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Pirna: Schüler froh über Rückkehr in die Klassen

Viele Grundschüler in Graupa sind froh, dass sie wieder Präsenzunterricht haben. Besonders eine Sache fehlte ihnen offenbar.

Tim, Mileen, Hanna, Noah und Sophie (von rechts) aus der Grundschule Graupa spielen auf dem Schulhof und freuen sich, dass der Präsenzunterricht wieder begonnen hat.
Tim, Mileen, Hanna, Noah und Sophie (von rechts) aus der Grundschule Graupa spielen auf dem Schulhof und freuen sich, dass der Präsenzunterricht wieder begonnen hat. © Norbert Millauer

9 Uhr. Große Pause. Hanna und Mileen sind die ersten, die aus dem Klassenzimmer der 4b der Graupaer Grundschule stürmen. Damit sichern sie sich die Pole-Position auf dem Klettergerüst und hangeln los. Ihre Schulkameraden folgen. Fröhliches Gelächter ist zu hören. Die Gruppe um Noah spielt lieber "Fangen". Gerade hat er Sophie angetickt, die jetzt ihr nächstes Opfer sucht.

Keine Frage, die Stimmung auf dem Schulhof in Graupa ist gut und laut, so wie es auch in den Pausen sein soll. Seit über einer Woche sind die meisten Schüler wieder im Präsenzunterricht. Damit ist die Zeit des Homeschoolings, nämlich Aufgaben per Lernsax abfassen und diese möglichst selbstständig zu bearbeiten, passé.

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Soziale Kontakte fehlten

Der zehnjährige Tim hat dazu eine klare Meinung. "Ich finde es besser, jetzt wieder in der Schule und nicht zu Hause am Computer zu lernen", sagt er. Das hat gleich mehrere Gründe, denn zu Hause war er oft durch seine kleineren Geschwister abgelenkt. "Wenn ich eine Aufgabe mal nicht so verstanden habe, dann kann ich jetzt bei meinem Lehrer oder auch schnell bei meinem Banknachbarn nachfragen. Das ist viel einfacher, als am Computer", lautet sein Fazit. Außerdem funktionierte die Plattform Lernsax nicht immer zuverlässig.

Dem stimmt sein Freund Noah uneingeschränkt zu." Zu Hause Lernen ist anstrengend. Der Klassenlehrer kann den Stoff viel besser in der Klasse im normalen Unterricht erklären. Das macht ja auch viel mehr Spaß", sagt er. Er habe auch den Eindruck gehabt, dass im Homeschooling noch mehr Aufgaben gegeben wurden, als im Präsenzunterricht. Auch deshalb freut er sich, wieder in die Schule gehen zu können und spricht noch einen anderen Aspekt an. Denn, die sozialen Kontakte zu seinen Mitschülern haben ihm eindeutig gefehlt. "Hier kann ich während der Pausen mit meinen Freunden spielen und toben. Das war ja im Lockdown nicht so möglich", berichtet Noah.

Mehr Zeit in der Familie

Hanna, die mittlerweile genug geklettert ist, kommt dazu und nickt. Auch sie vermisste während des Lockdowns den Kontakt zu ihren Freundinnen. "Man konnte sich ja nicht mit mehreren treffen. Das war doof. Jetzt kommen wir wieder zusammen. Ich meine, Schule ist ja nicht nur Lernen, sondern auch Gemeinschaft." Auch ihre Eltern seien froh, dass sie wieder in die Schule gehen dürfe.

Sophie hingegen konnte dem Lockdown und dem Homeschooling auch etwas Gutes abgewinnen. "Wir hatten mehr Zeit in der Familie, da auch meine Eltern oft zu Hause waren. Das haben wir gut genutzt und beispielsweise viel gespielt." Ein eindeutiges Plädoyer für Homeschooling? Nein, denn auch sie vermisste den Kontakt zu ihren Kameraden. "Zwar haben Mileen und ich oft miteinander gemailt. Aber das ist etwas anderes, als wenn wenn sich sieht und sich unterhält", überlegt Sophie laut. Just in diesem Moment gesellt sich Mileen dazu. Auch sie findet Schule in der Schule besser als Schule zu Hause. Nur eine Sache fehlt ihr: Der Sportunterricht, der derzeit nicht gegeben wird. "Sport ist mein Lieblingsfach. Um das auszugleichen, fahre ich jetzt oft mit dem Rad und bin auf meinen Inline-Skatern unterwegs", sagt die Neunjährige.

Nur wenige Schüler weiterhin im Homeschooling

Ganz offensichtlich freuen sich nicht nur die Schüler über die Öffnung der Grundschulen seit dem 15. Februar. Auch die Eltern begrüßen die Lockerung. Von den insgesamt 202 Graupaer Grundschüler sind nur drei Kinder darunter, die weiterhin auf Wunsch der Eltern zu Hause beschult werden. Eine Pflicht am Unterricht in der Schule teilzunehmen gilt nicht in Sachsen. "Die drei Schüler erhalten ihre Aufgaben weiterhin über Lernsax, die ihnen von den Lehrern zugeschickt werden", sagt Schulleiter Holger Häse.

Graupa ist unterdessen keine Ausnahme. Insgesamt 9245 Mädchen und Jungen sind im Landkreis gemeldet, die die Klassen eins bis vier in staatlichen Grundschulen/Förderschulen besuchen. Davon nehmen derzeit 95,5 Prozent am Präsenzunterricht teil. "Gründe, weshalb sich einige Eltern gegen den Schulbesuch ab Montag entschieden haben, sind uns nicht bekannt", sagt Petra Nikolov, Pressereferentin des Landesamtes für Schule und Bildung. Die Schulen haben unter den geltenden Rechtsverordnungen die Einrichtungen geöffnet. "Jede Schule hat jedoch dazu ein eigenes Hygienekonzept entwickelt, da jeder Standort über schulspezifische Besonderheiten verfügt", so die Referentin.

Lehrer haben Angst vor erneuter Schließung

Zurück nach Graupa. Auch die Lehrer seien dankbar und froh, dass sie jetzt wieder Mathe, Deutsch und Englisch im Klassenzimmer unterrichten können, ordnet Häse zum Thema ein. "So können sie viel besser interagieren, sehen den Lernfortschritt der Schüler und auch eventuellen Förderbedarf. Das gibt die häusliche Lernzeit natürlich nicht her", erklärt der Pädagoge, der sein Kollegium als überaus motiviert bezeichnet. "Einige Lehrer haben jetzt eher Angst, dass die Schule vor dem Hintergrund steigender Zahlen wieder geschlossen wird", führt Häse aus.

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