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Im Dunkeln über den Rundling tappen

Der Dorfplatz in Mockethal wird neu gestaltet. Das finden die Anwohner prima. Aber nicht alles läuft rund.

Nach Einbruch der Dämmerung ist es auf dem Mockethaler Rundling duster. Infolge der Sanierung wurden die Lichtmasten abgebaut.
Nach Einbruch der Dämmerung ist es auf dem Mockethaler Rundling duster. Infolge der Sanierung wurden die Lichtmasten abgebaut. © Daniel Schäfer

Gunter Häbold aus Mockethal guckt derzeit, wenn er aufsteht,  auf eine Baustelle. Vor seiner Haustür wird der Mockethaler Rundling saniert. "Und ich schaue gerne auf die Baustelle, denn die Erneuerung ist dringend notwendig", erklärt der Mockethaler. Das dörfliche Idyll um den Rundling, angelegt vor etwa 600 Jahren, war in der zurückliegenden Zeit etwas getrübt. Die Mauer des historischen Löschteichs war marode, das Geländer verrostet, das Areal neben dem Gewässer uneben, Schilder sowie Hinweise für Wanderer fehlten.

Seit Jahren schon setzte sich der Heimatverein Mockethal für die aus seiner Sicht längst überfällige Sanierung des Dorfplatzes ein. Letztendlich führte das Engagement zum Erfolg, 2019 wurden die Fördermittel bewilligt, in diesem Jahr begannen nun die Arbeiten. Den Schwerpunkt innerhalb des ersten Bauabschnitts bildet die Sanierung des Dorfteiches. Der Wasserspeicher wird entschlammt, Fachleute sanieren dann die komplette Teichmauer. Zudem setzen sie rings um den Teich Sandsteinsäulen, dazwischen montieren sie ein neues Geländer. Das bisherige weiße Geländer, das stark verrostet war, verschwindet. 

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Aber aus Sicht der Bewohner sind jetzt einige Probleme aufgelaufen. 

Problem 1: Wird die Maßnahme rechtzeitig fertig?

In dem Dorf gibt es Bedenken, dass die Baumaßnahme rechtzeitig beendet wird. "Man hat uns gesagt, spätestens bis zum Jahresende soll die Sanierung abgeschlossen sein", erklärt Bernd Deliga, Anwohner und Mitglied des Heimatvereins. Wenn nicht, würde angeblich die Förderung über das Leader-Programm wackeln, so der Mockethaler weiter. "Und es wurde auch schon erzählt, dass in dem Fall die Anwohner einen finanziellen Anteil leisten müssten", sagt Deliga. Fazit: Die Bewohner sind derzeit stark verunsichert. 

Die Stadtverwaltung beruhigt, räumt aber ein, dass es derzeit tatsächlich einen leichten Bauverzug  gibt. "Wir sehen jedoch keine Probleme in der Fördermittelabrechnung. Für die beauftragten Leistungen kommen auf die Anwohner keine Kosten zu", informiert Stadtsprecher Thomas Gockel. 

Problem 2: Abends ist es zappenduster auf dem Rundling

Wer nach der Abenddämmerung noch auf dem Rundling unterwegs ist, sollte besser eine Taschenlampe mitnehmen. Im Zuge der Sanierung wurden vor gut 14 Tagen alle vier Masten der Straßenbeleuchtung demontiert. "Die Masten wurden abgebaut, ohne uns im Vorfeld zu informieren",  sagt Häbold. Um doch noch etwas Licht auf dem Platz zu haben, hat Bernd Deliga vor seinem Grundstück eine provisorische Lampe aufgestellt. "Den Strom bekomme ich von der Baufirma. Aber das kann ja keine Dauerlösung bis zur Fertigstellung sein", betont Deliga und erhält prompt Zustimmung von den anderen Nachbarn, die sich am Freitagmorgen zum Pressetermin eingefunden haben. Die Stadt kennt das Problem. "Wir bitten um Verständnis, dass es einen Zeitraum gibt, wo die alten Lichtmasten abgebaut sind, die neuen Masten jedoch noch nicht stehen", sagt Gockel. Die Installation sei derzeit in Vorbereitung.

Problem 3: Wo sollen künftig die Schwalben zwitschern?

Die abgebauten  Lichtmasten sorgen nicht nur für Dunkelheit, sondern auch für ein Problem in der Vogelwelt. Bisher war zwischen zwei Masten ein Drahtseil gespannt, auf dem sich die Schwalben im Sommer gerne niederließen. "Das Gezwitscher war sehr schön und gehörte einfach mit zu unserem Rundling, seit Generationen", berichtet Häbold. Jetzt gibt es keinen Schwalben-Treffpunkt mehr, was viele bedauern. "Uns wurde gesagt, dass eine Alternative geschaffen wird. Wir hoffen, dass das keine leeren Worte sind", sagt der Mockethaler. 

Ob es wirklich für die Schwalben eine Lösung geben wird?  "Für den Ersatz des Schwalbendrahtes gibt es noch keine technische Lösung. Die Umsetzung ist noch nicht geklärt", antwortet Thomas Gockel auf die Anfrage von Sächsische.de. Nach einem Durchbruch hört sich das jedenfalls nicht an. 

Problem 4: Weniger Maßnahmen wegen Fehlplanung?

Außerdem kursiert in Mockethal das Gerücht, dass aufgrund von Fehlplanung die Sanierung teurer werde. Das wiederum bedeute, so wird gemunkelt, dass nicht alle geplanten Leistungen ausgeführt werden können. Das beträfe vor allem die Pflasterung um die Gebäude. An einigen Grundstücken wurde bereits ein circa 50 Zentimeter breiter Pflasterstreifen verlegt. "Aber nun haben wir gehört, dass die übrigen Gebäude diese Pflasterung, die dem Rundling das historische Aussehen wiedergeben, nicht erhalten sollen. Das würden wir schade finden, denn dann wäre das einheitliche Bild gestört", meint Häbold.  Das Rathaus betont in diesem Zusammenhang, dass die Kosten einem regelmäßigen Monitoring unterlägen.  "Bei städtischen Baumaßnahmen kommt es hin und wieder vor, dass zwischenzeitlich kleinere Änderungen in der Ausführung vorgenommen werden. Bei diesem Bauvorhaben sind noch keine Entscheidungen zum Wegfall von Leistungen getroffen worden", so der Stadtsprecher. Im Moment gehe die Verwaltung  von der zu Beginn kommunizierten Bausumme aus. Eine Schlussrechnung erfolgt nach Abschluss der Maßnahme. Die Sanierung des Mockethaler Rundlings kostet fast 600.000 Euro. Das Projekt wird zu 80 Prozent gefördert, die Mittel stammen aus dem Leader-Programm der EU "Vitale Dorfkerne und Ortszentren".

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