklen in den Wald zu schleichen, um seinen Unrat zu entsorgen, immer in der Angst, man wird erwischt, ist ja wahrlich kein Vergnügen. Wer macht so etwas dennoch?

(schmunzelt) Das müssen Sie denjenigen fragen, der seinen Müll illegal entsorgt. Mit normalem Menschenverstand ist solch ein Verhalten aus meiner Sicht jedenfalls nicht zu erklären. Ich sehe oftmals Sperrmüll, Grüner-Punkt-Müll, Bioabfall und Glas. Fast alles kann man kostenlos entsorgen. Und auch einfacher. Denn eine Karte auszufüllen , damit der Sperrmüll dann vor der hauseigenen Haustür abgeholt wird, geht schneller, als alles auf einem Hänger in den Wald zu transportieren.

Machen Sie Kontrollfahrten?

Ja, ich kontrolliere regelmäßig, auch wenn ich in dem Waldabschnitt keine aktuelle Aufgabe habe. Mittlerweile kenne ich die Plätze, an denen bevorzugt Müll illegal entsorgt wird. Wenn ich jemandem erwische, mache ich Fotos, notiere die Personalien und melde den Vorgang der Unteren Forstbehörde, die dann weiter entscheidet. Manchmal bekomme ich auch Hinweise von Bürgern, denen ich dann sofort nachgehe.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna