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Schweinepest: THW Pirna baut Zaun mit auf

17 Helfer unterstützen die Einsatzkräfte im Kreis Görlitz - ein Kraftakt mit straffem Tagesprogramm.

Bollwerk gegen Wildschweine: Pirnaer THW-Helfer errichten im Kreis Görlitz einen Maschendrahtzaun.
Bollwerk gegen Wildschweine: Pirnaer THW-Helfer errichten im Kreis Görlitz einen Maschendrahtzaun. © Susan Schmidt/THW Pirna

Der Job ging ganz schön auf die Knochen. Eine Woche war Susan Schmidt im Einsatz, vier Tage davon schuftete sie mit ihren Kollegen und anderen Helfern am Gemeinschaftswerk. "Das war teilweise ganz schön anstrengend, man wusste jeden Tag, was man gemacht hatte", sagt sie.

Susan Schmidt ist beim Ortsverband Pirna des Technischen Hilfswerkes (THW) zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, der aktuelle Einsatz führte sie und ihre Mitstreiter nun an die deutsch-polnische Grenze, der Auftrag war ein ganz spezieller. Es galt, einen Barrierezaun zu errichteten, damit Wildschweine die Afrikanische Schweinepest nicht weiter einschleppen und verbreiten.

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Anfang November war im Gebiet der Gemeinde Krauschwitz im Kreis Görlitz das erste Wildschwein in Sachsen gefunden worden, das diesen Virus in sich trug. Um eine Ausbreitung möglichst frühzeitig einzudämmen, ersuchte das sächsische Sozialministerium verschiedene Organisationen um Hilfe - unter anderem das THW.

120 Kilometer Zaun gegen das Virus

THW-Kräfte hatten bereits zu Beginn dieses Jahres mit Mitarbeitern anderer Landesbehörden einen 115 Kilometer langen Elektrozaun entlang der Neiße aufgebaut, dieser musste nun durch einen massiven Metallzaun ersetzt werden.

Das neue Schwarzkittel-Bollwerk, sagt Susan Schmidt, ist ein Maschendrahtzaun inklusive Wühlschutz, maximal einen Meter hoch, damit Rotwild noch darüber springen kann. Im ersten Abschnitt sollten bis Anfang Dezember 60 Kilometer aufgebaut werden, knapp 50 Kilometer sind schon geschafft - von Ludwigsdorf an der Autobahn 4 bis Krauschwitz. Ein zweiter, ebenfalls 60 Kilometer langer Abschnitt, ist in Planung.

Zum Start für das erste Teilstück gab es Material für insgesamt 250 Kilometer Zaun, der Rohstoff stammte aus Spanien, weil deutsche Hersteller nicht so schnell liefern konnten.

Bundeswehr verpflegt die Einsatzkräfte

Der Einsatz des THW begann am 9. November, er sollte drei Wochen dauern. Täglich waren insgesamt rund 200 Einsatzkräfte vor Ort, davon 60 bis 70 ehrenamtliche THW-Helfer aus 20 Ortsverbänden in Sachsen und Thüringen. Sie kooperierten unter anderem mit Reservisten der Bundeswehr, der ortsansässigen Feuerwehr, dem Bundesforst und Mitarbeitern der Landestalsperrenverwaltung.

Der THW-Ortsverband Pirna startete am 11. November mit seinem Einsatz, 17 Ehrenamtler waren an die Grenze gereist. Untergebracht waren sie im Bundeswehr-Truppenlager Werdeck in Krauschwitz, dort wurden sie auch verpflegt.

Der Tagesablauf war straff organisiert: 6.30 Uhr Frühstück, 8.30 Uhr Abfahrt, 12.30 Uhr Mittag, 15.30 Uhr Rückfahrt. Dann mussten noch die Lkws für den nächsten Tagen beladen werden, 17.30 Uhr gab es Abendbrot.

Einsatz des THW Pirna: Aller fünf Meter ein Pfosten.
Einsatz des THW Pirna: Aller fünf Meter ein Pfosten. © Susan Schmidt/THW Pirna

Ein blaues Band warnt die Tiere

Die Aufgaben der Helfer: Sie sicherten die Straße ab, wenn Lkws das Material brachten, schlugen aller fünf Meter Pfosten ein, rollten den Maschendrahtzaun aus, befestigen den Zaun an den Pfosten, befestigten aller 50 Zentimeter den Wühlschutz mit Erdnägeln, bauten Querstreben an die Pfosten, hängten Spannschlösser ein und knüpften aller zehn Meter ein blaues Band an den Zaun. Dieses Blau ist eine Signalfarbe für die Tiere und weist sie auf ein Hindernis hin - da blau so in der Natur nicht vorkommt.

Den THW-Helfern aus Pirna oblagen aber noch weitere Aufgaben. Zwei Gruppenführer führten je einen Trupp, Susan Schmidt unterstützte die Einsatzleitung bei der Öffentlichkeitsarbeit, die Helfer übernahmen Transportaufgaben, der Zugführer sorgte für eine reibungslose Kommunikation zwischen THW und Bundeswehr.

Zudem gab es im Lager Werdeck eine vom THW eingerichtete Logistikstation. Fachleute reparierten dort die Werkzeuge, sägten über 1.000 Zaunpfosten auf ein kürzeres Maß und betankten die Einsatzfahrzeuge. Das Volumen des Logistikpunktes entsprach einer kompletten Holz- und Metallwerkstatt mit täglich fünf bis zehn Helfern.

Dank an Arbeitgeber und Familien

Ohne Hilfe im Hintergrund wäre der Einsatz in dieser Form nicht möglich gewesen. "Ein besonderer Dank geht an die Arbeitgeber und Familienangehörigen, dass sie den Einsatz der Pirnaer THW-Helfer unterstützen", sagt Susan Schmidt.

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Generell habe man den THW-Kräften angemerkt, dass dieser Einsatz auch der Helferseele gut getan habe. Denn viele Dinge, die sonst beim THW in der Gemeinschaft erledigt werden, seien in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausgefallen.

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