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Schokolade zieht in Pirnas "Alten Bahnhof"

Das Unternehmen Adoratio Schokoladenkunst aus Thürmsdorf plant Großes in dem historischen Gebäude und nennt jetzt Einzelheiten.

Susanne Engler steht in der Küche ihres künftigen Schokoladen-Ateliers.
Susanne Engler steht in der Küche ihres künftigen Schokoladen-Ateliers. © Daniel Schäfer

Die Räume sind hoch, hell - und leer. Noch. Denn in die obere Etage des sanierten "Alten Bahnhofes" in Pirna zieht Süßes ein. Das Unternehmen Adoratio Schokoladenkunst Naschwerk GmbH erweitert sich am Standort und möchte hier ein Schokoladen-Atelier beziehungsweise eine Schokoladen-Akademie einrichten. "Die Eröffnung ist für Ende April geplant", sagt Inhaberin Susanne Engler auf Nachfrage von Sächsische.de.

Vermieter wird nach Thürmsdorf eingeladen

Um zu erklären, wie es zu dieser Erweiterung kommt, holt Susanne Engler etwas weiter aus. Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen zahlreiche Veranstaltungen in Thürmsdorf absagen. "Unsere Räumlichkeiten dort sind zwar sehr schön, aber nicht groß genug, um die Abstände einzuhalten. Das war traurig, nicht nur für unsere Gäste, sondern auch für die Mitarbeiter", berichtet Engler.

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Doch dann erfuhr sie, dass im "Alten Bahnhof" in der Pirnaer Altstadt noch Räume in der oberen Etage zur Vermietung frei seien. "Fast jeden Tag, wenn ich ohnehin in Pirna zu tun hatte, wo wir ja noch einen Verkaufsladen mit Café haben, fuhr ich an dem schönen Gebäude vorbei." Und welch ein Glück, eine Mieterin kennt sie seit Langem. "Britt Schramm, die eine Modeboutique in dem Bahnhof führt, ist eine gute Freundin von mir. Sie machte mich mit Herrn Michael Hänel bekannt, dem Besitzer", erinnert sich Susanne Engler. Sie fackelte nicht lange und lud ihren künftigen Vermieter in ihre Schokoladenmanufaktur nach Thürmsdorf ein.

"Schnell konnten wir ihn von unserer Arbeit und unseren Schokoladen-Produkten sowie Events überzeugen. Ich denke, er hat verstanden, wie detail-verliebt wir sind und dass wir hundertprozentig hinter unseren Produkten stehen", sagt Engler. So kam der Mietvertrag zwischen den beiden unkompliziert zustande.

Räume auch für private Feiern mietbar

Das neue Schokoladen-Atelier im "Alten Bahnhof" hat eine Grundfläche von circa 250 Quadratmetern und verfügt über mehrere Räume. Im ersten großen Raum soll nach den Vorstellungen von Susanne Engler und ihrem Team ein Showroom entstehen. "Hier wollen wir große Bilder von unserer Schokoladenstrecke an die Wände hängen. Auf einem Tisch in der Mitte werden die verschiedenen Schokoladenprodukte auf Etageren präsentiert", sagt die Chefin.

In dem daran angrenzenden Raum wurde bereits eine Küche vom Vermieter eingerichtet. Die kreative Konditormeisterin, die erst seit Kurzem zum Adoratio-Team gehört, möchte künftig Verkostungen und Chocolate-Diners veranstalten. Außerdem gibt es noch einen Wintergarten und eine Dachterrasse, von der man einen schönen Blick auf die Elbe hat. Hier finden Schokoladenkurse statt, bei denen es unter anderem um die Entstehungsgeschichte von der Kakaoschote bis zur Tafel geht. "Aber wir werden auch spezielle Trüffelseminare anbieten", schaut Engler voraus. Außerdem können die Räumlichkeiten für private Feiern, Fotoshootings oder Firmenfeiern angemietet werden. "Wir haben bereits eine Anfrage eines Modelabels aus Chemnitz", freut sich Susanne Engler.

Zusammenarbeit mit Nachbarn geplant

Geplant ist ebenso eine gute Zusammenarbeit mit den bereits ansässigen Mietern. Engler kann sich durchaus gemeinsame Aktionen mit der Modeboutique, aber auch mit der Weinhandlung Barrique vorstellen. " Mit der Tochter des Inhabers habe ich zusammen Abitur gemacht. Wir kennen uns. Zu der Friseurin Doreen Friebel, die im Erdgeschoss einen Salon hat, möchte ich zeitnah Kontakt aufnehmen", erklärt die Schokoladenfachfrau, die auf Synergieeffekte in dem Gebäude setzt.

Herausforderung für alle

Adoratio Schokoladenkunst wurde 2009 gegründet und hat derzeit acht Mitarbeiter sowie zahlreiche Freiberufliche, die unterstützen. Neben der Manufaktur in Thürmsdorf wurden ein Café und Verkaufsladen in der Kirchgasse in Pirna geöffnet. Nun kommt mit dem Schokoladen-Atelier im "Alten Bahnhof" ein dritter Standort hinzu. "Es ist für uns alle eine Herausforderung, an der wir wachsen und auf die wir uns freuen. Damit spreche ich auch für meine überaus engagierten Mitarbeiter", fasst Susanne Engler zusammen.

Gebäude jetzt komplett vermietet

Mit dem neuen Zuzug ist der "Alte Bahnhof" komplett vermietet. Im Erdgeschoss bietet die Weinhandlung Barrique edle Tropfen an. Gleich daneben können Kunden in der Modeboutique "Absolut Britt" stöbern, dazu gehört auch ein kleines Fashion-Café. Der Friseursalon und Barbershop von Doreen Friebel runden das Angebot im ehemaligen Bahnhof ab. "Ich denke, der Branchenmix ist gut gelungen", sagt Eigentümer Michael Hänel.

Hochprozentiges Projekt platzt

Bereits 2015 hat Michael Hänel das Gebäude von der Privatbrauerei Schmees-Besgen GmbH erworben, mit dem Ziel, es zu sanieren. Die Schmees-Geschäftsführung hatte ursprünglich den Plan, unter anderem eine Whiskeybrennerei in dem altehrwürdigen Haus zu eröffnen. Doch das Projekt zerschlug sich. So kam Hänel zum Zuge.

Züge rauschen vorbei

Die Sanierung zum modernen Geschäftshaus kostete rund 1,6 Millionen Euro. Von der Stadt gab es einen maximalen Zuschuss von 858 000 Euro aus Städtebaufördermitteln, weil das Gebäude im eigens dafür eingerichteten Fördergebiet "Alter Bahnhof" liegt. Um die Lärmbelästigung durch die in nur sechs Metern Entfernung vorbeifahrenden Züge möglichst gering zu halten, wurde ein erhöhter Schallschutz in die Fenster zur Schienenseite eingebaut.

Das Gebäude blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Im Juli 1848 wurde der Bahnhof im Zuge der Eröffnung der Sächsisch-Böhmischen Eisenbahn eingeweiht und 1875 stillgelegt. Bis 1998 war in dem Haus die Bahnmeisterei untergebracht, gleichzeitig wurde es für Wohnzwecke genutzt. Zuletzt stand das Gebäude leer.

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