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Sächsische Schweiz: "Es fehlen Radwege"

Radwegewart Maik Schuster aus Dohma schwingt sich am Wochenende oft aufs Rad und kontrolliert die Zweirad-Routen. Besonders ein Übel ärgert ihn.

Radwegewart Maik Schuster aus Dohma betreut die Radwege im Altkreis Sächsische Schweiz.
Radwegewart Maik Schuster aus Dohma betreut die Radwege im Altkreis Sächsische Schweiz. © Norbert Millauer

Seit anderthalb Jahren fährt Maik Schuster als ehrenamtlicher Radwegewart die Strecken in der Sächsischen Schweiz ab. Nicht alles läuft rund. Zeit für eine Zwischenbilanz, über die er mit Sächsische. de spricht.

Herr Schuster, an welchen Stellen hakt es für Radfahrer in Ihrem Beritt?

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Ganz allgemein: Es fehlt an Radwegen im Altkreis. Besonders an den Regionalrouten, aber auch an überregionalen Strecken. Zum Beispiel führt der Radfernweg Sächsische Mittelgebirge I-6 durch Hellendorf bei Berggießhübel. Ein Teilstück befindet sich entlang der viel befahrenen S173, aber es gibt dort keinen separaten Radweg. Ein solcher fehlt ebenso größtenteils auf der Strecke von Pirna nach Börnersdorf, gekennzeichnet als II-32 und II-49 und im Radverkehrskonzept 2014 ausgewiesen. Problematisch ist ebenfalls die Strecke von Pirna in Richtung Bad Gottleuba über Rottwerndorf und Neundorf. Diese Strecken sind stark vom Mischverkehr geprägt. Also hier fahren auch zahlreiche Transporter und Lkws, was die Gefahr für die Radfahrer erhöht. Das sind nur einige Beispiele der Probleme, die im gesamten Betreuungsgebiet bestehen.

An welchen Stellen hat sich etwas für die Radfahrer getan?

Das ist ja das Leidliche. Aus meiner Sicht stagniert derzeit die Umsetzung des bereits beschlossenen Radwegekonzeptes. Das betrifft den gesamten Landkreis. Viel könnte verbessert werden, wenn die ehemaligen Bahntrassen zu Radwegen ausgebaut werden. Ich spreche jetzt von der früheren Gottleubabahn-Strecke und von der Kleinbahn-Strecke, die von Pirna durch das Seidewitztal in Richtung Dohma führte. Wenn diese Trassen gebaut werden, könnte man auch wieder die Kinder aus den Dörfern mit dem Rad in die Schule nach Pirna fahren lassen. Daran ist derzeit nicht zu denken. Aber ich sehe auch den touristischen Vorteil für die Region, wenn diese Strecken zu Radwegen ausgebaut werden. Die Stadt Pirna ist an dem Thema dran. Einen Durchbruch kann ich bisher leider nicht erkennen.

Wie oft sind Sie mit dem Rad unterwegs?

Mindestens jedes zweite Wochenende mache ich eine größere Tour; das sind immer so rund 60 bis 100 Kilometer. Meistens fahre ich alleine, manchmal kommt mein Sohn mit.

Worauf achten Sie bei Ihren Touren?

Streckenweise wird die Beschilderung der Regionalradrouten erneuert. Das kontrolliere ich, ebenso wie die Beschaffenheit der Radwege. Wenn es ein Problem gibt, dann wende ich mich an die zuständige Gemeinde, damit der Schaden behoben wird. Aber ich bin als Radwegewart nicht nur mit dem Rad draußen unterwegs. An Versammlungen zu Radwegekonzepten nehme ich ebenfalls als Berater teil und kann meine Erfahrungen mit einbringen.

Wie hat sich Ihre Leidenschaft fürs Radfahren entwickelt?

Schon als Kind bin ich gerne mit dem Drahtesel unterwegs gewesen. Mein erstes Fahrrad war ein Diamant-Rad, es rollte gut. Als Jugendlicher bin ich dann mehr Moped gefahren und durch meine neue Arbeit in Dresden, die ich 2017 aufgenommen habe, bin ich wieder umgestiegen und zum Fahrrad zurückgekehrt. Ich nehme immer den Elberadweg, denn eine Alternative dazu gibt es nicht. Auf den Straßen ist es für Radfahrer zu gefährlich. Besonders riskant ist die Strecke an der S 172 zwischen Heidenau und Pirna. Auch eine ordentliche Anbindung an den Elbradweg besteht bis heute nicht.

Ist das auch Ihre Motivation gewesen, sich für das Ehrenamt zu bewerben?

Das hat sich eher entwickelt. Zunächst bin ich 2018 als passives Mitglied dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) beigetreten. Dann fluchte ich immer öfter über kniffelige Stellen auf dem Elberadweg und anderen Radstrecken. Ich wollte es nicht beim Meckern belassen, sondern mich aktiv einsetzen. Als ich von ADFC erfuhr, dass für die Region Elbsandsteingebirge und Osterzgebirge ein Radwegewart gesucht wird, reizte mich dieser Job. Vor allem treibt mich der Umweltaspekt an. Natürlich ist Radfahren besser für das Klima als sich ins Auto zu setzen. Dafür müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Es braucht Lobbyisten und ich möchte gerne meinen Teil dazu beitragen.

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