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Scheunenhof: Verwaist jetzt die Altstadt?

SPD-Stadtrat Ralf Wätzig fordert von Pirna ein Konzept, wie das Einkaufszentrum an die Altstadt angebunden wird. Einen Plan gibt es - aber noch keinen Zeitpunkt.

Scheunenhofcenter an der Grenze zum Dohnaischen Platz: Neue Schilder sollen in Kürze den Weg in die Altstadt weisen.
Scheunenhofcenter an der Grenze zum Dohnaischen Platz: Neue Schilder sollen in Kürze den Weg in die Altstadt weisen. © Daniel Förster

Schon bevor das Pirnaer Scheunenhofcenter am 2. September öffnete, befürchteten viele, das neue Einkaufszentrum könnte eine Menge Kaufkraft aus der Altstadt abziehen und den dort ansässigen Geschäften weniger Kunden bescheren. 

Angesichts dieses Umstandes hob die Stadtratsfraktion "Bündnis 90/Die Grünen/SPD) das Thema auf die Tagesordnung des Kommunalparlaments. SPD-Stadtrat Ralf Wätzig beantragte schon vor einiger Zeit, Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) möge darüber berichten, welche konkreten Pläne es gibt, um das Konzept "Anbindung Scheunenhofcenter-Altstadt" umzusetzen und wann das Vorhaben realisiert wird. 

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Zugleich wollte der Abgeordnete wissen, ob und wie die Altstadt - mit Hinweisen auf den dortigen Einzelhandel - am Scheunenhof ausgeschildert wird. 

Wätzig begründet den Antrag damit, das mit dem Beschluss, das Scheunenhofareal zu entwickeln, noch eine weitere Entscheidung fiel. Der Stadtrat beauftragte seinerzeit die Stadt mit einem Konzept, wie das künftige Einkaufscenter an Alt- und Innenstadt angebunden werden kann.

Insbesondere ging es darum, wie in diesem Zusammenhang der komplette Bereich Breite Straße-Dohnaischer Platz-Kreisverkehr-Grohmannstraße künftig gestaltet werden soll. Vor allem sollte es barrierefreie Übergänge zwischen Scheunenhof und Altstadt geben, um möglichst viele Scheunenhof-Kunden auch in die zentralen Straßen und Gassen zu locken. 

In den vergangenen Jahren, sagt Wätzig, habe es zahlreiche Anfragen und Anträge zu diesem Thema gegeben, aber bis heute sei ihm keine Idee zur Anbindung der Altstadt bekannt. Dieser Antrag soll nun in der Sitzung des Stadtrates am 29. September diskutiert werden.

Unattraktive Route für Autofahrer

Das Rathaus hat dem Kommunalparlament bereits im Vorfeld empfohlen, diesem Antrag stattzugeben. Sollte dies geschehen, will Hanke im November-Stadtrat über die gestellten Fragen berichten.

Ganz neu ist die Thematik allerdings nicht. Schon im Herbst 2015 beschloss der Stadtentwicklungsausschuss eine von Stadt und Planern bevorzugte Variante, den Dohnaischen Platz nebst Umfeld umzugestalten. 

Die Pläne sehen einen ziemlich großen Eingriff in das Areal vor. Die vordringlichsten Punkte dabei sind: mehr Sicherheit und Platz für Fußgänger, weniger Autos in der Innenstadt, gedrosseltes Tempo im Zentrum, bessere Erreichbarkeit des Scheunenhofcenters. 

Um die Verkehrskonflikte zu reduzieren, sollen Pkws weitgehend vom Dohnaischen Platz verdrängt werden. Laut den Planern sei dieser Schritt längst überfällig, weil die Autos die Passage durch die Innenstadt regelmäßig überfrachten. Daher gilt die Maxime: Die Route durchs Zentrum soll für Autofahrer möglichst unattraktiv werden. Je hinderlicher diese Passage ist, desto weniger Kraftfahrer wählen diesen Weg. Mehrere Umbauten sollen dem Individualverkehr die Tour über den Dohnaischen Platz verhageln und Fußgängern die Wege vereinfachen. 

Külzstraße als Sackgasse?

Das gesamte Areal, angefangen vom Friedenspark bis einschließlich Kreisverkehr an der Bahnhofstraße, soll eine verkehrsberuhigte Zone werden. Die Fläche wird einheitlich gepflastert, es gibt keine Bordsteinkanten mehr, lediglich ein andersfarbiger Belag kennzeichnet künftig die schmale Fahrbahn über den Platz. Wie in verkehrsberuhigten Zonen vorgeschrieben, gilt dann auf dem Gelände Schrittgeschwindigkeit. 

Im Bereich des heutigen Mittelstreifens am Dohnaischen Platz sollen zwei Bushaltestellen je Fahrtrichtung neu entstehen. Sie werden nach den Vorstellungen der Planer so angelegt, dass nachfolgende Autos die Busse nicht überholen können.

Von diesen Haltestellen aus sollen Fußgänger das Scheunenhofcenter einmal bequemer erreichen können. Die Bushaltestellen am Dohnaischen Platz in Höhe des Friedensparks soll perspektivisch ganz verschwinden. 

Der Brunnen am Dohnaischen Platz soll vor das frühere Hotel "Schwarzer Adler" verlegt werden. Die Zahl der Parkplätze auf der Grohmannstraße reduziert sich, stattdessen wird der Fußweg zwischen Garten- und Bahnhofstraße breiter. 

Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die Külzstraße in Richtung Dohnaischer Platz zur Sackgasse zu machen. Ob das tatsächlich so kommt, steht aber noch nicht fest.

Die geschätzten Baukosten lagen damals bei 1,3 Millionen Euro.

Neue Wegweiser zur Altstadt

Nach Aussage des Rathauses sind die Pläne dafür im Grobkonzept fertig. Für die weitere Planung wurden ursprünglich Gelder im Haushalt für 2019/20 verankert.

Allerdings habe die Ausschreibung ergeben, dass die Baukosten unerwartet in die Höhe geschnellt waren. Pirna legte die Pläne zunächst auf Eis und verwendete das Planungsgeld vorerst dafür, um den neuen Kreisverkehr Rottwerndorfer Straße/Zehistaer Straße an der Adler-Apotheke mitzufinanzieren. Die Mittel für die Weiterplanung des Dohnaischen Platzes sollen nun für 2022 wieder im Haushalt eingestellt werden. Wann dann der Umbau realisiert wird, ist noch unklar. 

Ungeachtet dessen will Pirna aber so schnell als möglich neue Schilder aufstellen lassen: zum einen eine große Stadtplantafel vor dem Scheunenhofcenter, die auf die Einkaufsbereiche historische Altstadt, Breite Straße und Gartenstraße und die dort ansässigen Geschäfte hinweist. Darüber hinaus sollen die bislang für die Citybus-Haltestelle am Bahnhof genutzten Aufsteller als Wegweiser vom Scheunenhofcenter zur Dohnaischen Straße dienen.

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