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So läuft das Impfen in Pirna

Das Impfzentrum in Pirna-Copitz könnte noch mehr schaffen. Doch dafür fehlt etwas.

Krankenschwester Anne Schüring impft unter einigem Medienaufsehen Grit Debler. Als Mitarbeiterin bei den Johannitern gehört sie zu den Ersten, die das Impfzentrum in Pirna nutzen durften.
Krankenschwester Anne Schüring impft unter einigem Medienaufsehen Grit Debler. Als Mitarbeiterin bei den Johannitern gehört sie zu den Ersten, die das Impfzentrum in Pirna nutzen durften. © Daniel Schäfer

Nach knapp 30 Minuten ist es geschafft. Frau Herzog aus Johnsbach gehörte zu den Ersten, die sich im Impfzentrum in Pirna-Copitz gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 impfen ließen. Draußen warten schon die Tochter und der Schwiegersohn, um Frau Herzog wieder nach Hause zu bringen. Etwa 45 Minuten dauert die Fahrt mit dem Auto zurück ins Osterzgebirge.

Für die Impfung hat sich die gesamte Familie ins Zeug gelegt. Den Online-Termin hatte der Enkel für die Oma ergattert. Frau Herzog hätte das allein nicht geschafft. Die 86-Jährige ist sehr dankbar dafür. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sie ihre Kontakte stark eingeschränkt. Jetzt freut sie sich, dass es nicht mehr lange dauert, bis sie wieder unbeschwert ihre Urenkel in den Arm nehmen kann, ohne Angst, sich das Virus einzufangen. "Darauf hatte ich schon gewartet, dass es endlich die Impfung gibt", sagt sie.

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Kann man sich spontan impfen lassen?

Für die Logistik im Impfzentrum in Pirna-Copitz ist das Deutsche Rote Kreuz verantwortlich. Das eigentliche Impfen organisiert die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS). Zwar sind immer wieder Absprachen nötig, aber die Abläufe funktionieren immer reibungsloser.

Wer zu den Glücklichen gehört, die einen der wenigen Termine bekommen haben, die bei der Online-Anmeldeplattform zur Verfügung standen, muss das am Eingang nachweisen. "Ohne Termin können wir niemanden impfen", sagt Christian Thie, Leiter des Pirnaer Impfzentrums. Der Rettungssanitäter geht seine neue Aufgabe mit jeder Menge Energie an, so wie seine Kollegen auch. Für seinen bisherigen Job beim DRK wurde befristet jemand Neues eingestellt.

Am Check-in wird geprüft, ob alle erforderlichen Unterlagen vorhanden sind. Wer geimpft werden will, muss Personalausweis und Chipkarte dabei haben. Ein Anamnesebogen muss ausgefüllt werden und die Impfaufklärung bekannt sein.

Ein über 80-Jähriger geht zum Check-in im Impfzentrum in Pirna-Copitz. Nur wer zuvor einen Termin erhalten hat, wird hereingelassen.
Ein über 80-Jähriger geht zum Check-in im Impfzentrum in Pirna-Copitz. Nur wer zuvor einen Termin erhalten hat, wird hereingelassen. © Daniel Schäfer

Wer übernimmt die Aufklärung?

Nach dem ersten Wartebereich nimmt Dr. Susan Brechow die Impfwilligen einzeln in Empfang. Im Impfzentrum sind ausschließlich Ärzte für die Aufklärung über die Impfung zuständig. Schon in den ersten Tagen wurde so gut wie alles gefragt, was so im Internet kursiert, erzählt Brechow.

Bisher war sie in einer Klinik beschäftigt und hat auch Erfahrung mit Grippeschutzimpfungen. Demnächst übernimmt sie eine Arztpraxis. Bis das soweit ist, arbeitet sie im Impfzentrum mit. Aufgrund der großen Aufmerksamkeit für das Thema werde jetzt intensiver aufgeklärt als es bei Influenza üblich war.

Brechow und ihre Kollegen müssen sich quasi täglich weiterbilden, wenn etwa eine neue Studie veröffentlicht worden ist. Bei Fragen nach Langzeitwirkungen wird es schwierig. Die Impfstoffe sind ja erst vor ein paar Monaten entwickelt worden.

In Pirna wird bisher nur der Impfstoff von Biontech gespritzt. "Wie lange diese Impfung wirksam ist, da gibt es auch noch keine abschließenden Studien", sagt Brechow. Für den Impfstoff der Firma Moderna wird der Zeitraum aktuell mit einem Jahr beziffert.

Fraglich ist auch, ob nach einer Impfung ein Antigentest, ein sogenannter Schnelltest, bei der Person noch positiv anschlagen könne. "Das steht in keiner Fachinformation", sagt die Ärztin. Bei einem PCR-Test stehe dagegen fest, dass er dann nur noch negativ ausfällt. Am Ende muss von jedem ein Aufklärungsbogen unterschrieben werden.

Ärztin Dr. Susan Brechow (r.) klärt mit Grit Debler vor der Impfung alle noch offenen Fragen. Mit Trennwänden wurde der ehemalige Aldi-Markt innen räumlich umgestaltet.
Ärztin Dr. Susan Brechow (r.) klärt mit Grit Debler vor der Impfung alle noch offenen Fragen. Mit Trennwänden wurde der ehemalige Aldi-Markt innen räumlich umgestaltet. © Daniel Schäfer

Weshalb werden Apotheker gebraucht?

Das Spritzen übernehmen neben den Ärzten auch Fachkrankenschwestern. Das DRK ist für die Kühlkette des Impfstoffes bis zum Kühlschrank im Impfzentrum zuständig. Der Impfstoff muss dann aber noch von einem Apotheker vor Ort aufbereitet werden. Beispielsweise muss er mit Kochsalzlösung verdünnt werden. Das ist nicht trivial. "So darf der Impfstoff dabei nicht geschüttelt, sondern nur geschwenkt werden", erklärt Uta Broßmann.

Die Apothekerin ist eigentlich in einem Unternehmen in Glashütte beschäftigt. Für ein paar Tage hilft sie im Impfzentrum mit, so wie sie in ihrem eigentlichen Geschäft entbehrlich ist. Die Einsatzplanung läuft über die KVS.

Für die sonstige Organisation rund um den Impfvorgang musste das DRK in Pirna 20 Stellen besetzen. Vier Beschäftigte kamen aus den eigenen Reihen. Die anderen wurden befristet eingestellt. "Damit hatten wir keine Probleme. Es gab wesentlich mehr geeignete Bewerber", sagt Oliver Wehner, Präsident des DRK Pirna. Auch Wachschutz ist ständig vor Ort.

Christian Thie, einer der beiden Leiter des Impfzentrums Pirna, hält ein leeres Fläschchen des Covid-19-Impfstoffs von Biontech und Pfizer in der Hand.
Christian Thie, einer der beiden Leiter des Impfzentrums Pirna, hält ein leeres Fläschchen des Covid-19-Impfstoffs von Biontech und Pfizer in der Hand. © Daniel Schäfer

Wann erfolgt die zweite Impfung?

Nach der Impfung geht es in den zweiten Wartebereich. Dort wird 15 Minuten lang die sogenannte Ruhezeit verbracht. Damit soll gesichert werden, dass plötzliche Komplikation sofort erkannt werden. "Haben sich im Aufklärungsgespräch weitere Besonderheiten ergeben, wird die Ruhezeit auch verlängert", sagt Ärztin Brechow. Zur weiteren Sicherheit wurde auch ein Notfallzimmer eingerichtet. Alle Beschäftigten sind zudem in Erster Hilfe geschult.

Im Regelfall dauert der gesamte Durchlauf etwa eine halbe Stunde. "Wenn man sich an seine Impfzeit hält", sagt Christian Thie. Die Hektik hält sich derzeit noch in Grenzen. "Das wird in 21 Tagen dann etwas anders werden", sagt Ilka Pohl, Geschäftsführerin des DRK Pirna. Ab dann kommen die Termine für die zweite Impfung hinzu. Bis jetzt stehen im Landkreis aber lediglich 180 Impfdosen täglich zur Verfügung. Davon gehen auch noch die für die mobilen Impfteams von den Johannitern ab.

Erst wenn mehr Impfstoff vorhanden ist, würde das Landratsamt noch ein zweites Impfzentrum einrichten lassen. "Ein Objekt ist schon angefragt", sagt Sozialbeigeordnete Kati Kade. Das Impfen erleichtern würde auch, wenn Impfstoffe zur Verfügung stünden, die nicht so aufwendig transportiert, gelagert und aufbereitet werden müssten, wie der von Biontech. Dann könnten möglicherweise auch Hausärzte impfen, wie bei der Grippeschutzimpfung.

Im zweiten Wartebereich werden Geimpfte mindestens 15 Minuten beobachtet, ob es irgendwelche Komplikationen gibt.
Im zweiten Wartebereich werden Geimpfte mindestens 15 Minuten beobachtet, ob es irgendwelche Komplikationen gibt. © Daniel Schäfer

Das Impfzentrum in Pirna impft täglich. Wochentags von 8 bis 18 Uhr, am Wochenende 9 bis 17 Uhr. Jeder bekommt beim Check-out gleich den Termin für die zweite Impfung mitgeteilt. Das ist nach 21 Tagen. "Da gibt es im Moment auch keinen Spielraum", sagt Thie.

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