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Wildschweinalarm in Pirna

Wildschweine dringen zunehmend ins Wohngebiet vor, Anwohner fürchten sich. Aber wie lässt sich die Schwarzkittel-Plage eindämmen?

Bache mit Frischlingen (Symbolfoto): In der Pirnaer Wesenitzaue hat sich eine Wildschweinrotte niedergelassen.
Bache mit Frischlingen (Symbolfoto): In der Pirnaer Wesenitzaue hat sich eine Wildschweinrotte niedergelassen. © dpa

Die Wesenitzaue in Pirnaer Stadtteil Copitz ist ein kleines Naturschutzgebiet, es erstreckt sich vom Wohngebiet Copitz-West bis hinüber zur Birkwitzer Straße. Das Biotop ist geprägt von Wiesenflächen, Weidengebüschen und vielerlei anderen Baumarten. Zwischendurch schlängelt sich die Wesenitz, bevor sie wenig später in die Elbe mündet.

In weiten Teilen darf die Natur noch Natur sein, unberührt von Menschenhand. Pirna ließ lediglich den Bereich südlich des Wesenitzauenweges für Erholungszwecke herrichten, es gibt dort einen Spielplatz, einen Aussichtspunkt, Bänke, neue Wege, Gehölzgruppen.

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Vom Wesenitzauenweg führt ein Mühlenpfad durch das Biotop bis zur Grenzstraße. Das gesamte Areal ist beliebt bei Radfahrern, Spaziergängern und Kindern, die dort ausgiebig spielen. Doch seit geraumer Zeit ist die Idylle etwas getrübt.

Anwohner nahe der Wesenitzaue sind in Sorge

In dem Naturschutzgebiet hat sich etwas niedergelassen, was den Anwohnern in Copitz-West zunehmend Angst macht: eine Wildschweinrotte.

Schon seit 2016 beobachten Anwohner, wie die Schwarzkittel verstärkt die Wesenitzaue erobern. Sorge bereitet ihnen vor allem, dass die Wildschweine den Menschen dabei immer näher kommen.

Mehrere Wohnhäuser, unter anderem an der Schillerstraße und der Juri-Gagarin-Straße, grenzen an das Naturschutzgebiet. Der Spielplatz liegt mittendrin, dazwischen verläuft der Rad- und Fußweg. "Dieser Weg wird von den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend hinein viel genutzt, auch von Kindern", sagt eine Anwohnerin. Doch mittlerweile sei das Areal nicht mehr sicher.

Schwarzkittel pflügen Wiesen und Wegränder um

Die Wildschweine, so schildern es die Bewohner, sind inzwischen ganzjährig in dem Gebiet unterwegs. Auf Fotos ist zu erkennen, wie das Borstenvieh Wiesen und Wegränder zerwühlt und aufgebrochen hat.

Auch eine Krokuswiese pflügten die Tiere bereits um, offenbar auf der Suche nach schmackhaften Blumenzwiebeln. Von den zerwühlten Flächen, so die Anwohner, seien es nur noch wenige Meter bis zu den ersten Hauseingängen.

Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Wildschweine auch zwischen den Wohnblöcken die Grünflächen umpflügen, Haselnussbäume und Eichen böten schließlich genug Futter.

Viele Bewohner sehen das inzwischen mit Sorge, einige haben auch Angst vor den Wildschweinen. Über allem steht nun die Frage: Wie lässt sich die Schwarzkittel-Plage eindämmen?

Nahe eines Wohnhauses in Copitz-West haben Wildschweine eine Krokuswiese umgepflügt.
Nahe eines Wohnhauses in Copitz-West haben Wildschweine eine Krokuswiese umgepflügt. © privat
Auch am Mühlenpfad, der hinüber zum Spielplatz führt, haben die Schwarzkittel Schäden hinterlassen.
Auch am Mühlenpfad, der hinüber zum Spielplatz führt, haben die Schwarzkittel Schäden hinterlassen. © privat
Am Weg vom Wohngebiet zur Ortsumgehung S 177 zerwühlten die Schwarzkittel die Wegränder.
Am Weg vom Wohngebiet zur Ortsumgehung S 177 zerwühlten die Schwarzkittel die Wegränder. © privat

Schweine machen sich in der Wesenitzaue breit

Dem Pirnaer Landratsamt - auch die zuständige untere Jagdbehörde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge - ist die Wildschweinproblematik in der Wesenitzaue schon seit einiger Zeit bekannt. "Nach den uns vorliegenden Informationen ist in dem Naturschutzgebiet eine Wildschweinpopulation beheimatet", sagt Steffen Klemt, Amtsleiter Sicherheit und Ordnung.

Nach seiner Aussage gelte Schwarzwild als sehr intelligent und anpassungsfähig. Die Kombination aus großzügigem Mastangebot und weitgehender Ruhe im Naturschutzgebiet sei ein entscheidender Grund dafür, dass das Schwarzwild in die Wesenitzaue vordringt.

Wildschweine keinesfalls anfüttern

Um den Spielplatz zu schützen, wäre ein wilddichter Zaun eine Möglichkeit. Ob Pirna aber einen solchen Zaun errichtet, ist fraglich. Denn die Stadt hat das Gelände bewusst offen gestaltet, außerdem wäre ein solcher Zaun mit hohen Kosten verbunden. Und die derzeitige Finanzlage der Stadt ist äußerst angespannt.

Generell rät das Landratsamt, dass Spaziergänger auf den Wegen bleiben und gegebenenfalls ihre Hunde anleinen sollten, um die Wildschweine nicht zu beunruhigen.

Eine weitere Möglichkeit, das Schwarzwild abzuwehren, sieht die Jagdbehörde in den klassischen "Vergrämungsmitteln". So könnte beispielsweise versucht werden, mit Duftzäunen zu arbeiten, um die Tiere abzuschrecken. Für einen kurzfristigen Erfolg könnte das Areal auch mit Flatterband abgesperrt werden. "Bei all diesen Varianten ist aber zu beachten, dass sich Schwarzwild schnell daran gewöhnt", sagt Klemt. Dann sei alles wirkungslos.

Laut der Jagdbehörde sollte auch generell unterbleiben, das Schwarzwild zu füttern. Daran hält sich aber offensichtlich nicht jeder. Anonymen Hinweisen zufolge gibt es in der Wesenitzaue mehrere Stellen, an denen die Wildschweine angefüttert werden. Dabei handelt es sich nicht um Kirrungen von Jägern.

Schwarzwild muss intensiv bejagt werden

Die weitaus beste Möglichkeit, die Wildschweinpopulation einzudämmen, ist aus Sicht der Jagdbehörde aber eine andere: das Schwarzwild muss intensiv bejagt werden.

Örtlich zuständige Jäger organisierten daher zuletzt im zurückliegenden Januar zwei kleinere Drückjagden, die allerdings ohne Jagderfolg endeten. Weil das Schwarzwild teilweise auch zwischen verschiedenen Gebieten hin- und herwechselt, ist es nicht immer in der Wesenitzaue anzutreffen.

Erschwerend kommt hinzu: Weil das Naturschutzgebiet regelmäßig von vielen Menschen in ihrer Freizeit frequentiert wird, ist eine entsprechend straffe Jagdausübung nur schwer möglich - da die Sicherheit vor und nach der Schussabgabe essenziell ist. Gleichwohl sind weitere Jagden auf dem Areal geplant.

Grundsätzlich sei laut Klemt die Jagd auf Schwarzwild mit einer Ausnahmegenehmigung auch in einem sogenannten befriedeten Bezirk - beispielsweise innerstädtische Gebiete - möglich. Dabei müsse aber immer geprüft werden, an welchen Stellen geschossen werden könne, ohne dabei Menschen und andere Sachen zu gefährden.

Regelmäßig werden viele Tiere erlegt

Nach Auskunft der Jagdbehörde sei Copitz nicht das einzige betroffene Gebiet. Generell nehme die Schwarzwildpopulation im Pirnaer Stadtgebiet zu, sodass auch an anderer Stelle Schwarzwildschäden entstehen. Um diese effektiv zu vermeiden, müsse das Schwarzwild intensiv bejagt werden.

Die Zahl der dabei erlegten Wildschweine in Pirna und in den angrenzenden Jagdbezirken liege seit Jahren schon auf einem konstant hohen Niveau.

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