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Wie läuft ein 3G-Gottesdienst, Herr Schleinitz?

Wer nicht geimpft, genesen oder getestet ist, darf nicht teilnehmen. Der amtierende Superintendent von Pirna sagt, ob Besucher schon abgelehnt wurden.

Von Mareike Huisinga
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Michael Schleinitz ist amtierender Superintendent des Kirchenbezirkes Pirna.
Michael Schleinitz ist amtierender Superintendent des Kirchenbezirkes Pirna. © Katja Frohberg

Noch vor Kurzem hatte der evangelische Landesbischof Tobias Bilz am Rande der Synode festgestellt, dass 2G für den Gottesdienst keine Lösung sei. Er forderte explizit, dass die Kirchen für alle offen bleiben müssten. Mit der neuen Coronaschutzverordnung in Sachsen gilt seit dem 22. November die 3G-Regelung in den Gottesdiensten. Das heißt, nur Genesene, Geimpfte oder Getestete dürfen am Gottesdienst teilnehmen. Grenzt diese Regelung einige Menschen aus? Darüber sprach Sächsische.de mit Michael Schleinitz. Er ist der amtierende Superintendent des Kirchenbezirkes Pirna.

Herr Schleinitz, wird die neue 3G-Regelung von den Gottesdienstbesuchern akzeptiert?

Verallgemeinernd kann ich das natürlich nicht sagen, aber ich spreche jetzt von meiner Kirchgemeinde in Lohmen und Umgebung. Wir hatten bereits im Vorfeld in den Schaukästen über die neue Situation informiert und auch Gespräche darüber geführt. Die meisten Gottesdienstbesucher sind geimpft oder genesen. Einige zeigten auch einen tagesaktuellen Test vor. Wir selber als Kirchgemeinde stellen Selbsttests kostenlos zur Verfügung. Wer will, kann sich also vorher noch testen, um dann den Gottesdienst zu besuchen. Davon hatte allerdings am 1. Adventswochenende in Lohmen niemand Gebrauch gemacht. Ich stelle also fest, dass es durchaus schon eine gewisse Akzeptanz gibt, aber ebenso kann ich nicht ausschließen, dass einige Gemeindemitglieder wegen der neuen Regelung nicht in die Kirche gekommen sind.

Mussten Sie jemanden wegschicken, der die Regeln nicht einhalten wollte?

Nein, für mich selbst traf das nicht zu. Vereinzelt soll es vorgekommen sein. Aber wir führen darüber keine Statistik, deshalb kann ich nicht für alle Kirchgemeinden sprechen. Jemandem Zutritt in die Kirche zu verwehren, der den Gottesdienst besuchen will, fällt mir persönlich sehr schwer. Deshalb begrüße ich auch die Möglichkeit, dass 3G und nicht 2G gilt. So hat der Gottesdienstbesucher immer noch die Möglichkeit, über Testung an der Feier teilzunehmen und die Kirche bleibt offen.

Welche weiteren Hygieneregeln gelten außerdem im Gottesdienst?

Es besteht Maskenpflicht, und Abstände müssen gewahrt werden. Außerdem haben wir Kontaktnachverfolgung. Auf das Abendmahl wird größtenteils ganz verzichtet. Wenn überhaupt das Abendmahl gefeiert wird, dann in vereinfachter Form, indem beispielsweise nur die Hostie und nicht der Kelch gereicht wird. Falls der dringende Wunsch besteht, können wir auch das Einzelabendmahl verabreichen. Das handhaben wir schon immer so.

Stichwort Hausbesuche. Wie läuft derzeit die Seelsorge?

Natürlich besuchen wir auch unsere Gemeindeglieder, um mit ihnen in Einzelbegegnungen ins Gespräch zu kommen. Da sich die Gemeindekreise nicht treffen können, schreiben wir Grußbotschaften, um in Kontakt zu bleiben. Die Adventszeit ist die Zeit der Besinnung. Mit den Grußbotschaften wollen wir dazu Impulse geben. Für viele ist der Advent auch die Zeit der großen Konzerte. Diese könne unter diesen Umständen nicht stattfinden. Um diesen Ausfall ein wenig zu kompensieren, finden vereinzelt Bläserzusammenkünfte unter freiem Himmel vor den Kirchen statt.

Und wie wird Heiligabend gefeiert?

Die Christvespern in überfüllten Kirchen werden so nicht stattfinden. Wie konkret gefeiert wird, kann ich noch nicht sagen. Wir streben aber auch andere Formate an. Zum Beispiel werden kleine Krippenspiele einstudiert. Denkbar ist, dass wir diese per Video aufzeichnen und dann auf unsere Homepage stellen. Vorbereitet wird gerade ein gemeinsamer Gottesdienst über die neuen Medien mit unserer Partnergemeinde in Nebraska, in den USA. Denkbar sind ebenso gemeinsame Weihnachtswege unter freiem Himmel.

Wir sind im Jahre zwei der Pandemie. Was macht Corona mit den Menschen?

Menschen erkranken und manche sterben auch an Corona. Mitarbeitende im Gesundheitswesen kommen an ihre Grenzen. Aber auch für alle anderen ist die lange Zeit der Pandemie anstrengend und teilweise existenzbedrohend. Verschiedene Sichtweisen prallen aufeinander. Ich denke, es ist wichtig, dass wir uns mit gegenseitigem Respekt und gegenseitigem Verständnis begegnen, um eine möglichst gute Lösung für alle zu finden und um eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.